MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt Chef des Reeperbahn-Festivals: "Keine Unterschiede mehr zwischen U- und E-Musik!"

Unterhaltungsmusik sollte ähnlich subventioniert werden wie Klassik. Das forderte der Geschäftsführer des Reeperbahn Festivals, Alexander Schulz, bei der MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt zur Musikbranche in Zeiten von Corona. Nach dem Auftakt mit Vertretern von Theatern diskutierten in der zweiten Werkstatt-Ausgabe außerdem Simone Dake, Direktorin des Rudolstadt-Festivals, Jan Vogler, Intendant der Dresdner Musikfestspiele, sowie Konzertveranstalter Matthias Winkler.

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Unterhaltungsmusik sollte künftig ähnlich subventioniert werden wie Klassik. Das forderte der Geschäftsführer des Reeperbahn Festivals, Alexander Schulz, bei der MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt am 2. Juni. "Da darf kein Unterschied gemacht werden", erklärte er in der Diskussionsrunde zur Zukunft von Festivals, Konzerten und Musikclubs in Zeiten der Corona-Pandemie.

"Damit die ganze Sparte nicht zum Erliegen kommt"

Der Bereich der sogenannten U-Musik sei "natürlich mehr privatwirtschaftlich getragen und kleinteiliger". Aber sie sollte durch das neue Bund-Länder-Konjunkturprogramm behandelt werden wie der E-Musik-Bereich, so Schulz: "Damit diese ganze Sparte jetzt nicht zum Erliegen kommt, muss ein Äquivalent gefunden werden zu der Art und Weise, wie Künstler, Spielorte und Musikwirtschaftsteile in der sogenannten ernsten Musik bedient werden, weil sie teilweise Staats- oder Landeseigentum sind."

MDR KULTUR-Redaktionsleiter Reinhard Bärenz; Matthias Winkler, MAWI-Concert GmbH; Simone Dake, Direktorin des Rudolstadt-Festivals; Alexander Schulz, Geschäftsführer des Reeperbahn Festivals; Jan Vogler, Intendant der Dresdner Musikfestspiele und Künstlerischer Leiter des Moritzburg Festivals
In der 2. MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt diskutierten (v.l.n.r.): MDR KULTUR-Redaktionsleiter Reinhard Bärenz, Matthias Winkler (MAWI-Concert GmbH), Simone Dake (Direktorin des Rudolstadt-Festivals), Alexander Schulz (Geschäftsführer des Reeperbahn Festivals), Jan Vogler (Intendant der Dresdner Musikfestspiele und Künstlerischer Leiter des Moritzburg Festivals) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Geschäftsführer des Reeperbahn Festivals erwartet von der Politik zeitnah konkrete Ansagen. Es müsse eine Botschaft kommen, wie es wirtschaftlich für die Veranstaltungsbranche weitergeht. "Wir müssen jetzt auch schon daran arbeiten, dass im Haushaltsentwurf 2021 erst einmal überhaupt keine Kürzungen stattfinden – und ganz im Gegenteil eventuell das Konjunkturprogramm sogar anhält. Damit bekommen wir auch die ganzen Gewerke, die hinten dranhängen, inklusive der Künstler, wieder in Arbeit", erklärte Schulz.

"Eine Handvoll Tickets"

Die Live-Musik-Branche steht erst am Anfang der Krise. Das prognostizierte der Leipziger Musikmanager Matthias Winkler bei der MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt. Er ist Hallenbetreiber und Geschäftsführer der MAWI-Concert GmbH aus Leipzig. Winkler blickt pessimistisch voraus, weil derzeit auch für Konzerte in fernerer Zukunft nur wenige Tickets verkauft würden: "Es ist verheerend. Selbst große Arena-Konzerte, für die wir ansonsten mehrere hundert oder tausend verkauft hätten, sind wir jetzt bei einer Handvoll von Tickets, die in einer Woche weggehen. Die Leute sind unglaublich verunsichert. Viele halten ihr Geld zusammen. Das ist das große Problem, mit dem wir uns derzeit beschäftigen."

Rudolstadt-Festival fällt ersatzlos aus: "Wir schauen auf 2021"

Ins Digitale auszuweichen, ist für Simone Dake als Direktorin des Rudolstadt-Festivals keine Option. Es werde ohne Ersatz ausfallen, darauf habe man sich bei einer Telefonschalte am Dienstagmorgen geeinigt: "Unser Festival ist ein Gesamtereignis." Eine digitale Variante könne dies nicht annähernd vermitteln.

Sie wisse allerdings von der Hotellerie vor Ort, dass viele Besucherinnen und Besucher trotz der Festival-Absage von Ende April ihre Unterkunft nicht storniert hätten. Dake geht davon aus, dass viele Gäste das Wochenende in Rudolstadt verbringen, auch ohne Festival. Trotzdem werde man "ganz bewusst an diesem Wochenende kein Programm setzen". "Wir schauen auf 2020/21 – und arbeiten ganz intensiv und hoffnungsvoll darauf hin", so Dake.

Die gesamte MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt zum Thema "Festivals, Konzertveranstalter und Musikclubs" kann hier noch einmal angesehen werden.

Die Zukunftswerkstatt Musik in voller Länge sehen

Zukunftswerkstatt #2 – Es diskutierten:

  • Alexander Schulz, Geschäftsführer des Reeperbahn Festivals
  • Matthias Winkler, Konzertveranstalter, Hallenbetreiber und Geschäftsführer der MAWI-Concert GmbH
  • Simone Dake, Direktorin des Rudolstadt-Festivals
  • Jan Vogler, Intendant der Dresdner Musikfestspiele und Künstlerischer Leiter des Moritzburg Festivals
  • Moderation: Reinhard Bärenz, MDR KULTUR-Redaktionsleiter

Statements der Gäste vor der 2. Zukunftswerkstatt

Kommende Ausgaben MDR KULTUR will mit der digitalen Zukunftswerkstatt Kulturschaffende vernetzen, um kreative Wege aus der Corona-Krise zu finden. Nach dem Auftakt mit Vertretern der Theaterbranche kommen in der zweiten Ausgabe Expertinnen und Experten aus der Musikwirtschaft zu Wort.

Weitere MDR KULTUR-Zukunftswerkstätten werden zeitnah folgen. Geplante Themen sind unter anderem "Zukunft der Kinos und Filmwirtschaft", "Literatur ohne Lesung – Bücher ohne Messe?" und "Chor und Orchester – Gemeinsam musizieren mit Abstand?"

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Juni 2020 | 07:10 Uhr