Gemüseanbau Vierfelderwirtschaft im Kleingarten

Die klassische Vierfelderwirtschaft funktioniert auch im Kleingarten. Wird nach diesem System angebaut, wächst Gemüse unter optimalen Nährstoffbedingungen und der Boden hat Zeit, sich zu erholen. Jörg Heiß will das System ausprobieren.

Jörg Heiß bringt Grübdüngersamen aus 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer Gemüse anbaut, muss seine Pflanzen mit der richtigen Menge Nährstoff versorgen, damit sie optimal gedeihen. "Die Vierfelder-Wirtschaft ist eine gute Möglichkeit, Struktur in den Garten zu bringen und die vielen Gemüsesorten, die es gibt, ihren Ansprüchen gerecht zu versorgen", sagt Martin Krumbein. Der Grundgedanke ist eigentlich ganz einfach: Vier gleich große Beete werden bebaut: Eines mit Starkzehrern, eines mit Mittelzehrern und eines mit Schwachzehrern. Das vierte Beet wird nicht bebaut. Stattdessen wird Gründüngung ausgesät. Bei der Anlage der vier Beete gibt es keine Vorschriften. Das können vier hintereinander liegende Streifen wie im Garten von Jörg Heiß sein, aber auch vier Viertel eines Kreises oder vier voneinander getrennte Quadrate wie im klassischen Bauerngarten.

Die Vierfelder-Wirtschaft ist eine gute Möglichkeit, Struktur in den Garten zu bringen und die vielen Gemüsesorten, die es gibt, ihren Ansprüchen gerecht zu versorgen

Martin Krumbein, Fachbereichsleiter Gemüsebau vom Erfurter Lehr- und Versuchszentrum Gartenbau

Was sind Starkzehrer?

Pflanzen, die besonders viele Nährstoffe verbrauchen und besonders viele und große Früchte hervorbringen, werden als Starkzehrer bezeichnet. Dazu zählen viele Kohlsorten, Gurken und Kürbis. Das Beet für die Starkzehrer wird im Frühjahr mit einer etwa zehn Zentimeter dicken Schicht aus reifem Kompost bedeckt, die dann mit Grubber und Harke in die oberste Schicht eingearbeitet wird. Beim allerersten Anlegen des Beetes sollten zusätzlicher organischer Dünger wie verrotteter Mist oder Hornspäne ins Beet. Hat sich die Vierfelderwirtschaft eingespielt, ist die organische Düngung überflüssig, da die vorhergehende Gründüngung genügend Nährstoffe in den Boden bringt. Die Vielfresser gedeihen auf dem so vorbereiteten Beet wunderbar, sollten aber im Sommer von Zeit zu Zeit "Extrafutter" in Form von Pflanzenjauche bekommen.

Starkzehrer Weißkohl, Rotkohl, Blumenkohl, Spitzkohl, Rosenkohl, Zucchini, Gurken, Kürbis, Lauch, Sellerie

Was sind Mittelzehrer?

Mittelzehrer benötigen etwas weniger Nährstoffe als die gefräßigen Starkzehrer. Auf dieses Beet gehören beispielsweise Zwiebeln, rote Bete und Kohlrabi. Zu Beginn des Jahres sollte reifer Kompost aufs Beet gebracht werden. Im Sommer profitieren die Pflanzen von einer regelmäßigen Gabe Pflanzenjauche.

Mittelzehrer rote Bete, Kohlrabi, Zwiebeln,Möhren, Pastinake, Salat, Radieschen, Mangold

Was sind Schwachzehrer?

Zu den Schwachzehrern zählen Bohnen und Erbsen. Sie gehören zu den Leguminosen - das ist die einzige Pflanzenfamilie, die mit Hilfe von Bakterien den wertvollen Stickstoff, nach dem alle Pflanzen hungern, im Boden binden kann. Leguminosen brauchen eine leichte Versorgung mit Kompost und kommen damit gut übers Jahr. Gleichzeitig geben sie der Erde schon Nährstoffe zurück. Mit ein wenig Kompost kommen auf schwerem Boden auch Salat und Radieschen prima im Schwachzehrer-Beet zurecht. In Gegenden mit magerem Boden finden sie dagegen nicht mehr genügend Nährstoffe. Kräuter gedeihen im Schwachzehrer-Beet ohne besondere Düngung besonders gut.

Vierfelderwirtschaft im Kleingarten

Das klassische Prinzip der Vierfelderwirtschaft lässt sich auch im Garten umsetzen. Gärtner Martin Krumbein zeigt Redakteur und Hobbygärtner Jörg Heiß, wie er sein Gemüse auf diese Weise anbauen kann.

Zwei Männer bei der Gartenarbeit
Die Vierfelder-Wirtschaft ist ein klassisches Anbauprinzip, bei dem alle Gemüsesorten die optimale Konzentration von Nährstoffen bekommen sollen. Vier Beete hat Jörg Heiß in seinem Garten dafür reserviert. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf
Zwei Männer bei der Gartenarbeit
Die Vierfelder-Wirtschaft ist ein klassisches Anbauprinzip, bei dem alle Gemüsesorten die optimale Konzentration von Nährstoffen bekommen sollen. Vier Beete hat Jörg Heiß in seinem Garten dafür reserviert. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf
Gekraustes Blatt an einem Grünkohl
Im ersten Jahr kommen auf das Starkzehrer-Beet - das ist das Beet mit den meisten Nährstoffen - Spitzkohl, Grünkohl und andere Kohlarten, aber auch andere hungrige Gemüse, wie Gurken und Zucchini. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner
Junge Pflanzen in Blumenkästen
Im zweiten Jahr sind die Nährstoffe etwas weniger geworden. Auf dem Mittelzehrer-Beet wachsen Rote Bete und Kohlrabi ganz wunderbar. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf
Junge Pflanzen in Blumenkästen
Im dritten Jahr kommen die sogenannten Schwachzehrer aufs Beet. Dazu gehören Salate, aber auch Radieschen und Kräuter. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf
Zwei Männer unterhalten sich
Im vierten Jahr soll sich der Boden erholen. Auf das Beet kommt Gründüngung. Sie belebt den Boden. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf
Kartons mit Dünger
Als Gründünger kommen eine ganze Reihe an Pflanzen in Frage. Manche lockern den Boden tiefgründig, andere bieten Bienen Nahrung oder binden Stickstoff. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf
Ein Mann schüttet Dünger in seine Hand
Bei Jörg Heiß kommt Rotklee aufs Beet. Der kann im März schon ausgesät werden und bis zum Herbst stehen bleiben. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf
Eine Harke
Wichtig: Der Boden muss gut vorbereitet und das ausgebrachte Saatgut mit der Harke leicht andrückt werden. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf
Ein Mann mit Mütze und Blumenkästen
Jörg Heiß pflanzt fleißig und hofft mit dem System der Vierfelderweirtschaft auf eine reichliche Ernte. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 11. April 2021 | 08:30 Uhr

Gründüngung säen

Haben nach drei Jahren verschiedenste Gemüsesorten Nährstoffe aus dem Boden gezogen, sollte der Boden sich ausruhen. Aber das bedeutet nicht, dort einfach nichts anzubauen. Dann würden Regen und Wind einfach weitere Nährstoffe auswaschen. Statt dessen kommen Pflanzen aufs Beet, die Nährstoffe in den Boden bringen. Nach welchen Kriterien die Gründüngung ausgesucht wird, hängt von der Jahreszeit, dem Ziel der Pflanzung - manche Gründüngungspflanzen lockern beispielsweise tiefgründig - und dem persönlichen Geschmack ab. Jörg Heiß hat sich für Rotklee entschieden, da er im Sommer Bienen Nahrung bietet, viel Biomasse bildet und bereits früh im Jahr ausgesät werden kann. Zudem gehört Rotklee zu den Leguminosen, die Stickstoff fixieren und damit wichtige neue Nährstoffe ins Beet bringen. Der Rotklee wird dicht gesät und kann im Juli nach der Blüte in den Boden eingearbeitet werden. Allerdings würde das eine zweite Gründüngung erfordern. Denn eine Fläche sollte auf keinen Fall brach liegen, erklärt Martin Krumbein: "Sonst werden die Nährstoffe aus dem Boden gewaschen." Statt dessen empfiehlt Krumbein, den Rotklee bis zum Frost stehen zu lassen und erst dann einzuarbeiten.

Man lässt eine Fläche nicht über mehrere Monate brach liegen. Dann besteht die Gefahr, dass die Nährstoffe aus dem Boden gewaschen werden.

Martin Krumbein, Fachbereichsleiter Gemüsebau vom Erfurter Lehr- und Versuchszentrum Gartenbau

Fruchtwechsel beachten

Die Vierfelderwirtschaft funktioniert grundsätzlich wunderbar. Allerdings nur, wenn Gärtner auch der Fruchtwechsel beachtet wird. Als Fruchtwechsel wird der Anbau über mehrere Jahre hinweg bezeichnet. Dabei geht es vor allem um die Gesundheit der Pflanzen. Standen auf einem Beet Kohlpflanzen, die zur Familie der Kreuzblütler gehören, sollten danach auf keinen Fall Rettiche angepflanzt werden, die ebenfalls zur Familie der Kreuzblütler gehören. Von Fruchtfolge spricht man, wenn der Anbau von Gemüsepflanzen auf einem Beet innerhalb einer Saison wechselt.

Diese Pflanzen bleiben an ihrem Platz

Tomaten und Rhabarber sind ebenfalls Starkzehrer. Sie ziehen aber nicht jedes Jahr in ein neues Beet. Rhabarber ist eine Staude und gedeiht immer am gleichen Platz. Tomaten fühlen sich in ihrem angestammten Beet wohl. Erdbeeren bleiben mehrere Jahre am gleichen Platz und auch Spargel wechselt erst nach mehreren Jahren an eine neue Stelle.

Quelle: MDR Garten/anz; Martin Krumbein, Fachbereichsleiter Gemüsebau vom Erfurter Lehr- und Versuchszentrum Gartenbau

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 11. April 2021 | 08:30 Uhr

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