Das gläserne Kernstück der Säule, die vom Künstlerkollektiv «Zentrum für politische Schönheit» (ZPS) im Regierungsviertel aufgestellt wurde, ist mit schwarzem Klebeband blickdicht abgeklebt.
Das gläserne Kernstück der Säule wurde mit schwarzem Klebeband blickdicht abgeklebt. Bildrechte: dpa

Asche von NS-Opfern? ZPS bricht Aktion ab und entschuldigt sich

Das gläserne Kernstück der Säule, die vom Künstlerkollektiv «Zentrum für politische Schönheit» (ZPS) im Regierungsviertel aufgestellt wurde, ist mit schwarzem Klebeband blickdicht abgeklebt.
Das gläserne Kernstück der Säule wurde mit schwarzem Klebeband blickdicht abgeklebt. Bildrechte: dpa

Das für umstrittene Aktionen bekannte "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) hat am Mittwoch sein aktuelles Projekt einer im Berliner Regierungsviertel installierten Stahlsäule zum Gedenken an NS-Opfer abgebrochen und sich für die Aktion entschuldigt. Die Stahlsäule ist derzeit verhüllt und die Internetseite zur Aktion abgeschaltet. Auch ein für Samstagnachmittag in Zusammenhang mit der Aktion angekündigter sogenannter Zapfenstreich wurde abgesagt.

Im Gespräch mit MDR KULTUR teilte das "Zentrum für politische Schönheit" mit, dass es sich derzeit nicht konkret dazu äußern wolle und man zunächst den Opfern, bei denen sie sich entschuldigt haben, Raum geben wolle.

Wir wollen bei Betroffenen, Angehörigen und Hinterbliebenen aufrichtig um Entschuldigung bitten, die wir in ihren Gefühlen verletzt haben.

"Zentrum für politische Schönheit" auf ihrer Internetseite politicalbeauty.de

Heftige Kritik

Die Aktivisten hatten in Reichstagsnähe eine Stahlsäule zum Gedenken an NS-Opfer installiert, vermeintlich mit Asche und Knochenresten von Holocaust-Opfern gefüllt. Damit wollten die Künstler vor einer Zusammenarbeit von Konservativen mit der AfD warnen. Daran gab es massiv Kritik.

Charlotte Knobloch
Charlotte Knobloch Bildrechte: Uwe Lein/dapd

Der Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge, kritisierte bei MDR KULTUR zum Beispiel mangelnde ethische Sorgfalt und ungenügende Dokumentation der menschlichen Überreste. Auch der Zentralrat der Juden mahnte eine mögliche Störung der Totenruhe an und bezeichnete die Aktion als unseriös. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, teilte mit: "Die jüngste Aktion des 'Zentrums für politische Schönheit' soll provozieren, ist aber tatsächlich nur geschmacklos, taktlos und pietätlos."

Wir möchten insbesondere auch die jüdischen Institutionen, Verbände oder Einzelpersonen um Entschuldigung bitten, die durch unsere Arbeit die Totenruhe nach jüdischem Religionsrecht gestört oder angetastet sehen.

"Zentrum für politische Schönheit" auf ihrer Internetseite politicalbeauty.de

Auch andere Standorte geschlossen

Unabhängig vom Standort des Bundestages in Berlin, soll es auch weitere Stelen in anderen Städten gegeben haben. ZPS-Sprecher Philipp Ruch sagte, dass es in anderen Städten, unter anderem auch in Halle, Arnstadt und Cottbus, vergleichbare Aktionen gegeben habe.

Nach eigenen Angaben des ZPS sollen diese Standorte ebenfalls umgestaltet oder die Stelen ersetzt worden sein.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Dezember 2019 | 17:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2019, 12:13 Uhr