MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt #3: Film Fehlende Solidarität in der Filmbranche?

Die Filmwirtschaft leidet wegen der Corona-Pandemie – und plötzlich schaut jeder nur noch auf sich? Produzentin Nicola Graef sieht es so. Schauspielerin Susanne Bormann hält dagegen – mit fast schon sozialistischen Forderungen. Wie solidarisch die deutsche Filmindustrie ist oder sein sollte, darüber wurde in der dritten MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt diskutiert.

Nach langem Stillstand an den Sets könnten so langsam die Drehs wieder anlaufen – mit entsprechenden Hygienekonzepten, versteht sich. Aber was, wenn trotz aller Vorsicht am Set Corona ausbricht – und alles für Wochen wieder auf Pause gesetzt ist? Wer deckt dann die Produktionskosten?

Gemeinsamer Fond der Solidarität

Susanne Bormann
Schauspielerin Susanne Bormann Bildrechte: imago images/Mary Evans

Die Schauspielerin Susanne Bormann erläuterte bei der 3. MDR KULTUR Zukunftswerkstatt, dass Versicherungen so einen Fall nicht abdecken würden. Daher wünscht sie, dass es mehr Zusammenhalt und Solidarität zwischen den Filmproduzentinnen und -produzenten in Deutschland geben sollte. Die Schauspielerin stellt den Gedanken für einen Fond in den Raum, in den jeder einzahlt und damit einen Beitrag zur Sicherheit der eigenen und anderer Produktionen leistet, wobei dies in der Realität verständlicherweise an Grenzen stoßen würde.

Guter Austausch ohne finanzielle Hilfe

Nicola Graef
Produzentin Nicola Graef Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aus der Macherinnenperspektive sieht das etwas anders aus. So glaubt die Produzentin Nicola Graef, die Idee einen gemeinsamen Fonds gehe an der Realität vorbei.  Sie kenne kaum eine Branche, die weniger solidarisch sei als die künstlerische Branche. "Wir haben sehr guten Austausch untereinander", sagt Nicola Graef. "Aber dass jetzt der eine für den anderen finanziell einspringen würde, das habe ich tatsächlich noch nie erlebt."

Geringer Spielraum für Sonderfond

Die Frage sei auch, wer überhaupt wie viel geben könnte, gibt Claas Danielsen zu bedenken. Der Geschäftsführer der Mitteldeutschen Medienförderung sagt: Neben ein paar großen Playern seien die meisten Produktionsfirmen meist unabhängig und klein, hätten nur maximal fünf Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern. Da sei der Spielraum für einen Sonderfond gering – auch wenn der Gedanke der Solidarität richtig und wichtig sei. 

Class Danielsen steht in einem Büro
Claas Danielsen, MDM-Geschäftsführer Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Claas Danielsen sieht derzeit ein großes Risiko für die Produzentinnen und Produzenten, die gerne zeitnah wieder ans Set möchten. Falls es auch nur zufällig an einem Drehort einen Corona bedingten Shutdown gäbe, hätte das für viele Unternehmen gravierende Folgen. Insolvenzen von Filmfirmen seien dann nicht auszuschließen.

Wer bekommt Geld vom Bund?

Die Utopie eines Solidarfonds von Filmemacherinnen und Filmemachern für die eigene Branche scheint also erst einmal in weiter Ferne. Näher sind da die Hilfen von Bund und Ländern. Erst vergangene Woche kündigte Kulturstaatsministerin Monika Grütters an, dass es 120 Millionen Euro für die Filmbranche geben solle – Geld aus dem Konjunkturprogramm für die Kultur, das insgesamt eine Milliarde Euro umfasst. Unklar ist aber noch, wie genau das Geld innerhalb der Filmbranche aufgeteilt werden soll und ob es einen Fonds für Corona-Drehstopps geben wird. Denn auch die Verleiher und der Verband der technischen Betriebe hoffen auf Unterstützung.

Claas Danielsen von der Mitteldeutschen Medienförderung sieht einen Fond für die Filmbranche als unerlässlich an. Ob privat finanziert oder staatlich: Man werde eine Lösung finden, weil man müsse.

Videos zur Zukunftswerkstatt

Nicola Graef 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Zukunftswerkstatt | 16. Juni 2020 | 17:00 Uhr