Beerenobst Wald- und Kultur-Heidelbeeren im Garten und auf dem Balkon anbauen

Lecker sind sie beide: Egal ob Wild- oder Zuchtform, wenn wenige Regeln beachtet werden, gedeihen die genügsamen Heidelbeeren prächtig im Garten und sogar auf Balkon oder Terrasse.

Gesund und schmackhaft sind sie gleichermaßen, doch einige Unterschiede gibt es zwischen Natur- und Kulturheidelbeeren: Die Früchte aus dem Wald sind kleiner, etwas aromatischer und färben Zunge und Zähne beim Essen dunkel. Sie stammen von Vaccinium myrtillus, so der botanische Name der wild wachsenden Sträucher. Kulturheidelbeeren dagegen haben helles Fruchtfleisch und sind auch deutlich größer. Die Farbstoffe, die für das intensive Blau sorgen, sind in der Schale eingeschlossen und werden beispielsweise beim Backen freigesetzt. Die heute bekannten Kulturformen sind meist Züchtungen der Amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum). Sie bilden bis 1,80 Meter große, sommergrüne Sträucher. Ihre wilden, europäischen Verwandten bleiben kleiner. Höchstens 80 bis 120 Zentimeter hoch werden die Pflanzen. Im Herbst färben sich ihre Blätter weinrot.

Wildform für den Garten

Wer die Wildform mag und genug Ausdauer zum Pflücken der kleinen Beeren hat, wird in den heimischen Wäldern fündig. Im Handel wird zum Beispiel mit den Sorten 'Emil' und 'Putte' eine kultivierte Form der Wildheidelbeere angeboten, die den im Wald wachsenden Früchten sehr nahe kommt. Sie werden nur 70 bis 80 Zentimeter hoch, die Früchte sind klein, haben ein ausgeprägtes Aroma und sorgen für die berühmte Blaufärbung von Zunge, Zähnen und Fingern.

Kulturformen: Zurückgreifen auf bewährte Sorten

Heidelbeeren der Sorte Blue Crop am Strauch
'Bluecrop' ist eine bewährte Kulturheidelbeersorte. Sie trägt etwa von Ende Juli an rund vier Wochen lang. Bildrechte: MDR/Paul und Roswitha Schemm/Erdbeerhof Zehelein-Schemm

Deutlich weniger Zeit fürs Pflücken und die eventuell nötige Fleckentfernung braucht es bei den Kulturheidelbeeren. Roswitha Schemm vom fränkischen Erdbeerhof Zehelein-Schemm empfiehlt gern drei Sorten, die sich schon seit vielen Jahren bewähren und mit denen, die ganze Beerensaison abgedeckt werden kann: 'Duke' (frühtragend), 'Bluecrop' (mitteltragend) und 'Elisabeth' (spättragend). Wer es speziell mag, kann auch auf die Sorte 'North Country' zurückgreifen, die den niedrigen Wuchs der Wildform mit den Fruchteigenschaften der Zuchtvariante kombiniert (mittelspäte Reifung). Für die Liebhaber extrem großer Heidelbeeren eignet sich 'Chandler', deren hellblaue Früchte ab Mitte Juli reifen und bis zu zwei Zentimeter Durchmesser haben können. "Diese fünf Sorten sind bei richtiger Pflege ertragreich, robust gegenüber Schädlingen und Krankheiten und außerdem winterhart."

Es gibt allerdings auch andere Züchtungen mit pinken oder sogar tropfenförmigen Früchten (zum Beispiel 'Pink Lemonade', 'Blautropf'). Da heißt es: einfach mal ausprobieren.

Entscheidend: Die richtige Erde für Heidelbeeren

Doch egal für welche Sorte man sich entscheidet, ob wildnahe Form oder Zuchtvariante, Heidelbeeren brauchen einen sauren Boden, der in den meisten Gärten so nicht vorkommt. Auch konventionelle Blumenerde ist ihnen viel zu alkalisch "Das wichtigste ist die richtige Erde", sagt die Fachfrau. Heidelbeeren benötigen einen sehr sauren Untergrund mit einem pH-Wert um 5. Deshalb gedeihen Heidelbeeren bestens auf nährstoffarmen Waldböden. Da dieser im Garten meist nicht vorhanden ist, sollte auf Erdbeer- beziehungsweise Beerenerde zurückgegriffen werden, auch Rhododendronerde ist geeignet.

Heidelbeeren der Sorte Putte am Strauch
Die Sorte 'Putte' ist eine kultivierte Naturheidelbeere. Sie ähnelt den Pflanzen im Wald in den wesentlichen Eigenschaften wie Aroma und Blaufärbung. Bildrechte: MDR/Paul und Roswitha Schemm/Erdbeerhof Zehelein-Schemm

Wer im Garten ein Heidelbeerbeet anlegen möchte, geht folgendermaßen vor: Das Beet sollte etwa so hoch sein wie der Topf, unten kommt eine Drainageschicht aus Steinen oder Tonscherben hinein, damit das Wasser abfließen kann. Die ganze Grube wird mit Vlies oder Sackleinen ausgekleidet, die Wurzeln der Pflanzen sollen nicht in die normale Gartenerde hineinwachsen. In dem Fall würden sie das Wachstum einstellen und die Beerensträucher verkümmern. Auf die Abdeckung kommt dann die Beerenerde. Obenauf kann eine Schicht Sägespäne, circa fünf bis zehn Zentimeter, gestreut werden. "Holz und Beeren sind eine ideale Kombination, denn im sauren Holzmilieu bildet sich der Mykorrhiza-Pilz, der für ein besseres Wachstum der Pflanzen sorgt", so die Beerenexpertin. Dazu können Späne aller Bäume verwendet werden - bis auf Eichenspäne.

Standort, Gießen, Düngen

Von Natur aus sind Heidelbeeren Halbschattengewächse, die aber auch volle Sonne vertragen. Für das Aroma der Beeren ist die Tageslänge und damit die Lichtzufuhr entscheidender als die Wärme.

Weiße Blüten der Heidelbeer-Sorte Bluecrop
Weiße Blüten der Kultursorte 'Bluecrop' im Frühjahr. Nur zu dieser Jahreszeit sollte sparsam gedüngt werden. Bildrechte: MDR/Paul und Roswitha Schemm/Erdbeerhof Zehelein-Schemm

Gegossen wird am besten von unten. Dem Gießen kommt bei der Pflege grundsätzlich eine wichtige Rolle zu: Die Erde sollte feucht gehalten werden mit möglichst weichem Wasser, das arm an Kalk ist. Regenwasser bietet sich dazu an. An heißen und klaren Sommertagen am besten morgens bis spätestens zehn Uhr gießen, damit die Pflanze tagsüber versorgt ist. Auch können Wassertropfen auf den Blättern durch die Sonne Brennschäden verursachen. "Heidelbeeren müssen nicht unbedingt jeden Tag gegossen werden, aber wenn dann richtig", empfiehlt Roswitha Schemm.

Heidelbeeren sollten nur im Frühjahr gedüngt werden und benötigen generell nur wenig Beerendünger. Kalkhaltige Produkte mögen sie gar nicht. Wird später im Jahr gedüngt, besteht die Gefahr von Frostschäden durch übermäßigen Pflanzenaustrieb.

Heidelbeeren wachsen auch auf dem Balkon

Roswitha Schemm rät, für Balkon und Terrasse kleinwüchsige Züchtungen auszuwählen. Geeignet seien zum Beispiel die Sorten 'Putte', 'Emil' oder 'North Country'. Sie wachsen zu kompakten, 60 bis 80 Zentimeter hohen Büschen heran. Zwei Pflanzen von diesen Züchtungen können bequem in einem geräumigen Topf gedeihen.

Bei im Topf kultivierten Heidelbeeren wird bei der Pflanzung analog zur Gartenkultur vorgegangen. Natürlich muss man auf eine ausreichende Größe der Töpfe achten. Die Pflanzen brauchen Kübel mit mindestens 50 Litern Volumen. Löcher im Boden der Gefäße sind notwendig, damit überschüssiges Gießwasser abfließen kann. Zuunterst kommt eine Schicht Kies mit einem dünnen Gartenvlies als Trennschicht. Über dieser Drainageschicht wird die spezielle Erde eingefüllt. Auch hier fördert eine dünne Schicht Sägespäne das Bodenleben.

Kübelpflanzen werden gerne im Wintergarten, Hausflur oder Keller untergebracht, wenn es draußen kalt wird. Nicht so die Heidelbeeren! Sie sollten unbedingt draußen überwintert werden. Schnee und Regen vertragen sie auch - im Winter brauchen die Pflanzen etwas Wasser. Der oberirdische Teil ist völlig frostfest. Nur die Wurzel sollte bei strengen Minusgraden geschützt werden, zum Beispiel indem die Kübel mit Luftpolsterfolie umwickelt oder im Boden versenkt werden.

Pflanzzeit und Vermehrung

Sowohl im Frühjahr als auch im Herbst können Heidelbeeren gepflanzt werden. Sie passen ideal zusammen mit Erdbeeren, Preiselbeeren und Cranberries.

Es gibt keine männlichen und weiblichen Pflanzen. Heidelbeeren sind überdies selbstbefruchtend. Trotzdem ist es von Vorteil, zwei oder mehr Sträucher zu kaufen. So steigen die Chancen, dass Bestäuber die Pflanzen ansteuern und für eine reiche Ernte sorgen.

Während sich die Wildheidelbeeren im Wald selbst aussäen, geschieht die Vermehrung von Kulturheidelbeeren über Stecklinge. Der Prozess ist allerdings aufwendig und eher etwas für Fachleute.

Pflückreife und Schnitt

Bis neugepflanzte Heidelbeersträucher den vollen Ertrag bringen, dauert es ein wenig: Vier bis fünf Jahre sollten eingeplant werden. Die ersten Früchte bilden sich aber schon nach ein bis zwei Jahren. Ab Ende Juli reifen die Beeren. Sie lassen sich problemlos zu Marmelade oder beim Backen verarbeiten, gekühlt mehrere Wochen lagern und auch einfrieren. Damit Vögel Ihnen nicht die appetitlichen Früchte wegnaschen, können Sie einen Vogelschreck aus glitzernder Alu-Folie basteln. 

Ein jährlicher Schnitt ist nicht nötig, aber nach einigen Jahren sollte das alte Holz verjüngt werden

Stimmen die Bedingungen, währt die Freude an den Heidelbeersträuchern lang: Sie werden zwischen 20 und 25 Jahre alt.

Im Überblick:
Standort Sonne bis Halbschatten
Boden mager, sauer
Erntezeit Ende Juli bis Mitte September
Winterhart ja
Schädlinge Blattläuse, Schildläuse, Raupen, Kirschessigfliege, Pilze

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 17. März 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2016, 08:30 Uhr