Trendpflanzen Panaschierte Zimmerpflanzen: Woher kommt der Hype?

50 Euro und mehr für einen Steckling ist kein ungewöhnlicher Preis für eine panaschierte Zimmerpflanze. Doch was steckt hinter dem Hype um die Pflanzenraritäten wie Monstera Variegata oder Philodendron 'Florida Beauty'? Und lohnt es sich wirklich, so viel Geld dafür auszugeben? Wir haben nachgefragt.

Heike Mohr hält eine Zimmerpflanze in der Hand. 2 min
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Einfach nur grün reicht nicht mehr, um in der Zimmerpflanzenwelt aufzufallen. Stattdessen liegen Pflanzen mit panaschierten Blättern im Trend. Teilweise muss man für solche Exoten tief in die Tasche greifen.

MDR FERNSEHEN So 06.02.2022 08:30Uhr 02:02 min

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Einfach nur grün mit exotischen Blattformen reicht nicht mehr, um in der Zimmerpflanzenwelt aufzufallen. Stattdessen liegen seit einigen Jahren Pflanzen mit panaschierten und/oder durchbrochenen Blättern im Trend. Für sehr seltene und begehrte Pflanzen werden mitunter irrwitzige Preise gezahlt.

Für André Höhler begann die Begeisterung für buntlaubige Pflanzen mit einer geschenkten Monstera deliciosa, also der Normalvariante mit rein grünen Blättern. Diese Zimmerpflanze erlebt seit einigen Jahren im Zuge des Urban-Jungle-Trends eine Renaissance. "Irgendwann war ich dann überrascht, dass die Stecklinge meiner Pflanze mittlerweile mehr kosten als meine Ursprungspflanze", erzählt der IT-Experte, der sich ursprünglich vor allem mit Bonsais beschäftigt hatte. Eine neue Sammelleidenschaft war geweckt.

Wieso haben manche Pflanzen mehrfarbige Blätter?

Die Mehrfarbigkeit der Blätter - in der Fachsprache Panaschierung genannt - ist im Grunde eine Laune der Natur. Durch Mutationen bilden Pflanzen an manchen Stellen weniger oder gar kein Chlorophyll aus, so dass diese Stellen dann weiß oder gelb erscheinen. Züchter vermehren solche Mutanten gezielt, so dass am Ende neue Sorten entstehen.

In der Regel werden panaschierte Pflanzen vegetativ vermehrt, also zum Beispiel über Stecklinge. Bei einer Vermehrung durch Samen verliert sich die panaschierte Mutation oft.

Die Mehrfarbigkeit tritt in verschiedenen Formen auf: Manche Pflanzen bilden Streifen aus, bei anderen sind verschiedene Blattbereiche gefärbt. Das Muster variiert oft an derselben Pflanze von Blatt zu Blatt.

Der lateinische Begriff für Panaschierung lautet übrigens Variegation, weshalb die Pflanzen im lateinischen Namen oft den Zusatz "variegata" tragen.

Übrigens #Panaschierung Panaschierte Blätter treten nicht nur bei Zimmerpflanzen auf, sondern auch bei Stauden (unter anderem Yukkas, Funkien) oder Gehölzen (zum Beispiel Hartriegel, Ahorn). Sogar von Tomaten sind panaschierte Varianten bekannt.

panaschierte Form der Korbmarante (Calathea makoyana)
Von der Korbmarante, im Bild ist eine Calathea makoyana zu sehen, gibt es diverse panaschierte Formen. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf

Woher kommt der Hype um bunte Blätter?

"In den USA begann der Trend zu panaschierten Zimmerpflanzen so um 2017/18", sagt Höhler. Vorher sei er aber schon in Südostasien, vor allem in Honkong akut gewesen. "Wobei es die Begeisterung für Pflanzenraritäten natürlich schon viel früher gab", gibt der Pflanzenfreund zu bedenken.

Auftrieb gewann das Phänomen dann durch die sozialen Medien, vor allem auf Youtube und Instagram wurden massenhaft Videos und Bilder exotischer Pflanzen gepostet. "Corona hat den Hype dann sehr befeuert", meint André Höhler. Schließlich findet seit der Pandemie eine Rückbesinnung auf das häusliche Umfeld statt. Hinzu kommt, dass die Beschäftigung mit Pflanzen sich bei vielen Menschen positiv auf die Psyche auswirkt.

Auch soziale Kontakte, die durch Corona sehr beschränkt wurden, ermöglicht das Hobby - zumindest im Internet. So gibt es eine rege Szene, die sich vor allem in den sozialen Medien über ihre Pflanzenlieblinge austauscht: "Da kommen schon viele soziale Kontakte drüber zustande", berichtet der Raritäten-Experte. "Man gibt einander Pflegetipps, tauscht oder verkauft Ableger und postet natürlich Fotos seiner Lieblinge." Für manchen Pflanzenliebhaber hätten die Gewächse gar den Status von Babies.

Bei André Höhler floss die Begeisterung schließlich in den Aufbau einer umfangreichen Website zu Pflanzenraritäten und anderen Gewächsen, die er ehrenamtlich zusammen mit einigen Mitstreitern betreibt.

panaschierte Form der Korbmarante (Calathea mosaica)
Selbst feine Muster sind zu haben: hier eine Calathea mosaica. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf

Warum sind panaschierte Pflanzen so teuer?

Da es sich bei den buntlaubigen Gewächsen um Mutationen handelt, können die Pflanzen nur vegetativ vermehrt werden. Die Zahl der Ableger, die man von einer Mutterpflanze gewinnen kann, ist meist sehr viel geringer als wenn man die Pflanze über Samen vermehren würde. Auch sind manche Pflanzen schwer zu bewurzeln.

Hinzu kommt, dass die meisten Zimmerpflanzen aus den Tropen stammen und bestimmte Ansprüche an Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit haben. "Viele Pflanzen werden aus Südostasien importiert, da ist die Ausfallquote relativ hoch", sagt André Höhler. Sprich viele Gewächse überleben den Transport nicht. "Zu den Hochzeiten des Hypes war es schwierig, bestimmte Pflanzen überhaupt zu bekommen. Das trieb natürlich auch den Preis in die Höhe."

Und wie beim Kunstmarkt oder anderen Märkten setzt sich auch bei den Pflanzenraritäten der Preis aus Angebot, Nachfrage und dem zugeschriebenen Wert zusammen. Denn der materielle Wert eines Bildes oder eines Philodendron 'Caramel Marble' gründet weniger in objektiven Kriterien als in ideellen Zuschreibungen.

Welcher Preis ist realistisch?

Die Preisspanne ist sehr groß. Im Gartencenter bekommt man buntlaubige Sorten von Calathea oder Maranta - beide gehören zur Familie der Marantaceae (Pfeilwurzgewächse) - schon für kleines Geld. Seltene Arten und Sorten von Monstera oder Philodendron hingegen können sich im drei- bis vierstelligen Bereich bewegen.

"Viele Pflanzen werden überteuert verkauft", warnt André Höhler. Er empfiehlt erst einmal, die Preise auf den gängigen Internetportalen für Kleinanzeigen und Privatverkäufe zu vergleichen, wo viele Pflanzen gehandelt werden. Auf diese Weise bekommt man ein Gefühl für den realen Marktwert einer Pflanze. Der schwankt von Art zu Art und mitunter auch von Jahr zu Jahr. Doch generell gilt: je seltener desto teurer.

Viele Pflanzen werden überteuert verkauft

André Höhler, Experte für Pflanzenraritäten

Auch sollte man sich in jedem Fall erst einmal mit den Pflanzen und ihren Ansprüchen beschäftigen bevor man viel Geld für ein Gewächs hinlegt, das im schlimmsten Fall nach kurzer Zeit eingeht.

Viele Pflanzenfreunde wie André Höhler finanzieren sich ihr Hobby, indem sie Ableger verkaufen oder tauschen: "Das trägt sich ganz gut selbst." Er rät außerdem, genau hinzugucken bevor man oftmals teures Zubehör oder Spezialsubstrat anschafft.

panaschierte Pfeilwurz (Marantha leuc fascinator)
Schön und recht preiswert: eine panaschierte Pfeilwurz (Marantha leuc fascinator). Bildrechte: MDR/Annett Zündorf

Wo kann man panaschierte Pflanzen kaufen?

Sehr viele Pflanze werden von privat über die gängigen Internetportale gehandelt. Daneben finden sich etliche Spezialhändler und -gärtnereien, die man auch am besten über das Internet findet.

Informieren Sie sich in jedem Fall vor einem Kauf umfassend über die Seriösität des jeweiligen Anbieters. So wie Sie es bei anderen Produkten auch machen würden.

Mittlerweile sind auch manche Gartenmärkte auf den Zug der panaschierten Pflanzen aufgesprungen. Sie bieten einen relativ günstigen Einstieg in die Welt der Buntlaubigen.

Welche Pflanzen eignen sich für Einsteiger?

Relativ genügsam in ihren Ansprüchen sind:

  • Monstera variegata (Panaschiertes Fensterblatt)
  • Syngonium variegata (Panaschierte Purpurtute)
  • Alocasia (Pfeilblatt, Elefantenohr)
  • Philodendron (Baumfreund)

Wie pflege ich panaschierte Pflanzen?

Zimmerpflanzen

Panaschierte Zimmerpflanzen sind oft empfindlicher als ihre rein grünen Gegenstücke. Je höher der Weißanteil im Blatt desto empfindlicher ist die Pflanze, schließlich steht ihr weniger Chlorophyll zur Verfügung.

Direktes Sonnenlicht verbrennt den Weißanteil in den Blättern schnell. Zwar stirbt die Pflanze davon nicht gleich, aber die schöne Weißfärbung weicht einem trüben Braun.

Auch beim Besprühen der Blätter sollte man vorsichtig sein. "Das Wasser sollte nicht auf den Blättern stehen bleiben, weil das die Zellmembran beschädigen kann, die an den weißen Stellen dünner ist", sagt André Höhler.

Ansonsten hängen die Ansprüche an Standort, Substrat und Luftfeuchte von der jeweiligen Art ab.

Stauden und Gehölze

Anders verhält es sich mit der Pflege von panaschierten Stauden oder Gehölzen. Siegfried Jöschler von der Baumschule Ludwig in Großkarolinenfeld erklärt, dass diese sich in ihren Ansprüchen nicht wesentlich von denjenigen ihrer einfarbigen Artgenossen unterscheiden würden.

Eine Funkie/ Hosta mit dem Namen "Rainbow's End" mit hellgrün und dunkelgrün panaschierten Blättern.
Auch bei Funkien gibt es mehrfarbige Blätter. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Quellen: MDR Garten, André Höhler (Experte für Pflanzenraritäten), Siegfried Jöschler (Baumschule Ludwig)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 06. Februar 2022 | 08:30 Uhr

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