Buga-Landschaftsarchitektin Fünf Tipps für eine gelungene Beet- und Gartengestaltung

Mal hier ein Blümchen pflanzen, mal dort eine Staude eingraben: Pflanzen auszusuchen und im Garten unterzubringen, macht einfach Spaß. Doch es ist eine Kunst, ein Beet oder gar den ganzen Garten ansprechend zu gestalten. Folgende fünf Empfehlungen einer Landschaftsarchitektin können dabei helfen.

Landschaftsarchitektin und Gartengestalterin Christine Orel mit Pflanzung im Egapark zur Buga
Die Landschaftsarchitektin Christine Orel hat das große Blumenbeet im Egapark anlässlich der Buga 2021 gestaltet. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Die Landschaftsarchitektin Christine Orel hat das riesige Blumenbeet im Egapark für die Bundesgartenschau 2021 geplant. Auf einer Fläche von 6.000 Quadratmetern wachsen dort im Frühling mehr als 105.000 Blumen, überwiegend Stiefmütterchen und Hornveilchen in ihrer beeindruckenden Farbenvielfalt. Dazu kommen rund 80.000 Zwiebelpflanzen. Zwischen klassische Frühblüher wie Tulpen, Zierlauch und Anemonen hat Christine Orel überdies Ziergräser und heimische Wildpflanzen gesetzt.

Großes Blumenbeet im Egapark zur Bundesgartenschau 2021
Das große Blumenbeet im Egapark ist mit etwa 6.00 Quadratmetern die größte zusammenhängende ornamental bepflanzte Fläche in Europa. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Die Landschaftsarchitektin aus Herzogenaurach gestaltet aber nicht nur große Flächen, sondern auch private Gärten. Wir haben Christine Orel deshalb um ihre ganz persönlichen Tipps gebeten, wie eine Beet- oder Gartengestaltung gelingen kann. Oberstes Gebot ist dabei, dass die gewünschten Pflanzen am vorhandenen Standort überhaupt gedeihen können. Denn jede Art hat eigene Ansprüche an Boden, Klima, Dünger- und Wasserversorgung.

1. Weniger ist mehr

Diese Empfehlung ist die wichtigste: Einigen Sie sich auf ein Grundthema, einen Charakter, für Ihren Garten oder für das neu zu planende Beet. Üben Sie sich in Zurückhaltung, wenn Sie Pflanzen auswählen. Die einzelnen Arten entfalten Ihre Wirkung besser, wenn sie sich nicht gegen ein wildes Durcheinander an Formen, Wuchshöhen und Farben behaupten müssen. So kann blühender Rittersporn neben leuchtend gelbem Sonnenhut zu viel des Guten sein. Eine Ausnahme bildet der Bauerngarten, in dem bunte Heiterkeit und das Zusammenspiel mit Gemüse, Kräutern und Obst durchaus erwünscht sind.

Federgras in Beet mit blau, lila und hellblau blühenden Stiefmütterchen
Federgras lockert diese Pflanzung auf und wogt über den Blüten der Stiefmütterchen. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

2. Die Umgebung in die geplante Pflanzung einbeziehen

Planen Sie die Pflanzungen, so dass sie zum übrigen Garten, zum Grundstück und zur umgebenden Landschaft passen. Welche Stimmung herrscht vor? Wie sollen die Blicke gelenkt werden? Gibt es Anblicke und Aussichten, die Sie betonen oder verbergen möchten? Wollen Sie auf Gebäude oder andere Gartenelemente Bezug nehmen, zum Beispiel auf einen hohen, alten Baum, ein Rosenbeet oder ein dekoratives Gartenhäuschen? Kurzum, wie wird die Pflanzung an diesem Ort zum Erlebnis? Ein sorgfältig geplanter Garten lässt sich mit einem Bild vergleichen, das der Künstler mit einer bestimmten Idee geschaffen hat.

Eine Kletterrose mit dunkelrosa Blüten an einer Mauer aus Ziegelsteinen
Eine Mauer lässt sich durch geschickte Pflanzenauswahl in die Gartengestaltung einbeziehen - eine Kletterrose nutzt das Mauerwerk hier als Bühne. Bildrechte: MDR/Michael Wenkel

3. Passende Farbwelten schaffen

Haben Sie sich auf eine Stimmung festgelegt, die mit dem Ort harmoniert, geht es an die Farbauswahl. Dabei ist der eigene Geschmack gefragt. Bedenken Sie aber: Bestimmte Farben passen sehr gut zueinander, andere bilden dagegen zu starke oder schrille Kontraste. Diese sollen in der Regel vermieden werden. Gelb-, Creme- und Orangetöne wirken gut zusammen. Blau, Lila und Violett bilden ebenfalls eine eigene, eindrucksvolle Farbwelt. Das gilt auch für Pink-, Rosa- und Cremetöne.

Reines, strahlendes Weiß kann hingegen hart wirken und sollte durch begleitende, helle Farbtöne abgemildert werden. Knallrot und leuchtendes Gelb bilden einen Kontrast, der unangenehm wirken kann. Orange- und Rosatöne sind ebenfalls keine optimalen Partner, wenn die Pflanzung harmonisch aussehen soll.

Blumenbeet mit Tulpen, Stiefmütterchen, Hornveilchen und anderen Frühblühern
Blühende Fosteriana-Tulpen vor Stiefmütterchen: Die Farben bei einem blühenden Beet sollten miteinander harmonieren, starke Kontraste eher vermieden werden. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

4. Die gewünschte Stimmung über die ganze Saison erhalten

Das Beet oder der Garten soll über die gesamte Saison einen stimmigen Gesamteindruck vermitteln. Dabei hilft laut Christine Orel ein Trick: Pflanzungen werden vom Sommerflor ausgehend entworfen. Das bedeutet, dass zunächst die Sommerbepflanzung geplant wird, danach erst der Frühlingseindruck. Denn Früh- und Sommerblüher bieten unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten.

So sind die Blumen im Frühling meist zarter und bleiben eher klein, bieten aber eine große Farbenvielfalt. Viele Stauden für den Sommer sind dagegen üppig, hochwachsend, ausladend und brauchen deshalb genügend Platz im Garten. Sie sollen dann unansehnlich gewordene Frühblüher verbergen. Hinzu kommt, dass die gesamte Vegetation in den warmen Monaten stärker entwickelt ist – und der Garten ganz anders wirkt als mit kahlen Bäumen und Sträuchern.

Gartengestaltung Mixed Borders: Beispiele und Tipps für englische Rabatten

Gelungene Mixed Borders, natürlich wirkende Beete, gelten als Meisterwerk englischer Gartengestaltung. Worauf es bei den blühenden Rabatten im englischen Landhausstil ankommt, sehen Sie hier.

Mehrere verschiedene Pflanzen, die gelbe, orangefarbene und rote Blüten tragen, in einem Staudenbeet an einer Rasenfläche
Wie gelingt es, dass der Garten die gesamte Saison hindurch, ja sogar das ganze Jahr über ansprechend aussieht? In England gelten die Mixed Borders, gemischte Rabatten, als Schlüssel zu ganzjährig sehenswerten Gärten. Diese Form der Beete stellt unter Beweis, wie talentiert eine Gärtnerin oder ein Gärtner wirklich ist. Denn um gelungene Mixed Borders anzulegen, sind botanisches Wissen, gärtnerische Fähigkeiten und ein gutes Auge für Gestaltung nötig. Bildrechte: MDR/Michael Wenkel
Mehrere verschiedene Pflanzen, die gelbe, orangefarbene und rote Blüten tragen, in einem Staudenbeet an einer Rasenfläche
Wie gelingt es, dass der Garten die gesamte Saison hindurch, ja sogar das ganze Jahr über ansprechend aussieht? In England gelten die Mixed Borders, gemischte Rabatten, als Schlüssel zu ganzjährig sehenswerten Gärten. Diese Form der Beete stellt unter Beweis, wie talentiert eine Gärtnerin oder ein Gärtner wirklich ist. Denn um gelungene Mixed Borders anzulegen, sind botanisches Wissen, gärtnerische Fähigkeiten und ein gutes Auge für Gestaltung nötig. Bildrechte: MDR/Michael Wenkel
Mehrere verschiedene Pflanzen, die blaue, gelbe und rote Blüten tragen, in einem Staudenbeet vor einer Ziegelmauer
Damit Mixed Borders ihre Wirkung voll entfalten, sollten sie eine Tiefe von mehreren Metern besitzen. Sie durchziehen den Garten in sanften Schwüngen oder säumen die Wege. Bildrechte: MDR/Michael Wenkel
Mehrere verschiedene, blühende Pflanzen, darunter Zierlauch, in einem Staudenbeet an einer Rasenfläche mit einem Weg in einem englischen Garten
Mixed Borders - wie hier im privaten Garten von Pam Coote in Oxford - wirken sehr natürlich. Möglich wird dieser Effekt zum Beispiel durch verschieden hohe Blühpflanzen, wie den aufrecht wachsenden Zierlauch Allium, gelb und orange blühenden Ziermohn und Vergissmeinnicht. Durch die Zusammenstellung fällt der Kontrast zwischen Weg, gepflegtem Rasen und Rabatten besonders ins Auge. Bildrechte: MDR/Michael Wenkel
Besucherinnen und Besucher in einem englischen Garten laufen an einem langgezogenen Stauden-Beet mit blühenden Lupinen und anderen Pflanzen entlang, die blaue und lilafarbene Blüten tragen
Auch im Waterperry Garden finden sich zauberhafte englische Beete. "Die Mixed Borders sind sehr wichtig für uns, denn sie folgen dem klassischen Drei-Saison-Muster. Alle Rabatten haben eine Lupinen-Saison, gefolgt von der Rittersporn- und schließlich der Astern-Phase. Aufgrund der Breite unserer Borders haben wir hier die ganze Gartensaison über Farbe - bis in den Oktober hinein", sagt der Gartenmanager von Waterperry Gardens, Rob Jacobs. Bildrechte: MDR/Michael Wenkel
Rot blühende Lupinen in einem Staudenbeet vor einer Ziegelmauer, die teilweise mit Kletterrosen bewachsen ist
Die englische Lupinen-Sorte 'Masterpiece' ist mehrjährig und blüht in der Zeit von Mai bis August. Nicht nur die prächtige, rot-violette Farbe, auch die Form und Anordnung der Blüten macht sie zu einer passenden Pflanze für gemischte Rabatten. Eine gute Pflanzzeit ist das Frühjahr. 'Masterpiece' mag einen sonnig-warmen Standort. Bildrechte: MDR/Michael Wenkel
Lila und weiß blühende Pflanzen sowie Blattschmuck-Stauden in einem Beet
Bei den Blütenfarben wird auf Harmonie geachtet. Weiß lässt sich zum Beispiel besonders gut mit Blau, Zartrosa oder Gelb kombinieren, weil die Kontraste nicht zu krass wirken. Bildrechte: MDR/Michael Wenkel
Ein Strauch mit pinkfarbenen Blüten vor einem Garten mit englischem Rasen und Stauden-Rabatten
Kleine Bäume und Sträucher werden eher in den Hintergrund gepflanzt und geben den Mixed Borders Struktur. Niedrige und mittelhohe Immergrüne sorgen dafür, dass die Beete auch im Winter nicht kahl und trostlos wirken. Bildrechte: MDR/Michael Wenkel
Mehrere verschiedene Sträucher und blühende Pflanzen, die lilafarbene und hellrote Blüten tragen, in einem Staudenbeet an einer Rasenfläche mit einer Thuja-Hecke im Hintergrund
Frühblüher, Stauden mit verschiedenen Blütenfarben und Blattformen, Sommerblumen und Zwiebelpflanzen bringen Farben und Blickfänge in die Mixed Borders. Die Form der Pflanzung geht auf die englische Gartengestalterin und Autorin Gertrude Jekyll (1843-1932) zurück. Sie achtete sehr auf harmonische Blütenfarben, die zueinander passen: Blau-, Violett- und Lilatöne zum Beispiel - oder Gelb-, Orange- und Goldtöne. Ein Farbschema festzulegen, bietet sich schon während der Planung an. Bildrechte: MDR/Michael Wenkel
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 24. Januar 2021 | 08:30 Uhr

5. Pflanzen der heimischen Natur und einzelne Hingucker verwenden

Haben Sie Mut zu einheimischen Pflanzen! "Ich finde es fantastisch, was die heimische Natur zu bieten hat", sagt Christine Orel. Ein Vorteil ist, dass Sie auf diese Weise auch für Bienen und andere Insekten im Garten sorgen. Streuen Sie daher auch Pflanzen ein, die für Summen, Brummen und Flattern sorgen, um das Beet interessanter zu machen. Und wer mag, setzt freche Hingucker ein: Pflanzen, die etwas aus dem Rahmen fallen, und die so zu einem bleibenden Eindruck führen.

Blühende Rote Lichtnelke mit Holzbiene
Blüten für Wildbienen: Die Rote Lichtnelke (Silene dioica) gehört zu den heimischen Pflanzenarten. Sie wurde zur Bundesgartenschau 2021auch im großen Blumenbeet des Erfurter Egaparks für den Frühlingsflor angepflanzt. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR Garten | 25. April 2021 | 08:30 Uhr