Die MDR Garten-Moderatorin Diana Fritzsche-Grimmig unterhält sich im egapark Erfurt mit der Kräuterfrau Ruth Bredenbeck
Die Kräuterfrau und Diplom-Ingenieurin für Gartenbau, Ruth Bredenbeck (rechts), hat MDR Garten-Moderatorin Diana Fritzsche-Grimmig vom Brauchtum rund um Heilkräuter im Spätsommer berichtet. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Gartenpraxis | Brauchtum Die "Frauendreißiger": Warum Sie jetzt Kräuter sammeln sollten

MDR Garten vom 13.08.2017 | 08:30 Uhr

Am 15. August beginnen die "Frauendreißiger". Kräuter, die in diesem Zeitraum gesammelt werden, gelten als besonders heilkräftig. Zu Sträußen gebunden, können Sie den Winter über zum Räuchern, für Tees oder als duftender Schmuck verwendet werden. Die Kräuterfrau Ruth Bredenbeck weiß, welche Gewürz- und Heilpflanzen dafür in Frage kommen.

Die MDR Garten-Moderatorin Diana Fritzsche-Grimmig unterhält sich im egapark Erfurt mit der Kräuterfrau Ruth Bredenbeck
Die Kräuterfrau und Diplom-Ingenieurin für Gartenbau, Ruth Bredenbeck (rechts), hat MDR Garten-Moderatorin Diana Fritzsche-Grimmig vom Brauchtum rund um Heilkräuter im Spätsommer berichtet. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

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Was sind die "Frauendreißiger"?

Die "Frauendreißiger" beginnen am katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt, dem 15. August. In Teilen Bayerns ist dieser Tag, der mit dem Brauch der Kräuterweihe verbunden ist, sogar ein gesetzlicher Feiertag. Die Zeitspanne endet am 15. September, dem Tag des Gedächtnisses der Schmerzen Marias. In den 30 Tagen dazwischen liegen mehrere Gedenktage zu Ehren von Maria, der Mutter von Jesus Christus. Also verweist der Name "Frauendreißiger" auf diese besondere Zeitspanne der Feste für Maria. Im Brauchtum dazu verbinden sich christliche Traditionen und überliefertes Wissen um Heilpflanzen: So sollen Kräuter, die für den Gottesdienst an Mariä Himmelfahrt gesammelt wurden, besondere Wirkung entfalten. Zu Sträußen gebunden, werden sie vor allem in ländlichen Gegenden Süddeutschlands in der Kirche geweiht und danach im Haus aufgehängt. Über den Winter dienen die Kräuter als wohlriechender Schmuck, zum Räuchern, für heilsame Tees oder als Beigabe zum Viehfutter.

Symbolträchtige Zahl an Heilpflanzen

Die Kräuterfrau Ruth Bredenbeck steht mit einem Strauß Heilkräutern in den Händen vor einem Hochbeet mit Kräutern im egapark Erfurt
Ruth Bredenbeck beschäftigt sich gerne mit Kräutern und deren heilsamen Wirkungen. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Die Thüringer Kräuterfrau, Gartenbau-Ingenieurin und Theologin Ruth Bredenbeck hat sich für den MDR Garten mit dem Brauchtum um die Frauendreißiger beschäftigt. In die Mitte eines Kräuterstraußes kommt ihr zufolge eine Königskerze. Die gelb blühende Heilpflanze erinnert an ein Zepter. Salbei, Lavendel, Schafgarbe, Rosmarin, Wermut und Johanniskraut ergänzen den Strauß. "Dabei ist wichtig, dass die Kräuter eine symbolträchtige Zahl ergeben: sieben verschiedene Pflanzen zum Beispiel für die sieben Sakramente", sagt Bredenbeck. Es könnten aber auch zwölf Kräuter sein, die für die zwölf Apostel stehen. In Süddeutschland werden die Sträuße auch Würz- oder Weihbüschel genannt. Ihnen wird eine besondere Schutzwirkung vor Krankheiten und Unheil nachgesagt.

Der botanische Hintergrund

Triebe von Königskerze und Wermut liegen auf einem Gartentisch aus Holz
Eine Königskerze kommt in die Mitte des Kräuterbüschels. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Über den Sommer haben sich laut der Kräuterfrau in vielen Gewürz- und Heilpflanzen ätherische Öle und andere Wirkstoffe angereichert. Der August ist daher eine günstige Zeit, um die Kräuter zu sammeln und zu trocknen. Später stecken die Pflanzen zu viel Energie in die Samenbildung oder in die Kräftigung der Wurzeln, um den Winter zu überstehen. "Im Herbst können daher am besten Früchte und Wurzeln gesammelt werden", erklärt Bredenbeck. Die Kenntnis verschiedener Heilkräuter könne keinen Arztbesuch ersetzen, sagt sie. Doch duftende Kräuter tragen nach ihrer Erfahrung zum Wohlbefinden bei. Echter Salbei zum Beispiel kann auch zum Zähneputzen verwendet werden: Die durch das Zerkauen der Blätter austretenden Öle wirken antibakteriell. "Kräuter sprechen Nase, Auge, Geschmack und Tastsinn an", erklärt Bredenbeck.

Auf einer Scheibe Brot mit Butter liegt selbst gemachtes Kräutersalz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der richtige Standort für den Kräuteranbau

Grundsätzlich gilt: Kräuter brauchen Licht. Für richtig schattige Bereiche ist kaum ein Kraut gewachsen.

  • Sonniger, eher trockener Standort: Thymian, Salbei, Rosmarin und Weinraute, Melisse, Bohnenkraut, Minze, Ysop, Königskerze
  • Sonnig und feucht: Minze, Basilikum
  • Halbschatten: Minze, Basilikum

Eine Biene sitzt an einer Lavendel-Blüte in einem Kräuterbeet mit Salbei und Thymian
Lavendel, Salbei und Thymian haben im Sommer ätherische Öle und andere Wirkstoffe gebildet. Im August gesammelt, können die Kräuter den ganzen Winter über verwendet werden. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Kräuter in Küche und Medizin

Verwendung von Kräutern
  Fleisch/ Fisch Gemüse/ Suppe Heilwirkungen Besonderheit
Thymian X X bei Erkältungskrankheiten als Tee
Salbei X X bei Erkältungskrankheiten,
desinfiziert
als Tee
Basilikum X     nicht mitkochen
Rosmarin X X bei Erkältungskrankheiten,
durchblutungsfördernd
 
Kreta-Melisse       fruchtiger Geschmack, für Getränke und Obstsalate
Bohnenkraut X X   Bergbohnenkraut ist ausdauernder als Bohnenkraut
Wermut X, kleine Dosis   bei Verdauungsproblemen,
Magenschmerzen; appetitanregend
breitet sich stark aus,
Römischer Wermut bleibt kleiner
Minze X X bei Magenschmerzen,
Erkältung
auch für süße Speisen, Getränke wie Tee oder aromatisiertes Wasser und Obstsalate
Ysop X X bei Erkältungskrankheiten, verdauungsanregend mediterranes Gewürz für griechische und türkische Küche
Weinraute X X verdauungsanregend  
Beifuß X   verdauungsanregend breitet sich stark aus

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2017, 08:30 Uhr