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Es braucht etwas Geduld, um sie zu errichten, aber am Ende sind Trockenmauern sehr langlebige und schöne Bauwerke im Garten. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Lebensraum im Garten

Eine Trockenmauer bauen

Stand: 16. Juni 2020, 09:47 Uhr

Eine Trockenmauer bietet Lebensraum für Pflanzen und Tiere, außerdem ist sie ein schöner Blickfang im Garten. Wir zeigen Ihnen, wie Sie eine Trockenmauer bauen können und stellen vor, welche Bewohner sich in ihren Mauerritzen verbergen.

Trockenmauern sind ideal, um Hänge im Garten abzufangen oder Höhenunterschiede zu überbrücken. Das Besondere an ihnen ist, dass die Steine ohne Mörtel aufeinander geschichtet werden. In die Mauerritzen können Steingartenpflanzen gesetzt werden – oder man wartet einfach die natürliche Besiedlung ab, die schnell erfolgt.

Eine Trockenmauer bauen

Es ist erstaunlich, dass Pflanzen selbst in Mauerritzen überleben können wie dieser Mauerpfeffer (Sedum). Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Eine Trockenmauer ist nicht mal eben so schnell gebaut, sondern braucht durchaus einige Tage Arbeit – je nach Länge und Höhe der Mauer. Als Laie sollte man sich nur an niedrige Mauern bis etwa 70 Zentimeter wagen. Alles was höher werden soll, überlässt man lieber Fachleuten, schließlich darf eine schwere Mauer nicht umkippen. Als Faustregel sollte die Breite der Mauer etwa dem Drittel der geplanten Höhe entsprechen.

Die Steine für die Trockenmauer nimmt man am besten aus dem eigenen Garten beziehungsweise seiner Umgebung. Schließlich fallen bei vielen Schachtarbeiten im Garten ohnehin Steine an. Steine von außerhalb des eigenen Grundstücks dürfen nur mit Genehmigung des jeweiligen Besitzers eingesammelt werden.

Tipp:Gibt es in Ihrer Nähe einen Steinbruch? Fragen Sie doch einfach dort nach, ob Sie Steine kaufen können. Das ist meist kostengünstiger als im Baumarkt und Sie erwerben das in der Gegend natürlich vorkommende Gestein.

Eine Trockenmauer braucht nicht zwingend ein Betonfundament, allerdings sollte sie keinesfalls direkt auf die Wiese gesetzt werden, da dann wahrscheinlich Setzungen auftreten werden. Am besten hebt man am Platz der zukünftigen Mauer mindestens die Grasnarbe aus. Ganz unten kommt eine Lage Schotter als Drainage. Darüber eine Lage Frostschutz oder Sand, die gut verdichtet werden müssen – entweder leiht man sich zu diesem Zweck eine Rüttelplatte aus oder man verdichtet mit einem schweren Hammer.

Dann beginnt die Puzzlearbeit. Die Steine werden nach und nach aufgeschichtet. Bei unbehauenen Natursteinen ist die Herausforderung, die jeweils zueinander passenden zu finden. Wichtig ist, die Mauer von der untersten Lage an leicht in den Hang zu neigen, damit die eingesetzten Pflanzen genügend Niederschlagsfeuchtigkeit abbekommen.

Möchte man Pflanzen in die Mauer einsetzen, sollte dies gleich beim Aufbau geschehen. Später lassen sie sich nur schlecht in die Spalten quetschen. "Verklebt" werden die Steine mit Erde, man kann sie auch mit Gesteinssplittern miteinander verkeilen. Die Festigkeit und Trittsicherheit der Mauer muss beim Bauen ständig überprüft werden. Jeder Stein muss fest liegen, damit das Ganze am Ende auch hält.

Wichtig ist auch, die Fugen der Steine versetzt anzuordnen, dies ist für die Stabilität enorm wichtig! Außerdem kann das Wasser nicht einfach durchrauschen. Zum Schluss wird die Mauer mit einer Mischung aus Erde und Schotter oder grobem Kies hinterfüllt.

Pflanzen für die Trockenmauer

Viele Pflanzen aus dem Steingarten fühlen sich auch in einer Trockenmauer wohl. Sedum-, Saxifraga und Sempervivumarten zu Beispiel gedeihen fast überall problemlos. Man kann aber auch einfach abwarten bis eine natürliche Besiedlung einsetzt. Mancherorts gedeihen sogar Farne oder Wilderdbeeren in Trockenmauern.

Lebensraum Trockenmauer

In den Spalten und Ritzen der Trockenmauern wächst eine Welt, die es sonst nur auf Felshängen gibt. Je älter die Mauer, desto mehr lebt es in ihr. Tief im Inneren und unbemerkt von menschlichen Blicken fühlt sich zum Beispiel die Kugelassel wohl. Sie bleibt gern im Dunkeln, wo es kühl und feucht ist. Auch die winzige Riemenschnecke flieht vor der Sonne.

Oft wuchert der gelbe Lerchensporn an wilden Mauern. An seinen Samen macht sich die Schnabelfliege zu schaffen. Sie knabbert an den weißen Ölkörperchen, die an den dunklen Samen kleben. Viele Pflanzen sät der Wind einfach aus. Das rote Habichtskraut etwa, den Mauerlattich oder das Weidenröschen.

Wie eine Girlande rankt das Zimbelkraut von Fuge zu Fuge. Den ganzen Sommer über strecken sich die kleinen Blüten in Richtung Sonne. Wenn die Blüten befruchtet sind, krümmen sie sich zur Mauer und wachsen in die Risse und Spalten. Erst im Dunkeln öffnen sich die Früchte und säen die Samen in der Mauer aus.

Zu Beginn wirken neue Mauern oft recht kahl: Doch ihre Fugen besiedeln bald die ersten Bewohner. Wenn es die Umgebung hergibt, stellen sich vielleicht sogar Erdkröte und Zauneidechse ein.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 14. Juni 2020 | 08:30 Uhr

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