Anleitung Einen Baum in den Garten pflanzen

Der Herbst ist die ideale Zeit, um einen Baum zu pflanzen. Wie groß das Pflanzloch sein muss, warum eine Baumscheibe und ein Gießrand wichtig sind und wie Sie Ihren jungen Baum schützen können, hat Gärtner Ingo Rinitsch aus Herbsleben verraten. So pflanzen Sie Schritt für Schritt einen Baum in Ihrem Garten.

Warum der Herbst der richtige Zeitpunkt zum Baumpflanzen ist

Die beste Jahreszeit, um Bäume zu pflanzen, ist der Herbst - das heißt die Ruheperiode zwischen Oktober und März, sofern der Boden frostfrei ist. Denn die Temperaturen sind dann ausgeglichener und Feuchtigkeitsverhältnisse günstiger als im restlichen Jahr, wie Gärtner Ingo Rintisch aus Herbsleben berichtet. Außerdem werden die Wurzeln der jungen Bäume bei Herbstpflanzungen nicht so stark strapaziert.

Topfbäume beziehungsweise Topfware könnte zwar das ganze Jahr über gepflanzt werden - dann aber mit deutlich mehr Pflegeaufwand. Wurzelnackte Bäume müssen sogar im Herbst gepflanzt werden, damit sie nicht austrocknen.

Eine Fraue pflanzt einen Obstbaum ein. 1 min
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MDR FERNSEHEN So 02.02.2020 08:30Uhr 00:49 min

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Im Herbst gepflanzte Bäume brauchen zwar auch Wasser und Frost- beziehungsweise Winterschutz. Größtenteils können diese Bäume aber sich selbst überlassen werden. Sie haben ein halbes Jahr Zeit anzuwachsen, bevor sie austreiben. Der Boden kann sich setzen, das Bodenleben sich entwickeln, der Baum sitzt einfach fester im Boden, wie Rintisch sagt. Äpfel, Birnen und Pflaumen vertragen Herbstpflanzungen beispielsweise problemlos. Sie sind robust und winterhart.

Frostempfindliche Obstgehölze, wie Wein, Pfirsich, Aprikosen oder Mandeln, sollten allerdings lieber im Frühjahr gepflanzt werden. Bei Frühjahrspflanzungen muss sehr sorgfältig gegossen werden.

Den richtigen Baum für den Garten finden

Wer einen Baum pflanzt, pflanzt ihn im Idealfall nur einmal. Überlegen Sie daher in aller Ruhe, welcher Baum für Ihren Garten der richtige ist. Diese Fragen sollten Sie sich vor der Baumpflanzung stellen:

Den Boden für die Pflanzung vorbereiten und das Pflanzloch ausheben

Bevor gepflanzt wird, sollten Sie den Boden vorbereiten. Lockern Sie die Erde zunächst auf. Pflanzen Sie einen neuen Baum auf keinen Fall in ein Pflanzloch, indem zuvor ein kranker Baum stand, warnt Gärtner Ingo Rintisch.

Das Pflanzloch sollte im Durchmesser eineinhalb mal größer sein als der Topf beziehungsweise der Wurzelballen, damit sich die Wurzeln gut ausbreiten können. Bei einem 25 Zentimeter großen Topf wäre das Pflanzloch also knapp 40 Zentimeter groß. Die Rindenfärbung zeigt an, wie tief der Baum ursprünglich gepflanzt war. So tief sollte er auch jetzt wieder gesetzt werden.

Achten Sie darauf, dass der Baum nicht zu tief sitzt. Der Baum setzt sich nach einer Weile noch. Die Veredelungsstelle sollte etwa fünf bis zehn Zentimeter über dem Boden sein, sagt Rintisch.

Ein Pflanzloch wird ausgehoben
Ein Pflanzloch muss erst gegraben werden: Es sollte etwa anderthalb mal so groß sein wie der Durchmesser des Topfs bzw. des Wurzelballens. Bildrechte: MDR/Nadine Witt

Das Pflanzloch mit Mäuseschutzgitter oder Hasendraht auslegen

Gärtner Ingo Rintisch empfiehlt, das Pflanzloch vor dem Pflanzen mit Mäuseschutzgitter oder engmaschigem Hasendraht auszulegen. So werden die Bäume vor Wühlratten geschützt.

Mäuseschutzgitter im Pflanzloch
Mäuseschutzgitter hält Wühlratten davon ab, die Wurzeln anzugreifen. Bildrechte: MDR/Nadine Witt

Was beim Pflanzen wurzelnackter Bäume anders ist

Wurzelnackte Bäume sollten vor dem Pflanzen über Nacht gewässert und am folgenden Tag frisch angeschnitten werden. Kürzen Sie bei wurzelnackten Bäumen die Wurzeln um etwa ein Drittel ein und entfernen Sie abgebrochene und vertrocknete Wurzeln. Die Krone sollte ebenfalls eingekürzt werden. So stellen Sie sicher, dass sich die Krone besser verzweigt und verhindern die Bildung von Kahlstellen.

Bei Container- und Ballenpflanzen ist kein Pflanzschnitt nötig. Hier reicht es, beschädigte und gekreuzte Äste zu entfernen.

Den Baum ins Pflanzloch setzen

Achten Sie darauf, dass die Wurzeln vor der Pflanzung gut mit Feuchtigkeit versorgt sind bzw. wurzelnackte Bäume, wie oben beschrieben, über Nacht gewässert wurden. Heben Sie den Baum in das Pflanzloch. Überprüfen Sie, dass die Wurzeln gut liegen und nicht eingezwängt werden. Füllen Sie den Zwischenraum um den Ballen mit Komposterde auf.

Drücken Sie nun die Erde an. Wichtig ist, dass der Boden fest genug ist, dass der Baum stabil steht. Zu fest sollte die Erde jedoch nicht getreten werden, sonst bekommen die Wurzeln keine Luft mehr.

Nadine Witt prüft, ob das Pflanzloch groß genug für den Topfbaum ist
Prüfen Sie vor dem Pflanzen, ob das Loch auch groß genug ist. Vergessen Sie nicht, den Topf um den Wurzelballen zu entfernen. Bildrechte: MDR/Nadine Witt

Eine Baumscheibe mit Gießrand anlegen

Damit dem jungen Baum nicht Nährstoffe und Wasser entzogen werden, sollte eine Baumscheibe mit Gießrand eingerichtet werden. Eine Baumscheibe ist ein in der Regel runder Bereich um den Baumstamm herum, in dem nichts anderes wächst als der Baum selbst. Durch die Baumscheibe kann der frischgepflanzte Baum auch besser gegossen, gedüngt und gekalkt werden.

Häufeln Sie die Erde für den Gießrand kreisförmig um den Stamm an. Der Gießrand hindert das frisch gegossene Wasser daran wegzulaufen; das Wasser konzentriert sich so mehr auf den Baum. Nur so hat der Wurzelballen auch tatsächlich die Chance das Wasser aufzunehmen.

Würde bis direkt an den Baumstamm heran beispielsweise Rasen wachsen, wäre dieser ein Konkurrent, wenn es um die Nährstoff- und Wasserversorgung geht. Außerdem bestünde bei Rasen, der bis an den Baumstamm wächst, die Gefahr, dass der Stamm beim Mähen durch den Rasenmäher oder eine Rasensense verletzt wird. Ein paar kleine Blümchen wären, so Rintisch, aber in der Baumscheibe in Ordnung.

Eine Baumscheibe sollte so groß sein wie die Krone des Baums. Bei einem jungen Baum reicht da oft ein Durchmesser von 60 Zentimetern. Mit der wachsenden Baumkrone wächst natürlich auch der Größenbedarf bei der Baumscheibe.

Eine Frau gießt einen frisch gepflanzten Baum an
Eine Baumscheibe mit Gießrand ist sehr hilfreich. Bildrechte: MDR/Nadine Witt

Den Baum angießen und im ersten Jahr wässern

Gießen Sie den Baum nach der Pflanzung gut an. Dabei ist ein Gießrand hilfreich. Bleibt das Wasser im Gießrand stehen, hat der Baum ausreichend Wasser bekommen. Vor allem im ersten Jahr kann außerdem ein Gießsack nützlich sein.

Achten Sie im ersten Jahr darauf, dass der Wurzelbereich immer gut mit Wasser versorgt ist. Frisch gepflanzte Bäume sollten von Jahr zu Jahr weniger gegossen werden: Am Anfang noch jede Woche, nach fünf Jahren dann nur noch einmal im Monat und später gar nicht mehr. Wenn kein Schnee liegt, sollte der Baum auch in milden Wintern gegossen werden, empfiehlt Rintisch.

Ein Baumstamm mit einem kleinen Erdwall, in dem sich Wasser sammelt.
So sieht ein Gießrand aus. Der weiße Anstrich schützt vor Verdunstung und Sonne. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Den Stamm anbinden

Binden Sie den frisch gepflanzten Baum unbedingt an. Bringen Sie dafür - je nach Baumgröße - einen Stab oder Pfahl in die Erde. Um Verletzungen an den Wurzeln zu vermeiden, können Sie dem Stab oder Pfahl bereits vor dem Pflanzen mit ins Loch geben. Stellen Sie sicher, dass die der Stab oder Pfahl auch tief genug in der Erde steckt, um dem Baum auch wirklich halt zu geben. Binden Sie dem Baum beispielsweise mit einem Kokosfaserstrick an der Halterung fest.

Je nach Baumgröße können ein bis drei Stützen nötig sein, damit der Baum auch wirklich stabil anwachsen kann. Die Wurzeln erhalten so einen zusätzlichen Schutz und bleiben ruhig, selbst wenn die Baumkrone im Wind stark schaukelt.

Nadine Witt bindet Baum an Stab an
Frisch gepflanzte Bäume müssen angebunden werden, damit sie gut anwurzeln können. Bildrechte: MDR/Nadine Witt

Bäume mulchen

Um beim Anpflanzen Wurzelkonkurrenz durch Wildwuchs zu vermeiden, sollten ein halber Meter um den Stamm frei von Pflanzen gehalten werden. Daher ist nach der Pflanzung das Mulchen des Bereichs um den Stamm zu empfehlen. Die Mulchschicht sollte nicht höher als fünf Zentimeter sein. Wichtig ist, dass der Mulch den Stamm nicht berührt. Es könnte sonst zur Fäulnis kommen. Die Mulchschicht schützt im Herbst außerdem vor Kälte und im Frühjahr vorm schnellen Austrocknen.

Bäume vor Trockenheit und Frost schützen

Frisch gepflanzte Bäume können beispielsweise mit einer längs aufgeschnittenen breiten uns festen Papprolle, einer Stammmanschette oder einem Weißanstrich geschützt werden. Alle drei Varianten dienen als Sonnenschutz und verhindern damit das Austrocknen. Gleichzeitig können so Frostschäden vermieden werden. Eine Papprolle und die Manschette sind gleichzeitig auch ein Schutz vor Rasenmähern.

Die Pappe zerfällt in der Regel nach drei bis vier Jahren - dann braucht der Baum auch den Schutz auch meist nicht mehr. Ein Weißanstrich reflektiert das Licht, ist elastisch und wächst mit.

Ein mit Pappe geschützter Baumstamm
Eine Papprolle lässt sich leicht zum Baumschutz umfunktionieren. Bildrechte: MDR/Nadine Witt

Düngung erst im Frühling nötig

Junge Bäume müssen bei der Pflanzung im Herbst nicht gedüngt werden. Erst im Frühjahr, wenn die Blätter kommen, empfiehlt es sich, die Bäume zu düngen. Im April ist der richtige Zeitpunkt dafür. Eine zweite Düngergabe kann Anfang Juni folgen. Im Juli kann gegebenenfalls ein weiteres Mal sparsam gedüngt werden. Achten Sie dabei am besten auf die Herstellerempfehlung des von Ihnen gewählten Produktes.

Häufige Fehler bei der Baumpflanzung + Ausgetrocknete Wurzeln: Achten Sie darauf, dass die Wurzeln nicht austrocknen. Vor allem wurzelnackte Bäume trocknen beim Transport und der Lagerung leicht aus.
+ Erde wird zu dicht angedrückt: Treten Sie die Erde nur leicht an. Wird die Erde zu fest angedrückt, können die Wurzeln nicht mehr atmen.
+ Bei veredelten Bäumen - Veredlungsstelle wird mit eingegraben: Bei veredelten Bäumen ist wichtig, dass die Veredlungstelle nicht mit eingegraben wird. Andersfalls kann es passieren, dass nicht nur die Unterlage anwurzelt.

Gärtner Ingo Rintisch neben jungen Obstbäumen
Gärtner Ingo Rintisch aus Herbsleben ist Experte für Obstgehölze und hat uns verraten, worauf es beim Pflanzen von Bäumen ankommt. Bildrechte: MDR/Nadine Witt

Quelle: Gärtner Ingo Rintisch aus Herbsleben

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Radiogarten | 23. Oktober 2021 | 09:05 Uhr

Bäume im Garten

Sich abschälende Rinde am Stamm von einem Zimtahorn im Egapark in Erfurt
Die rotbraune, an Papier erinnernde Rinde des Zimt-Ahorns (Acer griseum) löst sich in breiten Streifen ab. Das sechs bis zehn Meter hohe Gehölz stammt ursprünglich aus China. Im Herbst besticht die rote Färbung seines Laubes. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK