Schöne Stauden trotz Hitze und Trockenheit So trotzen Hortensien dem Klimawandel

Hortensien sind Königinnen im Garten. Doch mit dem Klimawandel haben es Pflanzen, die es eher feucht mögen, schwer. Die Sommer werden in vielen Gegenden immer trocknerer. Wir haben Hortensien-Experte Marco Müller-John gefragt, wie die Gehölze trotz des Klimawandels eine Chance im Garten haben.

Beige Rispe einer Rispenhortensie
Die Rispenhortensie 'Great Escape' gehört zu den alten Sorten und spendet sogar Insekten Nektar. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Gärtnermeister Marco Müller-John hat viele botanische Leidenschaften. Die Hortensie gehört zweifelsfrei dazu. Mehr als 350 Sorten finden sich in seiner Gärtnerei in Ellrich. Mit der richtigen Auswahl kann man auch dem Klimawandel zumindest ein kleines Schnippchen schlagen. Wichtig ist für den Experten, dass Hortensien schon mal Frost oder Winter erlebt haben. Er bietet deshalb nur verholzte Ware an, testet viel und hat den Anspruch, dass seine Pflanzen robust gegen Wind und Wetter sind. Hortensien sieht er nicht als Klimaverlierer, wenn man diese vier Regeln beachtet:

  1. Ältere Sorten auswählen
  2. Einen Standort wählen, der dem Heimatstandort ähnelt
  3. Gute Partner finden
  4. Richtig schneiden

Ältere Sorten auswählen

Gerade die alten Sorten haben sich bewährt, sind unkomplizierter und halten Wetterextremen besser Stand.

Je älter und ursprünglicher die Sorte ist, desto besser kann sich die Pflanze anpassen. Bei Hortensien wird der Fokus beim Züchten oft auf die besonders schönen und großen Blüten gelegt. Aber diese Züchtungen sind empfindlich und brauchen mehr Pflege.

Gärtnermeister Marco Müller-John

Im Test hat sich die Rispenhortensie (Hydrangea paniculata) bewährt, sagt Marco Müller-John. Ursprünglich kommt sie aus China und Japan, wächst dort natürlich in wärmeren Klimazonen und höheren Lagen. Als Unterwuchs in Wäldern können Rispenhortensien in ihrer Heimat gut sieben Meter hoch werden.

Ziersträucher für Topf und Garten Schöne Hortensien-Sorten vorgestellt

Welche Hortensie soll es sein? Es gibt sie in den unterschiedlichsten Farben und mit wunderschönem Laub. Ob Sonne oder Schatten - Hortensien gibt es für jeden Standort. Hier stellen wir Ihnen schöne Sorten vor.

rosa verfärbte Hochblätter einer Strauchhortensie
Rispen- oder auch Strauchhortensien sind pflegeleichter als Bauernhortensien. Sie sind nicht so frostanfällig und brauchen keine Dunkelphase, um neue Blüten zu bilden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
rosa verfärbte Hochblätter einer Strauchhortensie
Rispen- oder auch Strauchhortensien sind pflegeleichter als Bauernhortensien. Sie sind nicht so frostanfällig und brauchen keine Dunkelphase, um neue Blüten zu bilden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
weiße Blüte einer strauchhortensie mit großen Scheinblättern
Die eigentlichen kleinen Blüten sitzen oft versteckt unter den großen Scheinblüten. (Strauchhortensie 'Cov') Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Pink blühende Bauernhortensie
Was für ein Farbknaller: Die Bauernhortensie 'Merville Sanguine'. Bauernhortensien blühen am zweijährigen Holz und sollten sehr vorsichtig geschnitten werden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
rot und weiß blühende Bauernhortensie
An dieser Bauernhortensie 'Wedding Gown' sieht man schön den Farbwandel der Blüten. Aus den weißen Blüten werden allmählich rote. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
grün-rosa verfärbte Hochblätter einer Strauchhortensie
Aber auch Rispenhortensien beeindrucken durch Farbenvielfalt. Hier die Strauchhortensie 'Pastelgreen' Bildrechte: Daniela Dufft
Kleine kompakte Berghortensie mit weißen Blüten, die sich schon langsam rosa färben
Schön kompakt wächst diese Berghortensie 'Warabe'. Frost ist für sie kein Problem. Bildrechte: Daniela Dufft
Rosarot blühende Bauernhortensie mit besonders vielen Blütenblättern.
Zu den besonders schönen Sorten der Bauernhortensien gehört die Hortensie 'Romance', die viele kleine Blütenblätter entwickelt. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Pinke und zart rosa verfärbte Hochblätter einer Strauchhortensie
Es gibt zahlreiche Hortensienarten. So ist für jeden Standort eine geeignete gewachsen. Die Strauchhortensie 'Diamand Rouge' steht in der Sonne und im Halbschatten gut. Bildrechte: Daniela Dufft
Rosarote Blütenbälle einer Schneeballhortensie
Für schattige Plätze unter Bäumen sind Schneeballhortensien geeignet. ('Pink Percussion') Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Samtige Blätter der Samtblatthortensie
Auch die Samtblatthortensie 'Hot Chocolate' kommt mit wenig Sonne aus und kann im Schatten stehen. Besonderer Hingucker ist das schöne pelzige Laub nach der Blüte. Bildrechte: Daniela Dufft
grüne Blütenbälle einer Schneeballhortensie
Die 'Strong Annabelle' blüht bis in den Herbst hinein. Sie ist auch an einem Schattenplatz zufrieden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Kräftig rosa blühender Blütenball einer Bauernhortensie.
In kräftigem Rosa blüht die 'Schöne Bauznerin'. Die Farbe der Bauernhortensien kann durch den pH-Wert im Boden beeinfluss werden. Im Norden, wo die Tage etwas länger sind als im Süden, sind die Farben der Hortensien übrigens heller. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Eine blaue Hortensienblüte mit fast geschlossenen Einzelblüten, eingerahmt von grünen großen Blättern.
Besonders an der Sorte 'Magical Revolution' ist die Verfärbung der Blüten von blau bis grün. Die Blüten dieser Bauernhortensie verblühen nicht einfach, sondern sie trocknen an der Pflanze und bleiben dabei grün. Das können nur die 'Magical'-Sträucher. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Eine blaue Hortensienblüte mit fast geschlossenen Einzelblüten, eingerahmt von grünen großen Blättern. In der Mitte der Dolde haben sich drei große Blüten gebildet.
An dieser "Blüte" sieht man sehr schön, was Züchtung bedeutet. Einzelne Hochblätter sind groß, also in die ursprüngliche Form zurückgefallen. Wahrscheinlich hatte die Mutterpflanze so große Hochblätter. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Beige Rispe einer Rispenhortensie
Viele Hortensiensorten sind Insektenpflanzen. Vor allem die alten Sorten wie die Rispenhortensie 'Great Escape' spenden Hummeln, Fliegen oder auch Fliegen reichlich Nahrung. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Limettenfarbigen Blüte einer Rispenhortensie.
Die Hortensie 'Limelight' war die erste Rispenhortensie, die mit ihren limettenfarbigen Blüten für Furore gesorgt hat. Es ist die meistverkaufte Hortensie weltweit. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Radiogarten | 13. Juli 2019 | 10:20 Uhr

Standort wie zu Hause   

Wenn Hortensien standortgerecht gepflanzt werden, kommen sie auch mit Trockenheit gut zurecht. Auch dort, wo sie ganz natürlich wachsen, gibt es Trockenheit. Wichtig ist also herauszufinden, wie es bei der Hortensie zu Hause aussieht, und ihr im Garten ähnliche Bedingungen zu schaffen. Manchmal hilft es schon, die Pflanze in der Nähe einer Hauswand zu pflanzen oder auch unter einen Baum.

Fakt ist, ich muss wissen, wo die Pflanze herkommt, damit ich weiß, wie, wo und unter welchen Bedingungen sich die Hortensie wohl fühlt.

Gute Partner finden

Eines der wichtigsten Kriterien für Hortensien überhaupt: Sie sind keine Einzelgänger und brauchen Gesellschaft. In der Nähe von anderen großen und kleinen Gehölzen fühlen sie sich wohl. Gute Pflanzenpartner machen sie stressresistenter - auch weil diese die gleichen Bodenpilze im Boden nutzen und sich die Pflanzen so gegenseitig unterstützen. Gärtnermeister Marco Müller-John empfiehlt deshalb zunächst herauszufinden, mit welchen Pflanzen Hortensien in der Heimat wachsen.

eine weiße Rispenhortensienblüte und eine rosa Anemone.
Gute Partner sind die weiße Rispenhortensie und eine Japanische rosa Anemone. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Hortensien müssen nicht einsam als Solitär in der Sonne stehen. Dort würde die Pflanze verkümmern. Hortensien brauchen gute Partner. Kommt sie aus amerikanischen Wäldern wie die Waldhortensie 'Hydrangea arborescens' muss ich schauen, was wächst da noch? Der amerikanischer Rotahorn zum Beispiel, Gräser wie der Indian Summer, der Bluthartriegel oder Purpurglöckchen.

Gärtnermeister Marco Müller-John

Hortensien richtig schneiden

Rückschnitt bei Hortensien mit Blüten an einjährigen Trieben
Rispenhortensien werden im zeitigen Frühjahr eine Handbreit über dem Boden abgeschnitten. Bildrechte: Colourbox.de / MDR

Was durch die warmen trockenen Sommer leidet, sind der Jahreszuwachs der Hortensien sowie die Ausbildung und Dauer der Blüten. Natürlich kann und sollte man die Pflanzen unterstützen, indem man sie gießt. Aber noch wichtiger ist der jährliche Rückschnitt, sagt der Hortensien-Experte. Rispenhortensien werden im Frühjahr bis zum 1. März eine Handbreit  über dem Boden zurückgeschnitten. Gerade Pflanzen, bei denen die Wurzel schon gut ausgebildet ist, passen sich an das Klima an und wachsen dann nicht so stark. Dadurch bleibt auch die Verdunstung geringer. Die Hortensien werden immer noch blühen, vielleicht nur nicht mehr ganz so schön.

Bauernhortensien und Strauchhortensien dürfen hingegen nicht so radikal zurückgeschnitten werden. Bis zum Johannistag am 24. Juni können die Pflanzen austreiben. Danach sollten mit einem Säuberungsschnitt abgestorbenes Holz und Verblühtes entfernt werden, die Hortensie treibt dann nicht mehr aus.

Ich plädiere zu mehr Gelassenheit. Auch in den Heimatländern der Hortensien gibt es Wetterextreme: starke Fröste, Trockenheit, Überschwemmungen. Die Hortensien sind Überlebenskünstler. Ich kenne keinen Strauch, der so austriebswillig ist wie die Hortensie. Wenn eine Hortensie in der Natur umbricht und auf der Erde liegt, wurzelt sie wieder ein, Hortensien sind Überlebenskünstler, ich hab da großes Vertrauen.

Gärtnermeister Marco Müller-John

grüne Blütenbälle einer Schneeballhortensie
Die Schneeballhortensie wird auch Waldhortensie oder Strauchhortensie genannt. Die Wildart kommt aus den Appalachen, einem Gebirge im Osten der USA. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 07. Juni 2020 | 08:30 Uhr