Dekorativ und feurig Chili: Den Scharfmacher auf dem Balkon und im Garten anbauen

Peperoni, botanisch: Capsicum annuum, Capsicum-Hybride

Botanisch gesehen gehört die Chili zur gleichen Pflanzenfamilie wie die Paprika. Die Früchte der kleinen Schwester sind allerdings nicht nur aromatisch, sondern auch unterschiedlich scharf. Vor allem für die Zubereitung von verschiedenen Gerichten sind Chilis gefragt. Der Anbau im eigenen Garten oder auch auf dem Balkon ist einfach.

Auf einem Strohteller liegen verschiedene Chili-Sorten.
Wer gern scharf isst, kann mit Chilischoten würzen. Es gibt sie in unterschiedlichen Schärfegraden von null bis zehn. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Ein Mann und eine Frau halten Teller auf denen verschiedene Chilischoten liegen.
Thomas Schneider ist ein Mann für scharfe Sachen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Gärtnermeister Thomas Schneider hat eine Leidenschaft für Chilis. In seiner Gärtnerei baut er mehr als 300 Sorten an. Einige sind besonders aromatisch und scharf, andere wiederum sehen vor allem dekorativ aus. Für alle, die gern scharf essen, empfiehlt der Experte Chilis selbst im Garten anzubauen. Das gehe ganz einfach - sowohl an einem geschützten Standort im Garten, als auch im Kübel auf dem Balkon. Chilis gibt es in unzählige Farben, Größen und Formen und vor allem in unterschiedlichen Schärfegraden.

Es gibt so scharfe Sorten, dass der Körper mit Ohnmacht reagiert, wenn man schon ein kleines Stück isst. Ich habe viele Chili-Sorten getestet. Die schärfste Sorte die ich probierte, erzeugte bei mir zweieinhalb Stunden Schwindel, brennen im Mund, und einen unkontrollierten Speichelfluss, ich sabberte regelrecht. Selbst mit Olivenöl zu gurgeln brachte keine Linderung. Deshalb rate ich jedem beim Chili-Verzehr sich langsam heranzutasten.

Thomas Schneider, Gartenbaumeister

Chili säen und anbauen

Hände mit Handschuhen pulen aus einer aufgeschnittenen Chilischote die Samenkörner heraus.
Sehr scharfe Schoten können die Haut reizen, deshalb sollte man bei der Verarbeitung Handschuhe tragen! Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Wer Chili ernten möchte, kann entweder Jungpflanzen im Fachmarkt kaufen oder aber Samen aussäen. Diese werden im August gewonnen, wenn die Schoten reif sind. Hierfür wird die Schote halbiert und die Kerne von der Haut gelöst. Bei der Arbeit mit den scharfen Früchten ist es wichtig Handschuhe zu tragen, da es sonst zu Hautreizungen kommen kann. Die Kerne werden auf einem Küchenpapier ausgelegt, getrocknet und danach in Tütchen abgefüllt und beschriftet. Ausgesät wird im Februar, am besten in ein Mini-Gewächshaus auf der sonnigen Fensterbank. Damit die Samen keimen, ist eine Temperatur von mindestens 20 Grad notwendig.

Nach zwei bis drei Wochen keimen die Samen und müssen nach weiteren zwei Wochen pikiert, also vereinzelt werden. Dafür sollten Töpfe mit einem Durchmesser von mindestens neun Zentimetern verwendet werden. Die Zimmertemperatur sollte nicht unter 16 Grad sinken. Ins Freiland dürfen die Jungpflanzen erst nach den Eisheiligen, wenn auch die Nachttemperaturen stabil über zehn Grad liegen.

Standortbedingungen und Pflege

Ideal für Chili ist ein Platz im Gewächshaus. Dort ist das Klima sehr ausgeglichen, die Pflanzen sind vor Regen und Sturm geschützt. Aber auch im Freiland gedeihen sie an einem geschützten, sonnigen Standort gut. Der Boden sollte möglichst durchlässig und humos sein. Wer Chilis im Topf anbauen möchte, kann eine hochwertige Blumenerde oder Tomatenerde verwenden. Pflanzen im Kübel sollten täglich gegossen werden.

Sortenempfehlung von Thomas Schneider
Mild:       NuMex 'Big Jim Sweet'; Ancho Poblano  
Scharf:  De Cayenne 'Tabasco'; Lemon Drop; Corazon  
Sehr scharf:     Habanero-Sorten; Trinidad Scorpion; Bhut Jolokia  

Chilis düngen

Chili brauchen viele Nährstoffe, also muss regelmäßig gedüngt werden. Thomas Schneider empfiehlt beim Pflanzen im Freiland die Zugabe von Hornspänen und Kompost. Nach etwa 100 Tagen sind die Nährstoffe der Hornspäne verbraucht und es muss nachgedüngt werden. Für Kübelpflanzen empfiehlt Thomas Schneider, mit mineralischem Balkonpflanzen- oder Tomatendünger zu arbeiten.

Chili ernten

Chili sind reif, wenn eine starke Umfärbung ins Rote, Gelbe oder Orangene stattgefunden hat. Das ist von Sorte zu Sorte unterschiedlich. Erst dann sind die Aromastoffe und die Schärfe gut ausgebildet. In diesem Reifegrad werden auch die Samen gewonnen.

An einem Strauch wachsen viele winzig kleine Chilischoten in gelb, lila und orange.
Reifegrad: Diese Chilisorte verändert ihre Farbe von lila über weiß zu rot. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Verwendung und Umgang mit Chili

Chilis werden vor allem in der Küche verwendet. Sie geben den Speisen ein ausgezeichnetes Aroma und Schärfe. Aber auch in der Medizin macht man sich die Wärmeentwicklung des Inhaltsstoffs Capsaicin zu Nutze, beispielsweise für die Verwendung von Wärmepflastern. Sobald Chili aufgeschnitten wird, sollte man Handschuhe tragen empfiehlt Thomas Schneider. Der Saft scharfer Sorten könne zu starken Reizungen der Haut und Schleimhäute führen.

Die Schärfe von Chili

Chilischoten sind unterschiedlich scharf. An der Spitze sind die Schoten am mildesten, nach hinten hin werden sie schärfer. Das Schärfste an der Frucht ist das Gewebe, an dem sich die Samen befinden. Diese selbst sind übrigens fast schärfefrei. Gemessen wird die Schärfe in Scoville. Diese Maßeinheit besagt, mit wie vielen Teilen Wasser ein Teil der Frucht verdünnt werden muss, bis die Schärfe nicht mehr spürbar ist. Cayenne-Chili haben beispielsweise 20.000 Scoville. Den Weltrekord hält eine Schote Capsicum chinense-Hybrid 'Carolina Reaper'. Ihr Durchschnittswert lag bei über 1,5 Millionen Scoville. Das heißt, man würde die Schärfe dieser Sorte erst nicht mehr schmecken, wenn 1 Milliliter Chilisaft mit 15 Kubikmetern Wasser - so viel wie ein mittlerer Gartenswimmingpool fasst - verdünnen würde.

An einem strauch wachsen rote spitze Chilischoten
Die Chili 'Candlelight' enthält wenig Schärfe und ist sehr aromatisch. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Die zehn Schärfegrade der Chilischoten
Schärfegrad Empfindung Messergebnis
0 sehr mild (Gemüsepaprika)  
0-2 Mild 100 - 1.500 Scoville Einheiten
3-5 Scharf 1.500 - 15.000 Scoville Einheiten
6 - 8 Sehr Scharf 15.000 - 100.000 Scoville Einheiten
9 -10 Extrem Scharf 100.000 - 200.000 Scoville Einheiten
10 Unmenschlich über 200.000 Scoville Einheiten

Was gegen Schärfe im Mund hilft

Wer eine zu scharfe Chili gegessen hat, sollte etwas sehr Fetthaltiges essen oder trinken, denn Capsaicin ist fettlöslich. Normale Flüssigkeiten wie Wasser, Bier oder Alkohol helfen hingegen nicht.

Auf einem Strohteller liegen verschiedene Chili-Sorten.
Chilis würzen nicht nur das Essen, sie sind auch sehr dekorativ. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 15. März 2020 | 08:30 Uhr