Pflegeleicht und ansprechend Gräber mit Pflanzen gestalten

Wer sich um das Grab eines geliebten Menschen kümmert, wünscht sich meist eine passende Bepflanzung dafür. Es ist schließlich der Ort, an dem sich viele Hinterbliebenen dem Verstorbenen nahe fühlen. Zwerggehölze und Immergrüne, Bodendecker, pflegeleichte Sommerblumen, Blattschmuck-Stauden und Winterblüher sorgen für einen gepflegten Eindruck – zu jeder Jahreszeit. Claudia Bartel von der Stauden- und Friedhofsgärtnerei Bartel in Erfurt gibt im MDR Garten Tipps dazu.

Eine Pflanzschale mit rot blühenden Pelargonien und weiß blühendem Zauberschnee steht auf einem Mustergrab auf dem Gelände der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Erfurt.
Liegt das Grab in der Sonne, sind Sommerblumen wie Pelargonie und Zauberschnee als Schmuck eine gute Wahl. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Wann nach der Beerdigung kann die dauerhafte Bepflanzung auf dem Grab angelegt werden?

Zuerst muss sich die aufgeschüttete Erde setzen. Claudia Bartel rät, etwa ein Jahr abzuwarten, bis das Grab den Stein und im Anschluss seine dauerhafte Bepflanzung erhält. Ein Winter sollte auf jeden Fall dazwischen liegen, empfiehlt sie. "Das Frühjahr ist eine gute Zeit, ein Grab neu zu bepflanzen", sagt Bartel.


Was macht eine gelungene, ansprechende Grabbepflanzung aus?

Langsam wachsende Pflanzen eignen sich für den Friedhof grundsätzlich besser als starkwüchsige. Sie helfen, den Pflegeaufwand für die Hinterbliebenen gering zu halten.

Weiß-grün marmorierte Blätter von einem Kaukasus-Vergissmeinnicht der Sorte Jack Frost
Das Kaukasus-Vergissmeinnicht (rechts) ist eine Staude mit hohem symbolischen Wert. Auch deshalb passt sie gut auf ein Grab. Purpurglöckchen schmücken es dank attraktiver Blätter. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Die Arten, die für ein Grab ausgewählt werden, müssen außerdem zu den dortigen Lichtverhältnissen passen: Spenden hohe Bäumen die meiste Zeit des Tages Schatten, sollte die Bepflanzung darauf abgestimmt werden. Dabei ist auch zu bedenken, dass Bäume ihre Wurzeln unterirdisch ausbreiten - und so die auf dem Grab darüber wachsenden Pflanzen bedrängen.

Boden, Sonne, Wind und Regen wirken sich ebenfalls auf das Gedeihen der Gewächse aus. Dabei kann es je nach Region große Unterschiede geben. Wer sich nicht sicher ist, fragt am besten bei einer Friedhofsgärtnerei in der Nähe nach. Die Experten kennen die Bedingungen in ihrem Gebiet und helfen bei der Grabgestaltung.

Kaninchen, Wühlmäuse oder Schnecken machen vor Friedhöfen ebenfalls nicht Halt. Studentenblumen (Tagetes) und Chrysanthemen sollten daher zum Beispiel vermieden werden, wenn es Probleme mit Schnecken gibt.


Welche Sommerbepflanzung eignet sich für Gräber?

Rote, trichterförmige Blüte mit orangefarbener Mitte einer Dipladenia-Pflanze.
Die exotische Dipladenia ist eher als Pflanze für Balkon und Terrasse bekannt, kann aber auch Gräber schmücken. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Manche Gräber liegen im Sommer in der vollen Sonne. Pelargonien fühlen sich an solchen Standorten sehr wohl und können - je nach Sorte - sowohl in Schalen als auch direkt auf das Grab gepflanzt werden. Zarter, weiß blühender Zauberschnee, ein Wolfsmilchgewächs, ergänzt das Bild und sorgt für Auflockerung - bewährt hat sich zum Beispiel die Sorte ′Diamond Frost′.

Wer auf häufiges Gießen verzichten möchte, kann auf eine exotische Grabbepflanzung setzen: Claudia Bartel rät zu Dipladenien, die den ganzen Sommer lang blühen und an einem sonnigen Standortes nicht viel Wasser brauchen. Sie verzweigen sich überdies reichlich.

Es gibt mittlerweile zudem Begonien-Züchtungen, die in der Sonne gedeihen: 'Sunbrero' oder 'Outdoor'-Begonien werden diese Sommerblumen zum Beispiel genannt. Sie blühen in schlichtem Weiß sowie warmen Orange- und Rosatönen. Liegt das Grab dagegen eher im Halbschatten, kommen Eisbegonien oder Knollenbegonien zum Einsatz.


Was gibt es beim Einpflanzen zu beachten?

Sommerblumen brauchen nicht nur Wasser, sondern vor allem auch Nährstoffe. Daher wird die Erde auf dem Grab vor der Pflanzung gelockert und dann mit einem Langzeitdünger angereichert. Es ist sinnvoll, nicht das ganze Grab mit Blumen zu bepflanzen, sondern lieber eine kleine Fläche üppig blühen zu lassen. So können zum Beispiel einige Begonien in die Mitte des Grabes vor den Stein gesetzt werden. Eine ungerade Zahl von blühenden Pflanzen wirkt zudem meistens besser. Nach dem Einsetzen sollte jede einzelne Pflanze gut angegossen werden, damit sie besser anwächst.

Gefüllt rosa bühende Eisbegonien in der Mitte eines mit Efeu überwucherten Mustergrabes auf dem Gelände der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Erfurt.
Schmücken Sie lieber eine kleine Fläche mit üppiger Blütenpracht, als Blumen auf dem gesamten Grab zu verteilen. An diesem schattigen Standort wurde Efeu als Bodendecker mit hohen, gefüllt blühenden Eisbegonien kombiniert. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Wann wird die Bepflanzung nach dem Sommer gewechselt?

Der September ist ein guter Zeitpunkt, um das Grab für den Herbst vorzubereiten. Heide, Ziergräser und Blattschmuck-Stauden verleihen der Grabstätte für die folgenden Wochen ein gepflegtes, attraktives Aussehen.


Wie lässt sich der Pflegeaufwand gering halten?

"Ganz ohne Pflege geht es nicht", sagt Claudia Bartel. Doch es gibt  Wege, den Aufwand für die Hinterbliebenen zu verringern. Robuste, langsam wachsende Stauden wie Christ- und Lenzrosen oder Tränendes Herz sowie Gehölze, die kompakt bleiben, machen nicht viel Arbeit. Sinnvoll ist eine möglichst immergrüne Pflanzendecke mit Bodendeckern. Sie schützt den Boden auch vor dem Austrocknen.


Welche Bodendecker eignen sich für Gräber?

  • Sedum floriferum 'Weihenstephaner Gold' (für sonnige Standorte geeignet)
  • Weißbunte Kriechspindel 'Emerald Gaiety' (für sonnige Standorte geeignet)
  • Goldbunter Spindelstrauch Euonymus fortunei 'Sunspot' (für sonnige Standorte geeignet)
  • Miniatur-Andenpolster Azorella trifurcata 'Minima' (für sonnige Standorte geeignet)
  • Kleines Immergrün Vinca minor 'Marie' (für den Halbschatten und für schattige Standorte geeignet)
  • Golderdbeere Waldsteinia ternata (für schattige Standorte geeignet)
  • Schattensteinbrech Saxifraga cuneifolia (für schattige Standorte geeignet)

Im Spätherbst müssen Blätter und abgebrochene Zweige sowie unerwünschte Kräuter vom Grab entfernt werden. Danach kehrt erst einmal der Winter ein. An frostfreien Tagen müssen Immergrüne jedoch gegossen werden, damit sie nicht vertrocknen. Im Frühling ist in der Regel ein größerer Arbeitseinsatz am Grab nötig: Alte Gestecke sollten heruntergenommen, der Boden vorsichtig gelockert werden. Die Pflanzen auf dem Grab freuen sich außerdem über eine Düngergabe. Gehölze können ausgelichtet oder in Form geschnitten werden.

Eine Biene sucht nach Pollen in den gelben Blüten einer Bodendecker-Pflanze mit dem Namen Sedum floriferum Weihenstephaner Gold.
Sedum floriferum 'Weihenstephaner Gold' eignet sich als Bodendecker für sonnige Standorte. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Welche Pflanzen sehen auch im Winter auf einem Grab ansprechend aus?

Purpurglöckchen (Heuchera), Kaukasus-Vergissmeinnicht, Elfenblume, Christrose und kompakte Ziergräser mit dekorativen Blättern sind laut Claudia Bartel eine gute Wahl. Auch die Scheinbeere bringt noch kurz vor dem Winter Farbe auf Beete oder Gräber.

Zweige des Zwerggehölzes Fächermispel mit winzigen, roten Blättchen n marmorierte Blätter von einem Kaukasu
Die Fächermispel bleibt klein und besticht im Herbst durch winzige, rote Blätter. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Als klein bleibende Gehölze können kompakte Ilex-Züchtungen, Hängende Kätzchenweide, Hartriegel, Fächermispel oder Schneeball-Strauch das Bild abrunden. Winterlinge und Schneeglöckchen sorgen schon früh im neuen Jahr für zarte Farbtupfer. Zwiebelpflanzen sollten aber so auf dem Grab verteilt werden, dass sie ihr Laub nach der Blüte, das heißt im Frühling und Sommer, von anderen Gewächsen verdeckt werden. Die Frühblüher können zum Beispiel in die Mitte des Grabes gesetzt werden.

Grabbepflanzung im Winter
Pflanze botanischer Name Sorte


Stauden
   
Kaukasus-Vergissmeinnicht Brunnera macrophylla  ′Jack Frost′
Japan-Gold-Segge Carex oshimensis ′Evergold′
Scheinbeere Gaultheria procumbens  
Schneerose Helleborus-Hybriden  
Christrose Helleborus niger  
Purpurglöckchen Heuchera-Hybride ′Plum Pudding' 
Purpurglöckchen Heuchera villosa ′Citronelle' 
Gehölze    
Hartriegel Cornus sanguinea ′Midwinter Fire′
Fächermispel Cotoneaster horizontalis  
Stechpalme Ilex meserveae  ′Hochblau' 
Stechpalme Ilex meserveae  ′Heckenzwerg' 
Schattenglöckchen Pieris japonica  ′Little Heath' 
Hängekätzchenweide Salix caprea pendula  
Winterschneeball Viburnum bodnantense  ′Charles Lamont'

Muss die Erde ausgetauscht werden, wenn die Bepflanzung wechselt?

Ja. Wer die Bepflanzung eines Grabes regelmäßig wechselt, sollte auch die Erde spatentief austauschen. Dabei lohne es sich, hochwertige Erde zu kaufen, berichtet Claudia Bartel. Wer daran spare, müsse sich nicht wundern, wenn auf dem Grab nichts richtig gedeiht.

Zwei Ziergräser mit schmalen, grün-gelb längs gestreiften Blättern stehen in schwarzen Pflanztöpfchen auf einem Metalltisch
Japan-Gold-Segge ist unkompliziert und sieht ansprechend aus. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 08. August 2021 | 08:30 Uhr