Den Garten gestalten Exotische Bäume und Sträucher für den Garten

Der Klimawandel ist nicht abzustreiten. Das beweisen auch viele Pflanzen aus teils subtropischen Gebieten, die seit einigen Jahren bei uns gedeihen. Sie können tolle Akzente im Garten setzen. Allerdings gibt es einiges zu beachten, damit sie wachsen und gesund bleiben.

Prof. Reif mit einer Texanischen immergrünen Eiche im Arboretum an der Fachhochschule
Prof. Reif testet an der Fachhochschule Erfurt, wie Exoten hier gedeihen. Die Texanische immergrünen Eiche wächst im Arboretum an der Fachhochschule Erfurt. Bildrechte: MDR/Heinz Diller

Mit exotischen Pflanzen beschäftigt sich Professor Jonas Reif an der Fachhochschule Erfurt intensiv. Er hat dort den Lehrstuhl für Pflanzenverwendung und Vegetationskonzepte inne. Auf dem Gelände der Schule wachsen in einem Arboretum viele auch recht unbekannte Spezies. Professor Reif experimentiert mit ihnen, um herauszufinden, was in unseren Breiten überhaupt geht. Sogar ein bis jetzt noch winziger Eukalyptusbaum gehört dazu. Ob aus ihm allerdings irgendwann mal ein prächtiges Exemplar wird - da ist sich der Wissenschaftler nicht ganz sicher. Eindeutig gute Karten hat man aber im eigenen Garten beispielsweise mit dem Mammutbaum aus Kalifornien, wie Jonas Reif sagt.

Redwoodbaum im Nationalpark.
Giganten wie im Yosemite Nationalpark in den USA könnten auch in Deutschland wachsen. Bildrechte: colourbox.com

Der Mammutbaum gedeiht bei uns relativ gut. Er mag es allerdings in den ersten Jahren nicht zu trocken. Aber wenn er erst mal richtig angewachsen ist, dann legt er auch los und kann im Jahr einen Meter wachsen.

Welche Exoten eignen sich für unsere Gärten?

Blätter des Chinesischen Reispapierbaums
In den Startlöchern: die Blätter des Chinesischen Reispapierbaums können einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen. Bildrechte: MDR/Heinz Diller

Ähnlich gute Chancen wie der Mammutbaum hat auch die Araukarie aus Chile. Sie ist auch als Affenbaum bekannt und wird hierzulande immer beliebter. Als Solitärpflanze setzt sie einen tollen Akzent im Garten. Sie ist immergrün, allerdings ohne Nadeln. Der Baum ist mit einer Art Schuppen besetzt, die äußerst spitz sind und vor denen man sich in Acht nehmen sollte. Gut gedeihen bei uns auch Platanen oder Ginkgobäume. Wer es exotischer möchte, ist mit dem Chinesischen Reispapierbaum gut bedient. Er ist vor allem eine Zierde an Teichen. Seine Blätter können einen Durchmesser bis zu einem Meter erreichen. Ein wahrer Futtertopf für Bienen und Hummeln ist die Chinesische Linde, die viel länger blüht als die einheimischen Exemplare. Mit ihren roten oder reinweißen Stämmen lenkt auch die Chinesische Birke die Blicke auf sich.

Exoten - Das sollten Sie beim Kauf beachten

Exotische Bäume bekommt man heutzutage in vielen Baumschulen, Gärtnereien und Gartencentern. Wer etwas ganz ausgefallenes möchte, wird auf alle Fälle im Internet fündig.

Man sollte beim Kauf aber nicht auf jeden Cent achten und lieber größere und teurere Exemplare kaufen, rät Professor Jonas Reif:

Die Frostverträglichkeit nimmt mit dem Alter zu. Informieren Sie sich stets über die besonderen Ansprüche der Pflanze, welchen Bedingungen sie braucht. Einige Exoten mögen etwa im Winter überhaupt keine Feuchtigkeit. Andere dagegen, vor allem immergrüne, leiden, wenn es zu trocken ist. Es kann das Phänomen der sogenannten Frosttrocknis auftreten - die Pflanzen erfrieren nicht, sie vertrocknen.

Jonas Reif | Lehrstuhl für Pflanzenverwendung FH Erfurt

Ebenso haben die Exoten spezifische Ansprüche an den Boden. Wer also lange Freude an ihnen haben möchte, sollte sich vor dem Anpflanzen gründlich belesen oder sich von einem Fachmann beraten lassen.

Blüte des Blauglockenbaums, die an Orchideen erinnern
Eine wahre Pracht sind die Blüten des Blauglockenbaums, die an Orchideen erinnern. Bildrechte: MDR/Heinz Diller

Exoten richtig pflegen und vor Frost schützen: Tipps vom Experten Jonas Reif

Idealer Standort für Exoten

Viele immergrüne Exoten fühlen sich auf der Nordseite von Gebäuden sehr wohl, weil sie hier keine Wintersonne abbekommen. Es ist aber wichtig, dass die Stelle windgeschützt liegt.

Exoten gießen und bewässern

Sehr unterschiedlich sind die Wasserbedürfnisse exotischer Pflanzen im Winter. Manche brauchen Trockenheit, andere brauchen Wasser. Sie sollten sich beim Kauf über die Bedürfnisse der Pflanze informieren.

Große Pflanzen sind robuster

Auch wenn ein möglicher Verlust dann besonders schmerzlich ist: Kaufen Sie möglichst schon große, alte Pflanzen. Diese haben in der Regel eine bessere Winterhärte.

Pflanzzeit für Exoten

Pflanzen Sie Exoten am besten im Frühjahr bis Frühsommer. Sie benötigen vor dem Winter ausreichend Zeit zum Einwurzeln.

Nährstoffe für Exoten - die Pflanzen düngen

Düngen Sie nur im Frühjahr und Frühsommer. Herbstdüngung erschwert ein ausreichendes Abhärten der Triebe vor dem Winter.

Frostschutz für Exoten

Vor allem für immergrüne Pflanzen sind langanhaltende Frostperioden, verbunden mit Sonnenstrahlung, schädlich. Genauso können aber auch sehr früh einsetzender Frost (Abhärtung junger Triebe noch nicht beendet) als auch sehr späte erste Fröste (im Januar oder Februar, wenn bei vielen Exoten in der Heimat schon die neue Vegetationsperiode beginnt) sowie Spätfröste (Schädigung des Neuaustriebes) für große Schäden sorgen. Ein Indiz für die Bedürfnisse kann die sogenannte Winterhärtezone sein. Pflanzen aus den Zone 6b und darunter sind nicht so frostgefährdet und gedeihen gut. Pflanzen der Gruppe 7a sollte in geschützte Lagen gepflanzt werden. Exoten der Zone 7b brauchen es wärmer - sie gedeihen in Gegenden, in denen zum Beispiel Wein angebaut wird. Die Pflanzengruppe 8a ist ohne zusätzlichen Winterschutz oder in innerstädtische Innenhöfen kaum machbar.

Auch übertriebener Winterschutz an oberirdischen Pflanzenteilen kann Exoten töten (Pilzbefall, zu früher Austrieb). Besser sind oft kurzzeitige Maßnahmen, wenn zum Beispiel die Temperatur stark absackt oder Spätfröste drohen. Ein Frostschutzvlies sollte deshalb immer parat liegen. Wurzeln können mit einer Laubdecke den ganzen Winter über geschützt werden. Bei besonders heiklen Exoten kann auch ein Heizdraht bei der Pflanzung eingebaut werden, um extreme Minustemperaturen abzumildern. Wurzeln sind oftmals die empfindlichsten Pflanzenteile.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Radiogarten | 30. Mai 2020 | 11:15 Uhr