Pflanzen die Sonne lieben Prärie und Steppe - Ein Riesenbeet für trockenheitsverträgliche Pflanzen

Auf der Ega in Erfurt sind die neuen Steppen- und Präriebeete für die Bundesgartenschau 2021 angelegt worden. Auf 6.000 Quadratmetern wachsen Pflanzen, die gut mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen, also bestens geeignet sind, dem Klimawandel zu trotzen und auch warme, trockene Sommer gut zu überstehen.

neu angelegte, geschwungene Staudenbeete mit Pflanzen
Zur Buga 2021 können Besucher zwischen den duftenden Beeten hindurchspazieren. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Wüstenwind weht nicht durch den Erfurter Egapark. Dabei würden die Pflanzen auf den großen, neuen Buga-Beeten damit gut klarkommen. Sie allesamt sind Steppen- und Präriepflanzen. Dass das neue Ausstellungsareal ausgerechnet an der Wasserachse mitten im Egapark entstanden ist, macht die unterschiedlichen Klimaansprüche besonders deutlich. Das Wasser sprudelt nur in den Springbrunnen. Die Pflanzen selbst sind Sonnenanbeter und hitzeresistent. "Genau das wollen wir hier auf 6.000 Quadratmetern zeigen," sagt Beate Walther, Ausstellungsbevollmächtigte der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft und für die gärtnerischen Buga-Projekte in Erfurt verantwortlich.

Gärtnerin Sabine Pfautsch und Gartenmeisterin Beate Walther stehen am Steppenbeet im egapark
Gärtnerin Sabine Pfautsch (links) hat die Stauden mit gepflanzt. Beate Walther steht den Gärtnern als Beraterin zur Seite. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Wir müssen uns mit Pflanzen beschäftigen, die in der Zukunft mit den klimatischen Verhältnissen, die wir hier haben, zurechtkommen. So werden die Sommer immer wärmer, das Frühjahr beginnt immer zeitiger. Wir brauchen also Pflanzen für unsere Gärten, die diese Bedingungen aushalten. Wir können aber nicht einfach mediterrane Pflanzen wie Olivenbäume setzen. Denn wir haben auch kalte Winter.

Beate Walther, Gärtnerin, Floristin, Diplomagrarökonomin

Gärtnern mit dem Klimawandel

Entworfen hat das Areal die deutschlandweit gefragte Berliner Landschaftsarchitektin Petra Pelz. Sie hat die Steppen- und Präriebeete in Ovalen und als Fensterbeete angelegt. Die Präriepflanzen kommen in freier Natur in Nordamerika vor, die Steppenpflanzen in Osteuropa bis hin zu den Wüstenregionen.

Gräser und Stauden sind frisch in ein Beet gepflanzt
Gräser und Stauden wachsen im Egapark auf dem Sonnenbeet. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Die Pflanzen kommen mit verdichteten Böden nicht klar. Sie lieben lockere, durchlässige Böden, nicht zu aufgedüngtes Substrat. Die vielen Präriepflanzen sind Beispiele für trockene Standorte. Die Leute suchen nach Lösungen, was sie künftig noch pflanzen können mit weniger Pflege. Wir haben hier einerseits den Steppengarten, die Präriearten und die mediterranen Pflanzen wie Lavendel. Das sind die Vorbilder, die man sich jetzt in die Gärten holt.

Petra Pelz, Landschaftsarchitektin

Trockenheitsverträgliche Pflanzen: Baptisia und Angelica

Zur Prärie gehören auch 30 Prozent Stauden und deren Artenvielfalt ist enorm. Gepflanzt wurde beispielsweise die Baptisia. Die wie eine Lupine wirkende, blau blühende Pflanze ist eine wahre Zauberin, sie düngt den Boden gleich selbst.

Sie kann Knöllchenbakterien durch die Wurzeln aufnehmen und damit Stickstoff binden und an den Boden abgeben. Sie wird richtig hoch, sehr ausladend und präsent.

Beate Walther, Gärtnerin, Floristin, Diplomagrarökonomin
Dolden vom Engelwurz, auch Angelica genannt.
Engelwurz (Angelica) sieht Anis sehr ähnlich. Bildrechte: MDR/Michael Wenkel

Die Baptisia stammt auch aus Nordamerika. Noch ganz vereinzelt steht die Angelica - da mal ein Pflänzchen und dort mal eins. Die mannshohe Pflanze ist eine alte Heilpflanze. Sie hilft bei Appetitlosigkeit und wirkt antiseptisch. Früher stand sie in jedem Garten, heute findet man sie häufig noch verwildert in dem einen oder anderem Hausgarten. Die Angelica, auch Engelwurz genannt, gehört zur Familie der Doldenblütler und ist eine von den großen Vertretern dieser Familie. Sie sieht dem Kümmel oder Anis sehr ähnlich und verströmt einen aromatischen Geruch.

Mit allen Sinnen mitten durch den Steppengarten

"Und das werden die Besucher hautnah erleben können", zeigt mir Beate Walther die verschlungenen Wiesenwege zwischen den Beeten. Noch darf sie keiner betreten, das Gras ist gerade erst angesät. Im Buga-Jahr aber werden die Wege mittenhinein in die Steppen- und Präriebeete führen und so die verschlungene Architektur des großen Blumen-Beetes am Parkeingang aufnehmen. "Bei der Gestaltung der neuen Beete wollten wir ganz bewusst an das bestehende große Blumen-Beet anknüpfen". Indem die Besucher mittenhinein können, werden sie den Duft der Pflanzen riechen, hautnah die Blütenstände bewundern können.

Pflanzen mit grauem und wachsartigem Laub sind Sonnenanbeter

Graues Laub und Zierlauch, Disteln, viele Kräuter und Geranium - es wird ein ganz anderes Vegetationsbild gezeigt. Viele graulaubige Pflanzen stehen auf den Beeten.

Graues oder wachsartiges Laub zeigt sofort, dass die Pflanzen gut mit Trockenheit zurechtkommen. Die können in die pralle Sonne. Das Gärtner-ABC ist ganz einfach. Alles, was Stacheln, Nadeln wie Rosmarin hat oder Blätter, die mit Wachs überzogen sind, liebt Sonne.

Beate Walther, Gärtnerin, Floristin, Diplomagrarökonomin

Blütenträume Sonnenanbeter für trockene Standorte

Die Sommer werden immer heißer und es regnet zu wenig. Für Gärtner heißt das: Umdenken. Diese Stauden sind Sonnenanbeter und überstehen auch trockene Tage ohne Probleme.

halbgefüllte Blüte der Taglilie
Die Taglilie 'Dublin Elaine' verzaubert unsere Gärten mit halbgefüllten,  kräftig rosa Blüten. Sie ist unkompliziert und übersteht auch Trockenheit gut. Die Taglilie blüht  von Juli bis in den August hinein und braucht keine Pflege. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
halbgefüllte Blüte der Taglilie
Die Taglilie 'Dublin Elaine' verzaubert unsere Gärten mit halbgefüllten,  kräftig rosa Blüten. Sie ist unkompliziert und übersteht auch Trockenheit gut. Die Taglilie blüht  von Juli bis in den August hinein und braucht keine Pflege. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Lila Blüten der Katzenminze
Die Katzenminze liebt einen Standort in der vollen Sonne. Die Insektenweide blüht von Ende Mai bis Oktober. Im Herbst wird die Staude bodennah zurückgeschnitten. Bildrechte: Daniela Dufft
dicke Blätter und Knospen des Sedums Fettblatt
Das Sedum Fettblatt wird ein schöner halbrunder Busch. Die dicken Blätter speichern das Wasser, so kommt die Pflanze gut über eine Trockenperiode. Ab August blüht das Fettblatt rosarot. Im Frühjahr wird die Staude über dem Boden zurückgeschnitten. Bildrechte: Daniela Dufft
Blüten der Fackellilie zwischen Gras
Die Fackellilie kommt aus Südafrika und wächst dort in der prallen Sonne.  Bildrechte: Daniela Dufft
Blüte der Fackellilie Feuerkerze
Ein heißer trockener Standort ist also kein Problem. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Phlox
Auch der Phlox ist für einen sonnigen Standort geeignet, aber die Staude braucht Gesellschaft. Vor allem der Wurzelbereich der Pflanzen muss mit einer etwas niedrigeren Pflanze beschattet werden. Ein schöner Begleiter ist die Katzenminze. Ganz wichtig: Phlox verträgt keine Staunässe! Bildrechte: Daniela Dufft
lila Blüte der Indianernessel
Die Indianernessel ist in Kanada heimisch. Die Staude ist winterhart und sehr hungrig. Deswegen muss sie die ganze Saison lang regelmäßig mit einem stickstoffhaltigen Dünger versorgt werden. Die Indianernessel blüht von Ende Juni bis September. Verblühtes sollte ausgeputzt werden. Bildrechte: Daniela Dufft
rote, gefüllte Echinacea-Blüte
Nicht ganz so bienenfreundlich wie die ungefüllten Sorten, dafür aber ein Dauerblüher ist der Scheinsonnenhut 'Exzentrik'. Der Sonnenanbeter blüht deutlich länger als die ungefüllten Sorten. Auch Trockenheit macht der gefüllten Echinacea nichts aus. Bildrechte: Daniela Dufft
rote, gefüllte Echinacea-Blüte
Verblühtes sollte über der Blattachse entfernt werden, dann blüht die Staude ständig nach. Bildrechte: Daniela Dufft
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 28. Juli 2019 | 08:30 Uhr

Gärtner aus ganz Deutschland teilen sich das Buga-Steppen-Beet

Blick über ein Beet in den egapark mit Springbrunnen im Hintergrund.
Das Steppenbeet ist auch ein Versuchsfeld: Viele Gärtner kombinieren auf vorgegebenen Flächen verschiedene Pflanzen. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Normalerweise legen die Profis einen Pflanzplan an und gehen danach in die Gärtnereien einkaufen. Doch hier handelt es sich um Buga-Beete und da haben Gärtner aus ganz Deutschland ihre besten Pflanzen geliefert. Wenn sie angewachsen sind, im Juli, dann nochmal im September und natürlich im nächsten Jahr schauen sich Preisrichter das genau an und bewerten die Pflanzen danach, ob sie sortentypisch sind, einen guten Wuchs haben. Preisgerichte gibt es unter anderem für Stauden, für Wechselflor und auch für die Firmen, die die Beete pflegen und damit in den landschaftsgärtnerischen Wettbewerb gehen. 

Nacheinander pflanzen: Gerüstpflanzen, Begleitpflanzen und Füllpflanzen

Beate Walther ist selbst Gärtnermeisterin und hat noch einenTipp fürs Anlegen eines Steppen- und Präriebeetes: Die Pflanzung beginnt mit sogenannten Gerüstbildnern. Das sind große Pflanzen wie die Baptisia und Angelica, die dem Beet Struktur geben. Dann folgen Begleitpflanzen, die sich den Gerüstbildnern unterordnen, dann folgen die "Füllpflanzen" wie Geranium. Und dann dürfen auch die sogenannten Streupflanzen - die Geophyten - nicht vergessen werden. "Man möchte ja den Garten das ganze Jahr genießen" sagt Walther. Im Herbst kann der Gärtner in sein Präriebeet beispielsweise Allium in Blau und Weiß stecken oder auch Tulpen. Die sind zwar nicht ganz stilecht, sagt Beate Walther "Aber wir sind nun mal in heimatlichen Gärten und müssen sie uns so gestalten, dass wir Freude daran haben".

Polsterartig wächst Geranium rund um den Rand eines Beetes
Geranium wurde hier als Beetumrandung gepflanzt. Der Storchschnabel füllt Lücken im Staudenbeet. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Radiogarten | 20. Juni 2020 | 09:15 Uhr