Die Schauspielerin Judy Garland im blaukarierten Schürzenkleid in dem Film «Der Zauberer von Oz»
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Filmstart vor 80 Jahren Was den "Zauberer von Oz" zum Meilenstein der Kinogeschichte machte

Eine Vogelscheuche, die sich Verstand wünscht, ein Zinnmann, der ein Herz will, ein feiger Löwe, der nichts sehnlicher haben möchte als Mut – und ein Mädchen, das einfach nur nach Hause will. Das Filmmusical "Der Zauberer von Oz", mit Judy Garland in der Rolle der "Dorothy", war ein Meilenstein der Kinogeschichte. 1939, vor genau 80 Jahren, kam der Film in die Kinos.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR-Autor

Die Schauspielerin Judy Garland im blaukarierten Schürzenkleid in dem Film «Der Zauberer von Oz»
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Ein wirklich sehr heftiger Sturm ist das. Er trägt muhende Kühe fort, gackernde Hühner und strickende ältere Damen. Auch ein Ruderboot, in dem zwei Männer sitzen, die freundlich grüßen. All das sieht Dorothy an ihrem Fenster vorbeifliegen. Was natürlich alles andere als selbstverständlich ist und nur geht, weil das Häuschen, in dem das Mädchen gemeinsam mit ihrem Hund steckt, gleichfalls durch die Luft getragen wird. Bis es endlich landet. Im Wunderland Oz.

Die Vorlage des Filmmusicals "Der Zauberer von Oz" stammt von Lyman Frank Baum. 1900 wird das Buch erstmals veröffentlicht, entwickelt sich zu einem Bestseller und erlebt diverse Fortsetzungen. Baum erkennt auch das filmische Potential seiner Geschichten und ruft die "Oz Film Manufacturing Company" ins Leben, verantwortlich für Arbeiten wie "The Patchwork Girl Of Oz" von 1914 oder "His Majesty, The Scarecrow Of Oz" aus dem gleichen Jahr. Nur – das Publikum nimmt die Filme nicht an.

Große, verschwenderische Produktionen

Michael Patrick Hearn schreibt in "Alles über den Zauberer von Oz", Baums Filme seien "große, verschwenderisch ausgestattete Produktionen" gewesen. "Sie waren den üblichen Streifen der Zeit weit überlegen, aber sie galten als 'Kinderfilme', und das Publikum wollte lieber Stars wie Charlie Chaplin sehen."

Judy Garland
Judy Garland erlangte durch den "Zauberer von Oz" Weltruhm Bildrechte: imago/United Archives

Baums schlechte Erfahrungen schrecken die Metro-Goldwyn-Mayer-Studios (MGM) nicht ab. Allerdings treiben die Dreharbeiten den Bossen Schweißperlen auf die Stirnen. Mit 32 Wochen dauert der Dreh außergewöhnlich lang, es bedarf gleich mehrerer Regisseure, um das Projekt fertigzustellen, und die Kosten steigen auf 2,7 Millionen Dollar – damit gehören die verfilmten Abenteuer des Mädchens aus Kansas zu den bis dato teuersten MGM-Produktionen überhaupt.

Judy Garland als "Dorothy"

Gedacht ist "Der Zauberer von Oz" ursprünglich als Vehikel für Shirley Temple. Doch wie so oft in Hollywood entwickeln sich die Dinge anders: Eigentlich ist Judy Garland für die Hauptrolle etwas zu alt, aber das stört nicht weiter. Und Songtexter Edgar "Yip" Harburg schwärmt:

Judy war ein außergewöhnliches Kind. Sie sang nicht für Deine Ohren, sondern Deine Tränendrüsen. Sie kombinierte eine großartige Stimme mit einem Verständnis für Musik und Text und dieser Fähigkeit, sich in Deine Seele zu singen.

Edgar "Yip" Harburg, Songtexter

Meilenstein der Kinogeschichte

Selbst der vermeintlich große und mächtige Zauberer von Oz kann nicht verhindern, dass das nach ihm benannte Filmmusical 1939 die Unkosten nicht einspielt. Dafür aber ist mit der Geschichte um Dorothy, Vogelscheuche, Zinnmann und Feigen Löwen ein Werk für die Ewigkeit entstanden, ein populärer, bis heute beliebter Meilenstein der Kinogeschichte. Versehen mit einer Botschaft, über die man durchaus streiten kann: Denn ist es wirklich nirgends besser als daheim?

Ray Bolger Dorothy (Judy Garland) und die Vogelscheuche (Ray Bolger) wagen ein Tänzchen im Zauberland Oz.
Dorothy (Judy Garland) und die Vogelscheuche (Ray Bolger) wagen ein Tänzchen im Zauberland Oz. Bildrechte: IMAGO

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. August 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2019, 04:00 Uhr

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