Nährstoffe fürs Gemüsebeet Düngen mit Stallmist von Pferd, Rind, Schaf und Huhn

Ob Pferdemist oder Mist von Huhn, Schaf oder Rind - viele Ausscheidungen von Tieren eignen sich hervorragend als organischer Dünger. Gartenfachberaterin Brigitte Goss erklärt, wie Stallmist eingesetzt werden kann und was bei der Verwendung von Dünger zu beachten ist.

Auf einem Tisch liegen verschiedene abgelagerte Mist-Sorten. Kleine Spielzeug-Tiere stehen vor dem Mist.
Kuh, Pferd und auch Hase und Huhn liefern hervorragenden Dünger. Bildrechte: Daniela Dufft

Stallmist ist ein wertvoller Dünger. Er ist reich an Nährstoffen, die im Boden eingearbeitet von den Pflanzen schnell aufgenommen werden können. Außerdem fühlen sich viele Kleinstlebewesen im Mist wohl und helfen, den Boden zu verbessern. Schwere Böden werden durch Mist locker und durchlüften besser. In leichten Böden hilft Stallmist, Wasser zu speichern.

Vorsicht Krankheitserreger Ausscheidungen von Tieren, die große Mengen Fleisch fressen, können Krankheitserreger enthalten. Deshalb gehört Hunde- und Katzenkot nicht auf das Gemüsebeet.

Mist ist nicht gleich Mist

Misthaufen auf einem Feld in Hamburg.
Bakterien sorgen bei Pferde- und Kuhmist für eine starke Wärmeentwicklung. Bildrechte: imago/Christian Ohde

Mist setzt sich zusammen aus den Ausscheidungen der Tiere und dem Material, auf dem sie im Stall stehen, also Stroh, Sand oder beispielsweise Sägespäne. Entscheidenden Einfluss auf Inhalt und Nährstoffgehalt des Mists haben auch die Tierart, Geschlecht, Alter der Tiere und natürlich das Futter, mit dem sie versorgt werden. Weil diese Faktoren sehr unterschiedlich sein können, kann es zu der Verwendung von Mist nur grobe Richtwerte gegeben werden. Gartenfachberaterin Brigitte Goss rät, sich langsam an das Thema heranzutasten, auszuprobieren und so eigene Erfahrungen zu sammeln.

Davon hängt die Mistqualität ab * Tierart
* Geschlecht und Alter
* Futter
* Einstreu
* Lagerzeit
* Behandlung der Tiere mit Medikamenten (dann nicht vewenden)

Mist ist eine Vertrauenssache: Holen sie sich den Dung am besten von einem Bauern, den Sie kennen.

Brigitte Goss, Gartenfachberaterin
Diana im Gespräch mit Brigitte Goss 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Mist von Pferden, Rindern, Schafen oder Hühnern eignet sich als Dünger fürs Gemüsebeet. Dazu wird der Dung kompostiert und mit anderen organischen Stoffen gemischt. Tipps dazu gibt Gartenfachberaterin Brigitte Goss.

MDR FERNSEHEN So 06.10.2019 08:30Uhr 06:38 min

https://www.mdr.de/mdr-garten/pflegen/duengen/mist-als-gemueseduenger-verwenden-100.html

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Mistarten im Vergleich: Hühnermist, Rinderdung, Hasenböller und Pferdeäpfel

Grundsätzlich unterscheidet man den kalten Mist von Huhn, Haase und Meerschweinchen von Mist, der bei der Zersetzung Wärme bildet, wie Kuhfladen oder Pferdeäpfel.

Pferdemist: Pferdemist verrottet schneller als Rindermist. Er sollte jedoch mindestens ein Jahr lang kompostiert werden. Im Pferdemist arbeiten Bakterien, die zu einer Wärmeentwicklung führen. Pferdemist kann keimfähige Unkrautsamen enthalten.

Rindermist: Rindermist hat ein sehr ausgewogenes Nährstoffverhältnis. Er verrottet langsamer als Pferdemist und verbrennt die Wurzeln nicht. Je nach Art und Menge des Einstreumaterials sollte auch der Rindermist mehrere Monate abgelagert werden.

Schafmist: Schafmist ist ein sehr trockener und nährstoffreicher Mist. Auch er kann über nicht verdautes Futter Unkrautsamen enthalten. Schafmist ist ein guter Bodenverbesserer.

Zwei Hühner-Spielzeugfiguren sitzen vor einem Hühner-Misthaufen
Auch Hühnermist muss gelagert werden, damit Keime absterben. Bildrechte: Daniela Dufft

Hühnermist: Freilaufende Hühner ernähren sich sehr proteinreich, da sie gerne Würmer und Insekten fressen. Düngen Sie nie mit frischem Hühnerkot, da die Gefahr besteht, dass sich Krankheitserreger ausbreiten. Diese werden während der Lagerung und Kompostierung weitgehend abgebaut. Wer ganz sicher gehen will, kann auch Dünge-Pellets aus dem Handel verwenden. Hühnermist ist reich an Phosphor. Achtung! Häufig weisen die Böden unserer Hausgärten ohnehin schon hohe Phophorwerte auf (Bodenprobe empfehlenswert).

Kaninchenmist: Purer Kaninchenmist hat relativ hohe Nährstoffwerte. Er ist besonders reich an Kalium. Allerdings werden die Ausscheidungen des Kaninchens stark durch das Einstreumaterial "verdünnt". Wenn dies nicht der Fall ist, dann ist es wichtig den Mist grundsätzlich mit organischem Material zu mischen oder zu kompostieren.

Mist auf dem Gemüsebeet einsetzen – so geht’s

Mist sollte auf einem Gemüsebeet nur alle drei Jahre aufgetragen werden. Ein Richtwert ist, etwa drei Kilogramm pro Quadratmeter zu verwenden. Über den Zeitraum von drei Jahren gibt der Mist seine Nährstoffe ab, im ersten Jahr ist er am effektivsten.

  1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr
Pferdemist 60 % 25 % 15 %
Rindermist 45 % 35 % 20 %
Schafmist 65 % 20 % 15 %
Hühnermist (schnell wirksam) 75 % 15 % 10 %

Geeignete Pflanzungen über drei Jahre 1. Jahr: Tomate, Lauch, Kohl Sellerie
2. Jahr: Gurken, Kohlrabi, Endivien
3. Jahr: Kopfsalat, Feldsalat, Zwiebel

Der Mist sollte nicht frisch ausgebracht werden, sondern mindestens ein halbes Jahr abgelagert sein. Idealerweise wird der Mist mit organischem Material wie Grasschnitt, Stroh und  Blätter gemischt und gemeinsam kompostiert. Während der Lagerung zersetzt sich der Mist und Keime sterben ab.

Herkömmliche Gemüsesorten wie beispielsweise Lauch, Kohl und Fenchel wirken in als Ornamente zusammengefügten Pflanzungen dekorativ. Gesäumt werden die Pflanzungen von einer niedrigen Buchsbaumhecke.
Im ersten Jahr gibt der Stallmist die meisten Nährstoffe ab - ideal für starkzehrende Pflanzen. Bildrechte: MDR/ Uta-Marie Reichert

Wer mit Mist düngt, sollte seine Erde regelmäßig - alle zwei bis drei Jahre - durch eine Bodenanalyse untersuchen lassen, empfiehlt Gartenfachberaterin Brigitte Goss. So erhält man einen Überblick über die Nährstoffversorgung, mindert die Gefahr der Überdüngung und vor allem der Anreicherung von Phosphaten im Boden. Ein guter Zeitpunkt den abgelagerten Mist aufs Beet zu bringen ist im Frühjahr, wenn die Pflanzen in die Erde kommen.

Wichtig für den Nährstoffgehalt: Das Einstreumaterial

Mehrere Kaninchen sitzen neben Salat, Möhren und Heu in einem Stall.
Das Eintreumaterial bestimmt die Qualität des Mists mit. Bildrechte: Saskia Hintze

Tiermist enthält eigentlich alle notwendigen Nährstoffe, um Pflanzen zu ernähren. Dennoch kann es sein, dass bei der Verwendung von abgelagertem Mist als Dünger, den Pflanzen im zweiten oder dritten Jahr zusätzlich Stickstoff, zum Beispiel in Form von Hornspänen gegeben werden muss. Eine Rolle spielt dabei das Einstreumaterial (Stroh, Späne), auf dem die Tiere stehen und das im Mist enthalten ist. Der vorhandene Stickstoff wird von Bakterien bei der Zersetzung von Sägespänen und Stroh verbraucht. Dann ist unter Umständen zu wenig für starkzehrende Kulturen, wie Tomaten oder Kohl vorhanden.

Den Mist an einem geschützten Ort lagern

Hüner auf einem Misthaufen, im Hintergrund Schafe
Wie heißt es so schön: Kleinvieh macht auch Mist. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es ist nach wie vor weit verbreitet, das Beet im Herbst umzugraben und den frischen Mist einfach einzuarbeiten. Dies war früher so üblich, doch aufgrund veränderter Wetterverhältnisse, wie spät einsetzender Winter und Starkniederschläge, werden diese Verfahren nicht mehr uneingeschränkt empfohlen. Die Nährstoffe des frischen Mistes können in einem brachliegenden Feld ausgewaschen werden, Nitrate ins Grundwasser gelangen. Wertvolle Inhaltsstoffe gehen auf diese Art und Weise verloren. Mist lagert man in einer Miete mit möglichst kleiner Grundfläche. Die Miete sollte unbedingt mit einer Plane abgedeckt werden. Dort sollte sich auch kein Niederschlagswasser sammeln können. Lagern Sie nie mehr, als Sie im nächsten Frühjahr verbrauchen können. Im Hausgarten mischt man Mist idealerweise mit Laub oder gibt es mit den Gartenabfällen auf den Kompost.

Seit 2017 gilt in der konventionellen Landwirtschaft eine neue Düngemittelverordnung, die auch die Lagerung von Stallmist streng reguliert. Für Hobbygärtner ist diese Verordnung zwar nicht zwingend, aber zum Schutz der Umwelt und unseres Trinkwassers sollten sich auch Hobbygärtner daran orientieren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 06. Oktober 2019 | 08:30 Uhr