Junge Frau schaut zwischen Blumentöpfen mit bunten Blumen hindurch
Julia Goss sprach beim MDR Garten über Hummeln und Blumen, die sie mögen. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Tiergarten Hummeln - unterschätzte Bestäuber im Garten

Wussten Sie, dass die Hummel auch zu den Wildbienen gehört? Hummeln liefern zwar keinen Honig, sie bestäuben aber unsere Pflanzen im Garten. Hummeln haben im Gegensatz zur Biene einen längeren Rüssel und kommen so auch an Pollen heran, den die kleinen Bienen nicht erreichen. Julia Goss ist Umweltwissenschaftlerin und leidenschaftliche Hobbyimkerin. Beim MDR Garten war sie Gesprächspartnerin zum Thema Hummeln.

von Julia Goss

Junge Frau schaut zwischen Blumentöpfen mit bunten Blumen hindurch
Julia Goss sprach beim MDR Garten über Hummeln und Blumen, die sie mögen. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Mit der "Biene" assoziieren die meisten Menschen die Europäische Honigbiene (Apis mellifera), die wir Menschen als Nutztier zur Honiggewinnung und zur Bestäubung von Kulturpflanzen nutzen. Allerdings ist unsere Honigbiene nur eine von 550 Bienenarten in Deutschland. Es wird geschätzt, dass weltweit 20.000 Bienenarten existieren. Diese "anderen" Bienen werden unter dem Begriff Wildbienen zusammengefasst. Ihre Bedeutung für die Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen wurde in der Vergangenheit oft unterschätzt. Die bekanntesten Wildbienen sind die Hummeln.

Die Familiengründung der Hummeln

Anders als bei den Honigbienen, leben Hummeln nicht das ganze Jahr in einem Staat. Im Frühling gründen überwinterte Hummelköniginnen ein neues Volk und die ersten Arbeiterinnen werden alleine von der Königin aufgezogen. Im Verlauf des Jahres wachsen die Hummelvölker je nach Art und Witterung auf bis zu 400 Individuen an. Das Volk geht im Herbst zu Grunde und nur neue, von Drohnen begattete Königinnen überwintern.

Warum sind Hummeln so wichtig?

Hummel hängt an Blüte einer Tomate
Erdhummel an einer Tomatenpflanze. Bildrechte: MDR/ Julia Goss

Anders als die Honigbienen fliegen Hummeln bei niedrigen Temperaturen und schlechtem Wetter aus, denn sie können ihre Körpertemperatur durch den Flügelschlag und den Körperbau erhöhen. Aus diesem Grund sind sie zum Beispiel für die Bestäubung von Obst und Gemüsepflanzen während einer Schlechtwetterperiode von Bedeutung. Außerdem werden Hummeln in Gewächshäusern zum Beispiel für die Tomatenbestäubung eingesetzt, da sie diese durch ihre Vibrationen besonders gut bestäuben können. In Ländern wie Australien, wo es natürlicherweise keine Hummeln gibt, muss diese Bestäubung per Hand durchgeführt werden.

Was kann man für Hummeln tun im Garten?

Lila Krokusse
Frisst sie noch oder schläft sie schon? Bildrechte: MDR/ Julia Goss

Wenn die Hummelköniginnen im Frühjahr, oft schon im Februar oder März, aus dem Winterschlaf erwachen, sind sie beinahe am Verhungern. Seit dem vergangenen Jahr haben sie keine Nahrung mehr zu sich genommen. Deshalb ist es wichtig, ihnen Nahrung zu bieten. Neben der wohl wichtigsten Quelle für Nektar und Pollen, der Salweide, kann man ihnen zum Beispiel Krokusse anbieten. Diese werden auch als Schlafplätze von einigen Arten genutzt. Winterling, Blaustern und Traubenhyazinthe werden auch sehr gern besucht.

Blumen sind besser als Hummelhäuser

Hummel hängt an Kleeblüte
Beim Mähen sollte eine Insel Klee stehen bleiben. Bildrechte: MDR/ Julia Goss

In den nächsten Wochen werden die Königinnen Ausschau nach Nistmöglichkeiten halten. In einigen Baumärkten kann man Hummelkästen kaufen oder es gibt einige Anleitungen zum Selbstbauen. Allerdings werden diese Hummelkästen von Hummeln nur selten angenommen. Hummeln finden in unseren Siedlungsgebieten, genügend passende Stellen sich niederzulassen. Beliebte Orte für Nester sind verlassene Mäuse- oder Vogelnester, Scheunen, Dachböden, Mauern und Felsspalten. Allerdings sind Nisthilfen für solitäre Wildbienen oft sehr nützlich und werden gerne angenommen.

Achtung aber beim Kauf einer Nisthilfe, denn nicht alle halten was sie versprechen. Hat das Holz, in das die Löcher gebohrt wurden, Risse, werden die Löcher nicht mehr angenommen. Möchte man seinen Garten hummelfreundlich gestalten, kann man ihnen eine Vielzahl an Pflanzenarten anbieten. Besonders wichtig ist ein hoher Anteil von früh- und spät blühenden Arten, die ein kontinuierliches Blütenangebot vom Spätwinter bis in den Herbst garantieren.

Warum müssen wir sie schützen?

Der kürzlich erschienene Artenbericht zeigt, dass 1/3 aller unserer Tierarten in Deutschland vom Aussterben bedroht sind. Den Wildbienen geht es noch viel schlechter. 52 Prozent sind in Deutschland gefährdet. Deswegen müssen Hummeln geschützt werden. Sie sind so wichtig für unsere Bestäubung. In den intensiv genutzten Landschaften sind Siedlungsflächen mit einem reichen Blütenangebot Inseln für Wildbienen. In Berlin zum Beispiel wurden bisher 261 verschiedene Wildbienenarten gezählt.

Hummeln können stechen

Hummel auf Blüte
Hummeln sind friedlich. Bildrechte: MDR/ Julia Goss

Oft haben wir sogar mehrere Hummelnester in unserem Garten und merken es nur nicht. Da Hummelvölker nur maximal 400 Individuen zählen und pro Minute vielleicht ein bis zwei Hummeln aus dem Nest fliegen, leben sie sehr unscheinbar. Honigbienenvölker können zum Vergleich aus ungefähr 50.000 Bienen im Sommer bestehen. Steht man neben einem Hummelnest kann es passieren, dass einige verwirrte Hummeln um einen herumschwirren. Das liegt daran, dass Hummeln sich an markanten Dingen in der Landschaft orientieren und plötzlich nicht mehr wissen ob sie auch richtig sind. Hummeln stechen allerdings nur äußerst selten.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR Garten | 14. Oktober 2018 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2018, 08:30 Uhr