NSU-Prozess Warten auf die Zschäpe-Aussage

Im Münchner NSU-Prozess war für Dienstag eine Erklärung der Hauptangeklagten Zschäpe angekündigt. Jetzt soll es diesen Mittwoch so weit sein. Seit zweieinhalb Jahren muss Zschäpe wegen der Morde und Raubüberfälle des NSU vor Gericht verantworten. Bislang hatte sie sich nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Der Start dieses 248. Verhandlungstages ließ aufhorchen. Der Vorsitzende Richter wandte sich persönlich an die Hauptangeklagte mit der Frage nach ihrem Befinden. Ein völlig normaler Vorgang, wie Gerichtssprecherin Andrea Titz erklärt: "Aus den Medien konnte entnommen werden, dass es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen gekommen sein soll. Auch hier gilt: Das Gericht wird in keiner Weise dazu Stellung nehmen, wie der Gesundheitszustand der Angeklagten ist. Es ist aber die Pflicht des Gerichts festzustellen, dass die Angeklagte zu jedem Zeitpunkt in guter gesundheitlicher Verfassung ist. Und dementsprechend auch in der Lage ist, der Verhandlung zu folgen. Dem diente diese Frage. Die Frage ist ja von der Angeklagten auch entsprechend beantwortet worden."

Zschäpe angeschlagen

Mit einem "Gut", das mehr zu ahnen als zu hören war. Und tatsächlich sieht Beate Zschäpe angegriffen aus. Seine Mandantin sei aus dem Gleichgewicht und habe wohl einen Nervenzusammenbruch erlitten, wie es ihr Wahlverteidiger Hermann Borchert formulierte. Der wird am Mittwoch erstmals im Gerichtssaal sitzen. Dann endlich will die Hauptangeklagte in einer schriftlichen Erklärung zu allen Anklagepunkten Stellung nehmen. So müsste es um die zehn Morde gehen, die dem sogenannten NSU angelastet werden. Daneben um Sprengstoffanschläge, Raubüberfälle auf Geldinstitute und nicht zuletzt um die schwere Brandstiftung in der Zwickauer Frühlingsstraße, wo Beate Zschäpe das Hauptquartier des mutmaßlichen Nationalsozialistischen Untergrunds in die Luft gesprengt haben soll. 

Nebenklage vermutet strategischen Schachzug

Mit ihrer Erklärung, die Beate Zschäpe durch ihren Verteidiger vortragen lässt, könnte der seit über zwei Jahren laufende Prozess eine neue Dynamik bekommen, vielleicht sogar eine fulminante Wendung nehmen. Doch bisher überwiegt bei den Verfahrensbeteiligten wie dem Nebenklagevertreter Stephan Lucas die Skepsis: "Ich glaube, keiner rechnet ernsthaft mit einer geständigen Einlassung. Bleibt zu hoffen, dass es nicht ein reines Zweckverhalten bleibt. Dass Frau Zschäpe versucht, in Rücksprache mit den Verteidigern, das zuzugeben, was ohnehin erwiesen ist und alles andere weiter zu bestreiten. Damit kommen wir nicht weiter."

Schriftliche Antworten auf Fragen

Nach der Erklärung will die Hauptangeklagte auch Fragen beantworten. Allerdings sollen die gesammelt und dann zu einem späteren Zeitpunkt auch nur schriftlich beantwortet werden. Auch für Gerichtssprecherin Andrea Titz ein ungewöhnliches Verfahren: "Ob das Gericht dieses Vorgehen für angemessen und möglich hält, wird es sicher noch entscheiden müssen. Man kann sich das als sehr umständliches Prozedere vorstellen, wenn Fragen, die sich ergeben, erst im weiteren schriftlichen Verfahren beantwortet werden sollen."

Die Nebenkläger würden von der Hauptangeklagten gern ein Wort der Reue hören. Und sie möchten vor allem wissen, warum gerade ihre Familie zum Ziel der mutmaßlichen NSU-Terroristen wurde. Doch das bisherige Verhalten von Frau Zschäpe lasse keinerlei Mitgefühl erwarten, glaubt Gamze Kubasik, die ihren Vater verlor: "Als ich von meinem Anwalt erfahren habe, dass diese Frau Zschäpe eine Erklärung abgeben möchte, hatte ich keine große Hoffnung. Weil ich einfach glaube, dass da nicht die Wahrheit gesagt wird."

Wenn nicht sogar in letzter Minute die Erklärung ein weiteres Mal verschoben wird. Denn es hat häufig den Anschein, dass Beate Zschäpe mit immer neuen Manövern das Geschehen bestimmen möchte. So beantragte sie am Dienstag auch ihren bisherigen Wahlverteidiger Hermann Borchert zum Pflichtverteidiger zu bestellen, womit sie dann fünf Verteidiger hätte, die vom Staat bezahlt werden.