Olaf Böhme
In den letzten Jahren hat sich der schwer erkrankte Olaf Böhme zurückgezogen. Das Bild ist aus dem Jahr 2008. Bildrechte: dpa

Peter Ufer zum Tod von Olaf Böhme "Olaf Böhme hat die Logik in den Humor gebracht"

Der Dresdner Kabarettist Olaf Böhme ist tot. Er starb im Alter von 66 Jahren nach langer Krankheit. Seine Nummer "Der betrunkene Sachse" ist Kult. Nicht nur auf der Bühne war Böhme ein Großer. Von Haus aus war er Mathematiker, der seinen Doktortitel auf dem Gebiet der Wahrscheinlichkeitstheorie gemacht hat. Der Autor und Journalist Peter Ufer kennt Böhme seit dessen Zeit als Kolumnist bei der Sächsischen Zeitung. Stefan Blattner hat für MDR KULTUR mit Ufer gesprochen.

Olaf Böhme
In den letzten Jahren hat sich der schwer erkrankte Olaf Böhme zurückgezogen. Das Bild ist aus dem Jahr 2008. Bildrechte: dpa

MDR KULTUR: Was haben Sie an Olaf Böhme geschätzt?

Peter Ufer: Seine Bescheidenheit, seine Introvertiertheit in gewisser Weise auch, seine hohe Intelligenz, seine Fähigkeit, auf der einen Seite künstlerisch zu sein und auf der anderen Seite sehr logisch zu denken, seine Klugheit. Ich glaube, zum Teil war er für diese Welt auch zu klug. Er hat Dinge gesehen, die andere mit ihrem Geist nicht erfassen. Sein Witz – wir haben Tränen gelacht über Dinge, die er erzählt hat. Wenn er versucht hat, die Steuererklärung zu erklären und damit sozusagen die Bürokratie ad absurdum geführt hat. Das war einfach großartig.

Wie ist Olaf Böhme zum Kabarett gekommen?

Ich denke, dass das damit zu tun hat, dass es auf der einen Seite logische Dinge gibt und rationale Entscheidungen, die man trifft (...). Auf der anderen Seite gibt es innerlich einen gefühlvollen Drang, seiner Leidenschaft zu folgen, der man gerne folgen möchte. Ich glaube, er ist dann einfach seiner inneren Liebe zur Poesie und zum Theater gefolgt und das hat ihn so überwältigt, dass er die Mathematik zur Seite gestellt hat – wobei er einer derjenigen war, der die Mathematik und den Humor miteinander verbunden hat. Er hat beispielsweise versucht, Studierenden beizubringen, wie lachhaft das Rechnen ist. Also er hat das schon sehr miteinander verbunden.

Letztendlich war es, glaube ich, die innere Liebe zur Poesie, die ihn getrieben hat.

Peter Ufer, Autor und Journalist

Wie würden Sie den Humor von Olaf Böhme beschreiben und welche Rolle spielte dafür die Wissenschaft?

Genau das ist eigentlich das Frappierende. Philosophie würde man vielleicht mit einer gewissen Chaostheorie vergleichen. Aber er hat sozusagen in seinen Humor diese Logik gebracht. Das war für meine Begriffe eine tiefe Dialektik. Und um wirklich dialektisch denken zu können, muss man ja wirklich die verschiedenen Seiten der Welt betrachten. Er hat immer mit jedem und allem gerechnet und hat Perspektiven gewechselt. Daraus entstand ein unfassbarer Humor, weil er so überrascht hat. Was ja Mathematik im Grunde auch tut, wenn man zum Ergebnis kommt.

Wie ist er auf seine Kultfigur "Der betrunkene Sachse" gekommen?

Der betrunkene Sachse ist eine Figur, die sehr schön den Charakter des Sachsen kennzeichnet. Ich glaube, das hat er schnell erkannt, was für eine Form man finden muss, um Wahrheiten aussprechen zu können, die man einem nicht übel nimmt. Wir wissen ja alle, dass Kinder und Betrunkene oft die Wahrheit sagen. Und das auch Betrunkenen bekanntermaßen nichts passiert. Selbst wenn sie mal richtig auf die Schnauze fallen. (...) Er hat damit auch die Angepasstheit zeigen können des Sachsen, die Form der gewissen Gemütlichkeit. Er war als Betrunkener nicht angriffslustig, sondern hat eher über sich selbst gelacht. Dieser introvertierte Humor – das war eine schöne Variante den Sachsen in seiner Charakteristik und seinem Temperament zeigen zu können.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. März 2019 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2019, 15:47 Uhr

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