Eine Karton mit einem Substrat. In dem Substrat wachsen Champions.
Schnell zur Ernte mit Fertigkulturen. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Für Garten & Haus Pilze anbauen: So funktioniert's

Pilze sind weder Pflanze, noch Tier. Sie sind eine völlig andere Lebensform. Sie wachsen auf Wiesen oder im Wald, sind Nahrung für Schnecken, hungrige Würmer und Tiere. Außerdem sorgen sie dafür, tote Pflanzenteile in Humus und Mineralstoffe zu zersetzen, die so wieder Nahrungsquelle für andere Pflanzen sind. Aber auch uns schmecken sie gut. Umso besser, dass man sie im eigenen Keller, auf dem Fensterbrett oder im Beet züchten kann.

Eine Karton mit einem Substrat. In dem Substrat wachsen Champions.
Schnell zur Ernte mit Fertigkulturen. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Der größte Teil eines Pilzes lebt unsichtbar unter der Erde. Das Mycel, ein feines weißes Geflecht aus Pilzfäden, durchzieht den Boden und nimmt Nährstoffe auf. Es übernimmt alle Lebensfunktionen, die bei Pflanzen Wurzeln, Blätter und Stängel gemeinsam verrichten. Die Pilze bilden sich erst, wenn der Pilz dazu bereit ist, sich fortzupflanzen.

Eine gute Zeit Pilze anzubauen, sind der Frühling oder Herbst. Dann können sie sich gut entwickeln und mit etwas Glück noch im gleichen Jahr wachsen. Meist dauert es allerdings mindestens ein Jahr bis die ersten Pilze sprießen. Wer Pilze im Freiland ausbringt muss dafür sorgen, dass sie mindestens vier Wochen frostfrei wachsen können.

Folgende Pilze sind für den Eigenanbau geeignet:

Pilz Temperatur Standort Fertigkultur Brut auf Laubholz Anbau im Beet
Hericium 10-18 Im Freien, im Haus x    
Kräuterseitling 10-18 Im Freien, im Haus x   x
Piopino 18-30 Im Freien, im Haus x    
Austernpilz 6-24 Im Freien x x x
Limonenpilz 6-24 Im Freien x x  
Shiitake 14-22 Im Freien, im Haus x x  
Champignon 10-16 Im Freien, im Haus x    
Braunkappe   Im Freien     x

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Pilze zu kultivieren: auf einem Holzstamm, im Beet, auf Strohballen oder auf speziellen Substraten. Da im Kaffeesatz viel Holz von der Bohne steckt, ist es sogar möglich, auf Kaffeesatz Pilze wachsen zu lassen. Jeder Pilz hat dabei ganz eigene Ansprüche. Die genauen Erklärungen finden sie auf den Pflanztüten oder Verpackungen der unterschiedlichen Hersteller.

Pilzanbau auf Baumstämmen – für geduldige Gärtner

Ein Dübel wird mit einem Hammer in den Baum geschlagen
Mit Dübeln wird die Pilzkultur in den Stamm gehauen. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Der Pilzanbau auf einem Holzstamm ist etwas für geduldige Gärtner, denn es dauert meist mindestens ein Jahr bis die ersten Pilze wachsen. Dafür wachsen sie dann mehrere Jahre, bis die Nährstoffe des Baumstamms aufgebraucht sind. Das Mycel der Pilze steckt in Holzdübeln, mit denen die Baumstämme sozusagen geimpft werden. In den Stamm werden je nach Dübelgröße Löcher gebohrt und die Dübel ganz einfach mit einem Hammer spiralförmig rund um den Stamm versenkt (hier gilt: je mehr desto besser). Der geimpfte Stamm sollte dann mindestens sechs bis zehn Wochen frostfrei, schattig und windgeschützt ruhen, beispielsweise unter einer Hecke. Der Platz darf nicht zu nass sein, dann schimmelt das Holz. Fruchtkörper entwickeln sich erst, wenn der Stamm vom Mycel durchwachsen ist. Je dicker der Stamm, desto länger braucht der Pilz. 15 Zentimeter Durchmesser sind ideal. Hierfür braucht der Pilz etwa ein Jahr.

Auf einem Baumstamm wachsen Austernpilze
Ist der Stamm durchwachsen, erntet man mehrere Jahre lang Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Je nach Sorte benötigen Pilze Temperaturen von zehn bis 16 Grad Celsius. Bestimmte Pilzsorten, zum Beispiel Champignons, sterben ab, wenn es zu warm ist.

Die Baumstämme sollten frisch geschlagen und nicht älter als zwei Monate sein. Außerdem muss die Rinde am Stamm gut erhalten sein, da sie die Feuchtigkeit speichert. Gut eignen sich für alle Pilzkulturen Birkenstämme. Das Holz der Birke ist das weichste unter den Harthölzern und kann von den Pilzsporen gut durchwachsen werden. Aber auch Buche und Stämme von Obstgehölzen eignen sich als Unterlage. Nur Nadelgehölze sollten nicht verwendet werden. Nach der Ruhephase muss der Stamm aufrecht hingestellt werden, damit er Feuchtigkeit aus dem Boden aufnehmen kann.

Waldgartenpilzkultur für das Gartenbeet

Waldpilze lassen sich auf dem Beet anbauen. Die Kultur ist im Handel erhältlich. Geliefert wird immer ein Substrat – also der Nährboden und die Pilzbrut. Die genaue Vorgehensweise wird in den Anleitungen der Hersteller erklärt. Grundsätzlich gilt: Für den Anbau von Waldpilzen eignet sich ein schattiger Standort unter Laubbäumen und Büschen. Wichtig ist, dass die Erde nährstoffreich ist, am besten in der Nähe des Kompostplatzes. Der Standort muss geschützt sein, damit die Pilze nicht durch Regen und Wind zerstört werden.

Bis Anfang September kann das Substrat ins Beet eingebracht werden. Auch hier gilt: in der Durchwachszeit sollte kein Frost sein. Es dauert meist ein Jahr bis zur ersten Ernte. Dann bilden sich über zwei bis drei Jahre Pilze.

Fertigkulturen - Pilze in der Kiste

Wenig Arbeit und schnelle Erfolge hat man mit Fertigkulturen. Angeboten werden beispielsweise Champignons oder Austernpilze. Je nach Pilzsorte dauert es zwischen drei und sechs Wochen, bis die ersten Pilze geerntet werden können. Für ganz ungeduldige Menschen empfehlen sich Shiitake-Pilze, diese  zeigen meist schon bei Anlieferung ihre Köpfe.

Auf die schon vom Mycel durchwachsene Unterlage wird die mitgelieferte Erde ausgebracht und sehr fein zerbröselt, damit es die Pilze leicht haben durch den Boden zu wachsen. Solange Pilze wachsen sollen, muss die Erde ausreichend feucht gehalten werden. Nie mit der Gießkanne, immer mit einem Sprüher wässern. Damit sich die Feuchtigkeit hält, wird alles mit einer Folie abgedeckt. Allerdings sollte diese immer wieder gelüftet werden, damit die Erde nicht schimmelt. Besonders einfach ist das Züchten von Champignons. Diese brauchen kein Licht, können also auch im dunklen Keller stehen. Temperaturen über 19 Grad Celsius vertragen Champignons aber nicht.

Austernpilze vertragen höhere Temperaturen von bis zu 25 Grad Celsius, brauchen aber auch Licht zum Wachsen.

Ernte

Ernten Sie die Pilze immer möglichst komplett aus dem Boden. Über Pflanzenreste können Schädlinge eindringen. Bei Champignons lohnt es sich, kleinere Pilze noch wachsen zu lassen. Austernpilze wachsen beispielsweise an einem Hauptstamm, sie sollten immer vollständig geerntet werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 24. März 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. März 2019, 08:30 Uhr