Die 2020er-Jahre Unsere Zukunft zwischen Technik und Mensch

Den Blick in die Technik-Zukunft übernehmen oftmals Science-Fiction-Romane und Hollywoodblockbuster. Von romantisierter Utopie bis zu düsterer Untergangsstimmung ist mittlerweile alles dabei. Doch welche realistischen Einschätzungen geben Wissenschaftler für unseren technologischen Fortschritt der 2020er-Jahre ab?

Künstliche Intelligenz (KI)
Künstliche Intelleginz wird auch in Zukunft wichtiger werden – aber nicht so schnell, wie einige annehmen. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Genervt stößt Will Smith den Roboter beiseite, der gerade ein Paket ausliefert, und bahnt sich seinen Weg durch die futuristische Welt des Blockbusters "I, Robot". Solch menschenähnliche Paketlieferanten erwarten Wissenschaftler für die nahe Zukunft um 2029 zwar nicht. Doch mit dem Einsatz von Drohnen, die die neueste Bestell-Lieferung aus der Luft liefern, rechnen sie bis dahin schon.

Technik im Jahr 2029

Im Verkehr soll die Technik in zehn Jahren uns bereits das Fahren abgenommen haben, wenn selbstfahrende Autos sowohl Personen- als auch Lastfahrzeuge von A nach B befördern. Wenn solche autonomen Fahrzeuge die Fehlerquote verringern, soll auch die Zahl der Verkehrstoten sinken.

Tesla Model 3
Tesla testet schon heute selbstfahrende Autos – mit zwiespältigen Ergebnissen. Bildrechte: dpa

Hinzu kommt eine andere Neuerung, die Vernetzung mit 5G. Karten-Updates, Echtzeitinformationen und Sightseeing-Tipps machen dann die sogenannte "Augmented Reality" in unserem Alltag zum nützlichen Begleiter. Doch auf diese Unterstützung sollten wir uns als Gesellschaft vorbereiten, so Bertold Meier von der TU Chemnitz in einer Diskussionsrunde des MDR.

Für ihn ist die künstliche Intelligenz nicht das Problem – viel eher sei es künstliche Intelligenz in den Händen von einigen wenigen Unternehmen, die viel Geld mit möglichst wenig Moral verdienen wollten, so Meier. "Das Problem ist die Verschmelzung dieser Technologien mit einem völlig entfesselten, neoliberalen Kapitalismus.“

Was ist Augmented Reality?

Augmented Reality bedeutet erweiterte Realität. Durch computergestützte Wahrnehmung wird die reale Welt um virtuelle Aspekte erweitert. Mit der Integration von Kameras in mobile Geräte wie Smartphones können zusätzliche Informationen oder Objekte direkt in ein aktuell erfasstes Abbild der realen Welt eingearbeitet werden. 

Algorithmen als Entscheidungsträger

Filmszene - Minority Report  - Tom Cruise
Der Film "Minority Report" spielt in einer Zukunft, in der Verbrechen verhindert werden, bevor sie geschehen. Bildrechte: imago/Prod.DB

Das ist auch vor dem Hintergrund der Kriminalitätsbekämpfung wichtig, wenn Analyseprogramme und intelligente Software Sicherheitsbehörden unterstützen. Dadurch können beispielsweise Verbrechen automatisiert bekämpft werden, noch bevor sie geschehen. Politikwissenschaftler Frank Sauer von der Bundeswehr-Universität München sieht das jedoch kritisch.

Er weist darauf hin, dass in Zukunft in vielen Bereichen Entscheidungen an Algorithmen deligiert würden. "Das hat problematische soziale Implikationen, das hat Ungleichbehandlung zur Folge." Beim Militär gebe es aber einen großen Unterschied, so Sauer – denn dort gehe es um Leben und Tod.

Künstliche Intelligenz als Heilsbringer?

Eine der wichtigsten Neuerungen wird wohl die Entwicklung der künstlichen Intelligenz von Technik. Eine Studie der Stanford University in den USA blickte im langfristigen Projekt "AI 100" (englisch "Artificial Intelligence", kurz AI) auf die Rolle von KI im Alltag unserer Zukunft. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Technik menschlicher wird, ansprechbar für die Menschen.

Das kommt vor allem den Unterhaltungssektor und seinen vernetzten Smartphones und Fernsehern zugute. Hier müsse man sich einerseits fragen, wie weit die Humanisierung vorangetrieben werde – und was den Menschen dann noch als Mensch definiert. Die Forscher aus Stanford zweifeln jedoch ebenso wie Bertold Meier daran, dass uns die Technik bis 2030 soweit überholt hat.

Grafik: Gehirn und im Hintergrund ein Computer Motherboard.
Wie stark und wie schnell wird Künstliche Intelligenz unser Leben verändern? Bildrechte: imago/Science Photo Library

Meier meint, damit eine "Superintelligenz" erst einmal beginnen könne zu handeln, müsse sie erstmal selbstständig handeln können. Und dazu brauche sie Dinge wie Intention und Bewusstsein. "Wir verstehen nicht einmal, wie diese Dinge im Gehirn funktionieren, deshalb können wir sie auch nicht reproduzieren.“

Technik in der Medizin

Gute Nachrichten also für alle KI-Skeptiker! Doch an den vermehrten Einsatz von künstlicher Intelligenz im Gesundheitsbereich müssen auch sie sich gewöhnen. Die 2020er sollen Programme bringen, die Gesundheitsdaten noch umfassender auswerten und helfen, Gefahren frühzeitig zu erkennen. Zur Prävention kommt die technologische Unterstützung von Robotern bei Operationen, was Ärzte unheimlich entlasten dürfte.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Damit verbunden ist jedoch auch die Frage, welche Berufe in Zukunft überhaupt noch von Menschen ausgeübt werden – und welche wegrationalisiert werden. Die fachliche Einschätzung eines erfahrenen Arztes wird die Technik bis 2030 ebenso wenig verdrängen, wie die menschliche Zuwendung einer Pflegekraft. Denn laut den Forschern der Stanford University sind die Stellen, die besonders hohe oder besonders niedrige Qualifikationen verlangen, eher wenig bedroht. Doch dazwischen wird es Veränderungen geben – Wissen dürfte Sachkapital ersetzen.

Bertold Maier von der TU Chemnitz sagt auch, dass es ohne Regulierung nicht gehen wird. "Die großen sozialen Veränderungen der Menschheitsgeschichte sind in der Regel nicht passiert, weil irgendeine Technik erfunden wurde, sondern weil genügend Leute gesagt haben: So geht das nicht, wir verändern jetzt etwas und dann hat es Gesetze gegeben."

Veränderungen – aber nicht zu schnell

Die Technologie wird sämtliche unserer Lebensbereiche beeinflussen und verändern, davon gehen die Forscher aus. Nur ganz so schnell, wie es uns Hollywood erzählen will, wird es nicht. Neben der nützlichen Hilfe, die wir dadurch erfahren, gilt es, mögliche Gefahren zu erkennen und diese vorzubeugen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. Januar 2020 | 18:05 Uhr

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