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Wohl am verbreitetsten in unseren Gärten sind die roten Johannisbeeren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Obst im GartenJohannisbeeren anbauen, pflegen und vermehrenRibes rubrum, Ribes nigrum, Ribes sativa

Stand: 26. Juni 2022, 09:59 Uhr

Sie sind aus keinem Garten wegzudenken: Johannisbeeren. Die kleinen roten, schwarzen oder weißen Früchte munden direkt vom Strauch und lassen sich überdies vielseitig verarbeiten. Außerdem enthalten sie sehr viel Vitamin C. Mit der richtigen Pflege tragen sie viele Jahre lang reichlich.

Johannisbeeren auf einen Blick
Heimatüberwiegend Nordhalbkugel (Europa, Asien, Nordamerika)
PflanzenfamilieStachelbeergewächse (Grossulariaceae)
WuchsBüsche, es gibt aber auch Stämmchen-Varianten
FrüchteJe nach Sorte und Standort reifen die Früchte von Mitte Juni bis August.
Standortsonnig und windgeschützt bis halbschattig
BodenLeicht sauer, locker und humos
Winterhartja
Mehrjährigja
Lebensdauer10 bis 15 Jahre, ggf. auch älter
Verwendungroh, als Marmelade, Mus, Saft oder für Kuchen

Allgemein

Zusammen mit den Stachelbeeren bilden Johannisbeeren die Familie der Stachelbeergewächse (Grossulariaceae). Die bekannten Kulturjohannisbeeren sind nur ein kleiner Zweig der vielfältigen Gattung der Ribesgewächse. Auch die große Namensvielfalt spricht für die Vielfalt der Kulturform: Ribisel (Österreich und Südtirol), Trübeli oder Meertrübeli (Schweiz), Ahlbeere (Norddeutschland), Träuble (Schwaben) werden die Pflanzen genannt. Der Name 'Johannisbeere' leitet sich übrigens vom Johannistag am 24. Juni ab, um den herum die ersten Sorten reifen. Die Pflanzen gedeihen vor allem auf der nördlichen Halbkugel der Erde, man findet sie sowohl in Europa, Asien als auch in Nordamerika. Auch in den Anden gibt es Johannisbeer-Arten. Übrigens entfallen mehr als 50 Prozent der weltweiten Johannisbeer-Produktion allein auf Russland.

Die aromatischen schwarzen Johannisbeeren lassen sich vielfältig verarbeiten. Bildrechte: Colourbox.de

Wuchs

Johannisbeeren wachsen von der Natur her als Büsche, sie werden jedoch auch als Stämmchen-Veredelungen angeboten. Von Ertrag und Robustheit her ist die natürliche Wuchsform zu bevorzugen. Die Büsche können je nach Sorte und Alter eine Höhe zwischen einem und zwei Metern erreichen.

Boden

Johannisbeeren stellen keine hohen Ansprüche an den Boden und gedeihen an sehr unterschiedlichen Standorten. Wie alle Beeren bevorzugen sie einen leicht sauren Boden, der gern auch locker und humos sein sollte. Da die Ribes-Arten Flachwurzler sind, macht ihnen Trockenheit relativ schnell zu schaffen. Regelmäßiges Gießen und Mulchen des Bodens beugt der Austrocknung vor. Staunässe allerdings sollte vermieden werden.

Johannisbeeren gedeihen auf fast allen Gartenböden, vorausgesetzt sie bekommen ausreichend Feuchtigkeit und Staunässe wird vermieden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Standort

Am besten gefällt den Pflanzen ein sonniger, windgeschützter Ort zum Wachsen. Dort bringen sie die größten Erträge. Das gilt insbesondere für schwarze Johannisbeeren, rote und weiße Sorten vertragen durchaus auch Halbschatten.

Pflanzung

Angeboten werden Johannisbeeren sowohl wurzelnackt als auch als Containerware. Ideale Pflanzzeit ist entweder von Herbst bis zum Wintereinbruch oder im zeitigen Frühjahr. Bei Containerware ist der Wurzelballen der Gehölze oft dicht und fest verwachsen. Er sollte ruhig etwas aufgeschnitten und aufgerissen werden, damit sich die Wurzeln gut mit dem Erdreich verbinden.

Das Pflanzloch etwa doppelt so tief ausheben wie der Wurzelballen groß ist. Der Abstand zwischen zwei Büschen beträgt mindestens 1,50 Meter.

Als Containerware werden Johannisbeersträucher in vielen Gartenmärkten angeboten. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Obstgehölze clever anbauen Johannisbeeren am Spalier ziehen

Werden Johannisbeeren als Spindel gezogen, bekommen die Früchte von allen Seiten Licht, Luft, Sonne. Die Früchte werden besonders aromatisch und groß. Johannisbeeren als Spindel können gut am Spalier wachsen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Obstbaum-Expertin Monika Möhler zeigt Hobbygärtner Jörg Heiß in dessen Kleingarten bei Weimar, wie man Pflanzen am Spalier zieht. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Grundsätzlich gilt: Johannisbeeren tragen besser, wenn mehrere Pflanzen unterschiedlicher Sorten zusammenstehen. Außerdem ist die Blüh- und Reifezeit gestaffelt. Bei Frost ist so die Chance größer, das Beeren reifen. Schwarze Johannisbeeren sind nicht selbstfruchtend. Man braucht mindestens zwei verschiedene schwarze Sorten. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Wenn das Spalier steht, wird das Loch gegraben. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Der Wurzelballen der Gehölze ist oft dicht und fest verwachsen. Er sollte mutig aufgeschnitten und aufgerissen werden, damit sich die Wurzel gut mit dem Erdreich verbindet. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Die Pflanzen werden mit flexiblen Anbindern am Spalier befestigt. Hier werden dünne Schläuche verwendet. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Wichtig ist, dass die Pflanze beim Anbinden nicht beschädigt wird und sie ungestört wachsen kann. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Vor allem im unteren Bereich tragen Johannisbeeren kaum Früchte. Deswegen werden überflüssige Triebe und Laub im Fußbereich der Pflanze weggeschnitten. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
So sollte der Fuß der Pflanze nach dem Schnitt aussehen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Auch die Seitenäste werden etwas ausgedünnt. Die Spindel muss schmal wachsen und darf nicht zu viele Blätter haben. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Nach dem Pflanzen gießen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Um die Pflanzen zu stärken und gleichzeitig vor dem Austrocknen zu schützen, hat Monika Möhler Mulch gemischt. Er besteht zu gleichen Teilen aus Humus, Kaninchenmist und Apfelbaum-Holzschnitt. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Den Mulch um die Pflanzen herum leicht anhäufeln. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Zwischen den Pflanzen sollten je nach Sorte mindestens 75 Zentimeter Platz sein. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Sortentipps von Monika Möhler für rote, weiße und schwarze Johannisbeeren:
* frühe rote Johannisbeere: 'Jonkheer van Tets'
* späte, rote Johannisbeere: 'Rolan'
* weiße Johannisbeere: 'Weiße Versailler'
* schwarze Johannisbeeren: 'Titania' & 'Ben Sarek'
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Pflege: Düngung und Schnitt

Düngergaben im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb sowie im April/Mai und im Herbst nehmen die Pflanzen dankbar an. Es kann sowohl Beerendünger aus dem Fachhandel verwendet werden als auch organische Dünger wie Hornspäne oder verrotteter Mist.

Vor allem im unteren Bereich tragen Johannisbeeren kaum Früchte. Deswegen werden überflüssige Triebe und Laub im Fußbereich der Pflanze weggeschnitten. Überhaupt brauchen die Pflanzen jährlich einen Schnitt, um hohe Erträge zu liefern. Ziel des Schnitts ist ein lockerer, lichtdurchlässiger Aufbau des Busches beziehungsweise der Krone bei Hochstämmen. Doch Achtung: Rote/weiße und schwarze Johannisbeeren werden unterschiedlich beschnitten!

rote/weiße Johannisbeerenschwarze Johannisbeeren
Tragen am zwei- und dreijährigen Holz, weshalb man nur Triebe entfernt, die älter als drei Jahre sind.Tragen am ein- und zweijährigen Holz, weshalb man nur Triebe entfernt, die älter als ein Jahr sind.
Nicht mehr als insgesamt 12 Gerüstäste (Haupttriebe) in verschiedenen Altersstufen stehen lassen.Nicht mehr als insgesamt 9 Gerüstäste (Haupttriebe) in verschiedenen Altersstufen stehen lassen.

Vermehrung

Ältere Pflanzen umzusetzen ist ungünstig, weil sie nicht mehr gut anwachsen. Sie sollten daher eher vermehrt werden, wenn man die Sorte behalten möchte. Mit Geduld gelingt die Vermehrung von Johannisbeeren problemlos. Dazu schneidet man einfach Stecklinge (15 bis 20 Zentimeter lang), die in die feuchte, sandige Erde gesetzt werden bis sie bewurzeln. Alternativ kann man auch einen Zweig vom Strauch runterbiegen, beschweren und mit Erde bedecken. Auch er wird schnell anwurzeln.

Früchte

Grundsätzlich gilt: Johannisbeeren tragen besser, wenn mehrere Pflanzen unterschiedlicher Sorten zusammenstehen. Außerdem wird so die Blüh- und Reifezeit gestaffelt. Bei Frost ist so die Chance größer, das Beeren reifen. Schwarze Johannisbeeren sind nicht selbstfruchtend. Man braucht mindestens zwei verschiedene schwarze Sorten. Die Früchte lassen sich sehr vielseitig verwenden - ob zum Naschen, im Kuchen, als Marmelade oder Saft.

Aus den zarten Rispenblüten reifen ab Juni die Früchte. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Sorten

Zwischen roten und weißen Johannisbeeren gibt es außer der Farbe keine Unterschiede. Triebe und Blätter der schwarzen Johannisbeeren hingegen strömen einen markanten, aromatischen Geruch aus, an dem man sie auch dann erkennt, wenn keine Früchte da sind.

Weiße Johannisbeeren unterscheiden sich bis auf die Farbe nicht von den roten Vertretern. Bildrechte: Colourbox.de

Empfehlungen für Johannisbeer-SortenRote Johannisbeeren
• 'Jonkheer van Tets': frühe Sorte, sehr ertragreich und robust
• 'Rote Vierländer': mittelfrühe Sorte, milde, aromatische Früchte, die sich gut zum Verarbeiten eignen
• 'Rolan' und 'Rovada': späte Sorte, sehr robust mit großen Trauben
• 'Heinemanns Rote Spätlese': sehr späte Sorte (ab August), sehr ertragreich, Beeren halten sich lange am Strauch

Weiße Johannisbeeren
• 'Weiße Versailler': mittelfrühe Sorte, süß-säuerlicher Geschmack, existiert bereits seit 150 Jahren
• 'Weiße Langtraubige': späte Sorte, mittlere Erträge, gut zu verarbeiten
• 'Weiße aus Jüterbog': späte Sorte, mittelgroße, feste Beeren, mild und fein im Geschmack

Schwarze Johannisbeeren
• 'Silvergieters': frühe Sorte, ertragreich, süße Früchte
• 'Titania': mittelfrühe Sorte, große Früchte, stark wachsend
• 'Ben Sarek': späte Sorte, hohe Erträge, kräftiger Wuchs

Rezepte

Johannisbeerschorle

Ein köstliches Getränk ist die Johannisbeerschorle. Der Saft oder das Mus dafür lassen sich einfach herstellen. Zuerst werden die Beeren ausgeputzt und gewaschen. Danach können die ganzen Trauben mit einem Pürierstab zerkleinert werden. Anschließend wird die Masse durch ein Sieb gedrückt. Das entstandene Johannisbeermus kann mit Zucker und Vanille verfeinert und in Gläser abgefüllt werden. Je nach Geschmack wird es mit Leitungs- oder mit Mineralwasser verdünnt - für heiße Sommertage ist die Schorle eine wunderbare Erfrischung.

Johannisbeermarmelade

Früchte putzen und waschen. Je nach Gelierzucker-Art (1:1, 1:2, 1:3) eine entsprechende Menge abwiegen und in einem Topf zusammen mit dem Zucker zum Kochen bringen und drei bis fünf Minuten köcheln lassen. Wenn die Gelierprobe gelingt, wird die Johannisbeermasse in heiß ausgespülte Gläser mit Schraubverschluss gefüllt. Um das Glas dicht zu verschließen, stellt man es am besten fünf Minuten auf den Kopf.

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 26. Juni 2022 | 08:30 Uhr