Interview Den Boden mit Kompost beleben

Die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit ist essenziell für Landwirtschaft und Gartenbau. Die richtige Anwendung von Kompost ist ein wertvoller Bestandteil der Bodenpflege. Wem der normale Verrottungsprozess zu lange dauert, der kann auf die Hilfe von Kompostbeschleunigern setzen. Darüber haben wir uns mit dem Agraringenieur Uwe Böhm unterhalten, der solche Beschleuniger entwickelt.

Zwei Kompostbehälter stehen nebeneinander. Zwei Männer beugen sich darüber.
Agraringenieur Uwe Böhm (links) mit Pascal Klenart bei den Versuchskomposten. Bildrechte: MDR/Jens Haentzschel

Herr Böhm, Sie starten dieses Jahr mit der Staudengärtnerei Klenart aus Erfurt den Versuch, wie sich die Verrottung von Kompost mit von Ihnen produzierten Hilfsstoffen beschleunigen lässt. Der MDR Garten begleitet diesen Versuch filmisch. – Warum braucht es denn überhaupt eine Beschleunigung der Kompostprozesse?

Nun, ein regulärer Kompost braucht rund zwei Jahre bis er vollständig umgesetzt ist. Das kann zwar etwas schneller gehen, wenn man ihn häufig umsetzt und ist natürlich immer von den konkreten Bedingungen vor Ort - Standort, Feuchtigkeit, Zusammensetzung - abhängig, aber gerade vielen Kunden aus dem Profibereich dauert das zu lange. In Gärtnereien beispielsweise fällt ja immer viel zu kompostierendes Material an. Außerdem geht es uns auch um eine Verbesserung des Bodens durch unsere Kompostpräparate, denn oftmals ist das Bodenleben durch intensive Bearbeitung schon verarmt und entsprechend wenig Gehalt bietet dann der Kompost.

Was verspricht die von Ihnen entwickelte Mischung und welche Bestandteile enthält sie?

Die Produkte fördern die schnellere Verrottung beziehungsweise Umsetzung, die etwa neun Monate dauert. Mit den Präparaten setzen wir auf einen ganzheitlichen, systemischen Ansatz. Sie enthalten organische Säuren, die zunächst die holzigen Bestandteile im Pflanzenmaterial aufschließen, dann können die in den Präparaten enthaltenen Bakterien und Pilze den Zersetzungsprozess in Gang setzen. Gesteinsmehle reichern den Kompost schließlich mit wertvollen mineralischen Verbindungen wie Silizium und Kalzium an.

Was empfehlen Sie Privatpersonen zur Verbesserung ihres Gartenbodens?

Privatleute düngen oft zu viel und dann auch noch mit den falschen Düngern, was sich in der Konsequenz negativ auf das Bodenleben und die Bodenstruktur insgesamt auswirkt. Daher ist es im Zweifelsfall besser mit aufgewertetem Kompost aus dem eigenen Garten zu düngen statt auf handelsübliche Präparate aus dem Bau- oder Gartenmarkt zu setzen.

Wie gelingt die Kompostierung?

Wichtig ist, dass schon bei der Anlage des Komposts wenig Fehler gemacht werden. Normal ist die landläufige Meinung, dass alles was aus dem Garten als Schnittgut oder Unkraut anfällt auf den Kompost kommt und dann der Kompost nach der Rotte als guter Dünger zurückgeführt wird. Aber meist wird eben Schnittgut gleich gesetzt mit großen Mengen Rasenschnitt, der dann oft zusammenpappt und schlecht verrottet. Dabei braucht es eben noch andere Bestandteile wie Küchen- und Pflanzenabfälle sowie Laub und verholztes Material. Beim Aufsetzen sollte immer grobes und feines Material in guter Mischung aufgebracht werden. Der Kompost muss gut durchlüftet sein, sonst kommt es zu Luftabschluss und Fäulnis. Er darf auf keinen Fall austrocknen und gehört daher immer an ein eher schattiges Plätzchen oder sollte beschattet werden. Diese Faktoren sind Grundlage für ein gutes Gelingen.

Zur Person Der Diplom- Agraringenieur Uwe Böhm beschäftigt sich seit 20 Jahren mit den Fragen der Bodenbiologie, Bodenverbesserung und dem reduziertem Einsatz von Pestiziden und Mineraldünger. Seine kleine mittelständische Firma aus Großolbersdorf (Sachsen) berät vor allem Kunden aus Landwirtschaft und Gartenbau bei Problemen mit dem Boden. Außerdem verkauft sie unter anderem Pflanzenhilfsmittel, Bodenhilfsstoffe und Dünger auf natürlicher Basis.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 17. Mai 2020 | 08:30 Uhr