Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
PflanzenPflegenGestaltenGenießenPodcastDie Strebergärtner
Eine Benjeshecke ist Lebensraum für Tiere. Gleichzeitig verschwindet anfallendes Schnittgut aus dem Garten. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss

Unterschlupf für Tiere

Eine Benjeshecke aus Ästen, Strauch- und Baumschnitt anlegen

von Brigitte Goss

Stand: 18. März 2021, 13:29 Uhr

Baumschnitt, Äste von Sträuchern und Hecken sowie dürres Gestrüpp können für eine Benjeshecke verwendet werden. Zwischen Balken wird das Altholz einfach aufgestapelt. Gerade in naturnah angelegten Gärten ist so eine Totholzhecke ideal: für Tiere dient sie als idealer Lebensraum. Aber Achtung: Hecken und Sträucher dürfen nur noch bis zum 28. Februar radikal zurückgeschnitten werden. Ab März beginnen die Vögel zu brüten und das Naturschutzgesetz verbietet dann starke Eingriffe in die Natur.

Gärtnerin Brigitte Goss möchte ihren Garten erweitern und rodet einen wilden Bereich ihres Gartens aus. Hier nisten schon seit Jahren keine Vögel mehr, weil die Sträucher zu dünn und zu licht geworden sind. An der Stelle sollen in Zukunft Wildobstgehölze wachsen, die das trocken-heiße Klima an diesem Standort gut vertragen.

Baumschnitt sinnvoll wiederverwenden

Kröten, Frösche und Eidechsen finden im Unterholz Schutz. Bildrechte: MDR

Bei der Rodung fallen viele Äste, Altholz und dorniges Gestrüpp an. Das sind große Mengen, die sehr effektiv im Garten wiederverwendet werden können. Wer ausreichend Platz im Garten hat, kann wie Brigitte aus dem Schnittgut und dem alten Holz eine kleine Benjeshecke anlegen. Diese Heckenart wurde zur Strukturierung ausgeräumter Landschaften entwickelt. Das dicht aufgeschichtete Holz dient als Lebensraum für Kleintiere und Insekten sowie als Brutstätte für Vögel. In der Totholzhecke wird sich schnell reges Leben ausbreiten. Ein weiterer Aspekt ist, dass der Grünabfall nicht abtransportiert oder aufwändig gehäckselt werden muss.

Was ist eine Benjeshecke?Benjeshecken sind Hecken, die durch das Aufschichten von hauptsächlich dünnerem Gehölzschnitt, wie Ästen und Zweigen, entstehen. Der Landschaftsgärtner Hermann Benjes hatte sich diese Form der Feld-Hecken in den 1980er-Jahren ausgedacht, um Landschaften mit Hilfe von Hecken zu beleben.

So wird eine Benjeshecke angelegt

Eine Benjeshecke anzulegen ist einfach: Zwischen parallel eingeschlagenen Pfählen wird Grünschnitt geschichtet. Die laublosen Äste und Triebe werden zwischen den Pfählen, möglichst dicht, übereinander gestapelt. In der freien Natur werden Benjeshecken sehr breit angelegt: drei bis vier Meter werden empfohlen. Doch im Garten ist meist nicht so viel Platz. Hier kann eine Benjeshecke auch eine Breite von einem halben bis einen Meter haben.

  1. Zwei Reihen von Pfählen, die je eine Länge von 150 bis 200 Zentimeter haben, werden parallel zueinander im Abstand von mindestens 50 Zentimetern in den Boden geschlagen. So ergibt sich die Breite der Hecke.
  2. Der Abstand zwischen den Pfählen jeder Reihe sollte in der Länge einen bis zwei Meter betragen. Dabei können auch dickere Äste aus dem Abfallholz zum Fixieren der Äste verwendet werden.
  3. Mit Nadelholz sollte man beim Aufschichten sparsam sein, denn die abfallenden Nadeln machen den Boden sauer.
  4. Die Holzschichten werden ergänzt, sobald wieder Baumschnitt im Garten anfällt. Die unteren Schichten zersetzen sich langsam, je nachdem wie feucht der Boden und der Standort sind.

Ihr Browser unterstützt kein HTML5 Video.

Das Video wird geladen ...

Lebensraum Benjeshecke - so wird sie angelegt

Benjeshecken sind Lebensraum für Tiere

Dornen schützen Eidechsen und Vögel, die in der Hecke leben, vor Feinden. Bildrechte: MDR/ Brigitte Goss

Eine Benjeshecke ist idealer Lebensraum für Tiere. Zwischen den Ästen können sie sich verstecken, ihre Nester bauen und Vorratskammern anlegen. Auch dorniges Material kann verwendet werden - es schützt die kleinen Tiere vor Fraßfeinden. Schon bald wachsen im unteren Bereich der Benjeshecke auch wieder wilde Pflanzen. Diese dürfen einfach stehen bleiben oder sie können zurückgeschnitten und so gebändigt werden. Wer möchte, kann seine Benjeshecke auch mit Kletterpflanzen wie zum Beispiel Clematis oder Kapuzinerkresse begrünen - je nach Standort-Bedingungen.

Baum- und Heckenschnitt: Was ist wann erlaubt?

Oft sorgt das "Schnittverbot" im Naturschutz für Verwirrung. Dem Schnittverbot unterliegen wild wachsende Hecken, sie dürfen ab März nicht mehr geschnitten werden, um brütende Vögel nicht zu stören. Der Zuwachs einer Formschnitthecke darf aber vorsichtig auch im Laufe des Sommers zurückgeschnitten werden. Wichtig ist allerdings auch dann, Vögel beim Brüten nicht zu stören.

Auch Obstbäume dürfen nach dem 1. März noch ausgelichtet werden. Sie sind Kulturpflanzen und unterliegen nicht den strengen Regelungen. Vor dem Obstbaumschnitt sollte der Baum aber nach Tieren und ihren Verstecken abgesucht werden. Der Lebensraum von kleinen Säugetieren, Vögeln, Fledermäusen und anderen Tieren darf im Garten nicht gestört oder kaputt gemacht werden.

Auch Eidechsen fühlen sich in der Benjeshecke wohl. Bildrechte: dpa

Gesetz regelt den radikalen Rückschnitt von HeckenDas Bundesnaturschutzgesetz (§ 39 Abs. 5 BNatSchG) verbietet es, in der Zeit vom 1. März bis 30. September Hecken "abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen". Das heißt, ein radikaler Schnitt knapp über dem Boden ist dann nicht mehr erlaubt. Das gilt auch für "Gebüsche" und "andere Gehölze". Das Pflegen und Formen einer Hecke ist aber ganzjährig möglich.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 07. Februar 2021 | 08:30 Uhr

Auch interessant

Inhalte werden geladen ...
Keine weiteren Inhalte vorhanden.
Alles anzeigen