Die kalte Sophie Pflanzen auf eigene Gefahr - bis zu den Eisheiligen drohen Fröste

Auch wenn es noch so sehr in den Fingern juckt und das Wetter einen verführen will – wenn Sie zu früh pflanzen oder die Kübel rausstellen ist die Mühe umsonst. Und Ihre schönen Pflanzen sind verloren. Gärtner Stefan Hupel ist für den Park an der Ilm in Weimar zuständig. Und er ist sicher, es wird nochmal kalt.

Home-Office ist für Gärtner natürlich nicht möglich. Umso schöner, wenn Büro und Pausenraum einen so schönen Freisitz haben. Stefan Hupel genießt den Platz auf der Bank vorm Liszthaus.
Ilmpark-Gärtner Stefan Hupel rät zu Vorsicht beim Pflanzen vor den Eisheiligen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kennen Sie das? Alle Fensterbretter der Wohnung stehen voller Sämlinge, die Beete sind vorbereitet. Und dann soll man wirklich bis zu den Eisheiligen warten? Erst recht, wo jetzt viele Leute gezwungenermaßen Zeit für den Garten haben und vor dem Corona-Virus auch oft dorthin ausweichen. Dazu ein wirklich warmer April. Aber Vorsicht: Fachleute sagen, es ist eindeutig zu früh.

Stiefmütterchen und Primeln trotzen dem Frost

Primeln
Winterharte Primelsorten halten auch leichte Fröste gut aus. Bildrechte: colourbox

Seit fast zehn Jahren arbeitet Stefan Hupel jetzt schon für die Klassik-Stiftung in Weimar. Ausgebildet ist er als Zierpflanzengärtner, hat in der Baumschule gearbeitet und weiter gelernt, inzwischen kann er selbst Garten- und Landschaftsbauer ausbilden. Mittlerweile ist er Revierleiter im Weimarer Park an der Ilm. Für die Hausgärten, wie am Goethehaus, am Kirms-Krackow-Haus und all den anderen Häusern der Stiftung ist er außerdem zuständig.

Momentan pflanzen wir nur Stiefmütterchen und Primeln. Alle anderen müssen noch warten, auch wenn es schwerfällt.

Stefan Hupel | Gärtner

Kübel mit empfindlichen Pflanzen müssen geschützt werden

Ein Laken liegt zur Hälfte über einem Blumentopf mit Frühblühern.
Ein Vlies hilft bei leichten Nachtfrösten. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Der Grund: nachts ist es einfach noch zu kalt und Hupel rechnet definitiv nochmal mit Frösten in diesem Frühjahr. Das Gleiche gilt für die Kübel. Tagsüber kann man sie durchaus schon mal rausstellen, sie brauchen jetzt schon Luft und Sonne. Nachts müssen sie allerdings wieder rein oder mit einem Vlies geschützt werden. Kleingärtner sollten ganz genau den Wetterbericht verfolgen. Am liebsten mehrmals am Tag, denn die Vorhersagen können sich manchmal innerhalb von wenigen Stunden ändern. Ob die Nächte kalt werden ist vor allem für Gärtner wichtig, die Obst als Spalier oder Mini-Baum an der Hauswand gepflanzt haben. Dort ist es wärmer und die Blüten sind meist schon weiter. Die offenen Blüten sollten deshalb unbedingt mit einem leichten Tuch geschützt werden, wenn die Temperaturen in der Nacht unter null Grad fallen.

Säen erlaubt - aber Keimlinge unbedingt feucht halten

Saatgut für Wildblumen nach dem Säen mit Trittbrettern antreten
Egal ob Rasen-, Blumen- oder Gemüsesamen - wichtig ist, das sie nach dem Keimen nicht austrocknen. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Säen dagegen kann man schon, sagt Hupel. Da sind die Angaben auf den Samentütchen schon sehr korrekt. Allerdings kommt da ein anderes Problem ins Spiel, die Trockenheit. Hupel hat das Gefühl, dieses Frühjahr ist noch trockener als das vorige. Und wenn die Samen einmal gekeimt haben, dürfen sie nicht mehr austrocknen. Da ist die Regentonne schnell leer. Aber bekommt den kleinen Pflänzchen denn Leitungswasser?

Leitungswasser ist besser als gar kein Wasser. Man muss das Regenwasser einteilen und damit vor allem die Pflanzen gießen, die kalkempfindlich sind.

Stefan Hupel | Gärtner

Und auch die Regeln zum Zeitpunkt des Gießens sieht der Gärtner eher entspannt. Wenn die Pflanzen durstig sind, sollten sie auch gegossen werden, egal wie spät es gerade ist.

Wenn die Pflanze welkt, schreit sie damit nach Wasser. Dann muss man gießen, auch wenn es erst Mittag ist.

Natürlich besteht dann die Gefahr, dass die Sonne die Blätter verbrennt. Das Wasser verdunstet auch schneller. Aber die kleinen Pflanzen haben noch nicht die Kraft, bis zum Abend zu warten.

Park an der Ilm Der 48 Hektar große Park an der Ilm ist ein einzigartiger Landschaftsgarten am Rande der Weimarer Altstadt. Herzog Carl August und Johann Wolfgang Goethe verwirklichten hier ihre gartenkünstlerischen Ideen. Sie schufen ein begehbares Kunstwerk mit abwechslungsreichen Landschaftsbildern, Parkarchitekturen und Sitzgelegenheiten.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Radiogarten | 18. April 2020 | 09:00 Uhr