Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein So grün ist Schweden

Neben seiner atemberaubenden Natur ist Schweden für sein ambitioniertes Umweltbewusstsein bekannt. Schweden ist Vorreiter, wenn es um die Elektromobilität geht. Sein CO2-Ausstoß liegt unter dem europäischen Durchschnitt. Dass den Schweden die Natur am Herzen liegt, zeigt sich aber auch an den Naturschutzgebieten und beim Urban Gardening.

Bepflanzte Beete im Schlossgarten von Malmö in Schweden.
Die Anbauflächen im Schlossgarten von Malmö sind bei den Schweden sehr beliebt. Bildrechte: MDR/Janneke Schoene

1. Nachhaltigkeit durch Recycling, Wiederverwendung und Reparaturen

Besonders vorbildlich ist Schwedens Müllbilanz. 99 Prozent aller Abfälle werden recycelt oder weiterverarbeitet. Die Hälfte davon wird verbrannt und zur Energiegewinnung genutzt. Damit das sogenannte Waste-to-Energy-Konzept funktioniert, ist es wichtig, dass der Müll möglichst einwandfrei getrennt wird. Für Bio- und Restmüll, Papierverpackung, Zeitungen, Plastik, Glas und Metall gibt es neben hauseigenen Tonnen zusätzliche Container in den Kommunen und Städten. Was nicht in den Hausmüll darf oder passt, kann kostenfrei auf Recyclinghöfe gebracht werden. Damit weniger Verpackungsmüll anfällt, führte die Supermarktkette ICA letztes Jahr Laserkennzeichnungen ein, die Plastikverpackung und Aufkleber ersetzen. So spart die Kette jährlich alleine über 700.000 Verpackungen bei Avocados ein.

Auch Wiederverwendung wirkt dem Müllaufkommen entgegen. Secondhandläden für gebrauchte Möbel, Elektrogeräte und Kleidung sind im ganzen Land verbreitet und beliebt. 2015 eröffnete bei Stockholm sogar ein Kaufhaus, das komplett auf gebrauchte Waren setzt.

Schwedens Regierung unterstützt einen nachhaltigen Lebensstil. Sie hat vor kurzem die Mehrwertsteuern auf Reparaturen von Elektrogeräten, Fahrrädern und Kleidungsstücken gesenkt.

 2. Erneuerbare Energien und Verkehr: CO2-Ausstoß unter dem europäischen Durchschnitt

Schon zu Beginn der 1990er Jahre führte Schweden Steuern auf die Emission von Treibhausgasen ein, als eines der ersten Länder weltweit. Der CO2-Ausstoß liegt hier mit gut fünf Tonnen pro Jahr und Einwohner unterhalb des europäischen Durchschnitts von über acht Tonnen.

Die vergleichsweise niedrige Zahl hängt etwa damit zusammen, dass die Energieversorgung größtenteils aus erneuerbaren Quellen stammt. Aber auch die Bevölkerung trägt ihren Teil bei: Mehr als ein Drittel nutzt täglich öffentliche Verkehrsmittel. Im internationalen Vergleich sind die Straßen wenig befahren, auch Verkehrsstaus sind daher selten.

Schwedens Verkehrsnetz ist gut ausgebaut und umweltfreundlich. Die Stadtbilder sind vielerorts geprägt von Bussen, deren Treibstoff aus Bioabfall hergestellt wird, oder von emissionsfreien Elektrobussen, die Energie aus Wind- oder Wasserkraft nutzen.

Dieses Jahr ist im Umland von Stockholm sogar ein elektrifiziertes Straßenstück eröffnet worden, das Elektroautos während der Fahrt aufladen kann. Der Abschnitt ist derzeit nur zwei Kilometer lang und kann nur modifizierte Autos laden. Wer kein modifiziertes E-Auto oder 'nur' ein herkömmliches Auto fährt, kann die Strecke natürlich auch nutzen - nur eben ohne, dass das Fahrzeug dabei aufgeladen wird. Schweden will die eigene Elektromobilität weiter ausbauen. Nicht zuletzt dadurch will das Land bis 2045 CO2-neutral werden.

Auch Radfahren ist beliebt. In den Metropolen des Landes gibt es zahlreiche Leihstationen. Die fahrradfreundlichste Stadt ist Malmö. Insgesamt 500 km lang sind die gut ausgebauten und mit Pumpstationen ausgestatteten Radnetzwege dort.  

3. Naturschutz, Grünanlagen und Urban Gardening

Die Schweden verbringen viel Zeit in der Natur. Und davon gibt es eine ganze Menge: Mehr als die Hälfte des Landes besteht aus Wäldern, 13 Prozent sind geschützte Areale wie Nationalparks oder Naturreservate. In Deutschland sind es zum Vergleich nur etwa vier Prozent.

Das schwedische Jedermannsrecht erlaubt es allen, sich frei in der Natur zu bewegen, auch auf privatem Grund. Das Recht beinhaltet – unter bestimmten Einschränkungen – zum Beispiel Beeren und Pilze zu pflücken.  

Auch in den Städten gibt es zahlreiche Parkanlagen und Grünflächen. Stockholm hat den weltweit ersten städtischen Nationalpark auf circa 27 Quadratkilometern und in Göteborg schließt ein großes Naturschutzgebiet an den Botanischen Garten an, keine vier Kilometer von der Innenstadt.

In den Städten boomt auch der Trend Urban Gardening. Jenseits großer Gärten gibt es auf Balkonen oder Dachterrassen Gemüsebeete und Beerensträucher. Besonders gern werden Kirschtomaten und Chilischoten angebaut. Auch kleine städtische Anbauflächen sind sehr gefragt: Auf nur wenige Quadratmeter in Malmös Schlossgarten warten die Bewerber durchschnittlich zwei Jahre.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 13. Januar 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2019, 08:30 Uhr

Umweltbewusstsein in Mitteldeutschland