Gartenpraxis Torffreie Erde: Gärtnern mit gutem Gewissen

Die Moore erhalten und das Klima schützen: Es gibt verschiedene Argumente, zu torfreduzierter oder torffreier Erde für Kübel und Kästen zu greifen. Hans Martin Schmidt erklärt, welche Alternativen es zu torfhaltiger Erde gibt und wozu sie sich genau eignen.

Eine Hand greift in ein Häufchen hellbrauner Kokosfasern auf einer Metallplatte
Durch Zuschlagstoffe wie Kokosfasern erhält torffreie Erde die Eigenschaften, die Pflanzenliebhaber an Torf schätzen. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Die Moore dienen nicht nur als Rückzugs- und Lebensräume für seltene Tiere oder Pflanzen. In ihnen sind auch große Mengen des klimaschädlichen Gases Kohlenstoffdioxid gespeichert.

braune holzwolle
Holzfaser dient als Zuschlagstoff für torffreie Erde. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Beim Abbau von Torf wird dieses Gas freigesetzt - und trägt zu Erderwärmung und Klimawandel bei. Wer sich für den Erhalt der Moore einsetzt, leistet deshalb einen Beitrag zum Natur- und Klimaschutz. Für umweltbewusste Hobbygärtner gilt daher, den torfreduzierten oder -freien Erden den Vorzug zu geben. Es gibt eine ganze Reihe von Alternativen, mit denen Zimmer- und Balkonpflanzen sehr gut gedeihen, erläutert Hans Martin Schmidt. Er betreibt eine Gärtnerei für Gebirgspflanzen in Feuchtwangen und beschäftigt sich seit 15 Jahren mit dem Thema torffreie Erde.

Holzfasern, Kokosmark und Blähschiefer

Durch verschiedene Zuschlagstoffe erhält torffreie Erde die Eigenschaften, die Pflanzenliebhaber an Torf schätzen - insbesondere eine bessere Durchlüftung des Bodens. Kompost und Rindenhumus zählen zum Beispiel zu diesen Zuschlagstoffen. Sie verleihen der Erde eine gröbere Struktur und führen zu mehr Luft in den Pflanzgefäßen.

Ein Häufchen braun-grauer Schiefersteinchen auf einer Metallplatte
Blähschiefer wird aus zerkleinertem Schieferton hergestellt. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Als ein vielseitiger Ersatzstoff für Torf gelten außerdem Holzfasern: Sie werden aus aufbereiteten Holzspänen gewonnen und erinnern ein wenig an Watte. Kokosfaser und Kokosmark finden ebenfalls Verwendung. Mineralische Zuschlagstoffe sind gebrochener Blähschiefer, der zum Beispiel aus Thüringen stammt, oder gewaschener Bims. Beide sind sehr haltbar.

Als vielseitige Topf-oder Blumenerde ohne Torf empfiehlt sich eine Mischung, in der Holzfaser und Kokosmark stecken. Torffreie Anzucht- oder Aussaaterde, die Bimssteinchen und Holzfaser enthält, funktioniert laut Hans Martin Schmidt ebenfalls wunderbar. Für größere Kübelpflanzen wie Fuchsien- oder Geranienbäumchen eignet sich Erde mit gröberer Holzfaser und Ziegelsplit, der gerade im Sommer als Wasserreserve dienen kann. Und für große Kübelpflanzen wie Zitrus- oder Gummibäume ist eine Erde mit geringem Torfanteil sowie mit Bims, Blähschiefer und gebrochenem Blähton ratsam.

Torf In Mooren entsteht aus abgestorbenem Moos über Jahrhunderte der nährstoffarme, saure Torf. Eine wichtige Eigenschaft für die Nutzung im Gartenbau ist die hohe Wasserspeicherfähigkeit bei geringem Gewicht. Er gilt überdies als sehr reiner Rohstoff und kommt wegen seiner gleichbleibenden Qualität in Gärtnereien bei der Anzucht junger Pflanzen zum Einsatz. In früheren Jahrhunderten diente er vor allem als Brennstoff. Um Torf abstechen zu können, müssen Moore in aller Regel trockengelegt werden - die Torfmoose stellen dann ihr Wachstum ein. Naturschützer kritisieren daher den Abbau als Umweltzerstörung.

In Norddeutschland gibt es allerdings verschiedene Projekte, Torf schonend abzubauen und Moore zu renaturieren. Für Verbraucher gibt es aber leider kaum Möglichkeiten, die Herkunft von Torf zu überprüfen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 23. Juni 2019 | 08:30 Uhr