Staudenrückschnitt im Frühsommer Chelsea Chop: Die Blühdauer von Stauden durch Rückschnitt verlängern

Eine Frau mit grüner Schürze steht in einem Garten vor einem Pfirsichbaum mit Früchten.
Bildrechte: MDR/Lisa-Marie Kaspar

Ende Mai bis Anfang Juni stehen die Stauden in den Startlöchern und wollen mit dem Wachstum lossprinten. Mit einem Rückschnitt wird der schnelle Wuchs gebremst. Die Enländer nennen diesen Eingriff Chelsea Chop. Vor der Blüte werden alle Triebe oder nur einige gekappt. Die Stauden blühen dann um so üppiger und die Blütezeit kann verschoben werden. Gärtnerin Brigitte Goss erklärt, welche Stauden von einem Rückschnit profitieren und wo die Schere angesetzt wird.

Blühende Staudensonnenblumen
Hohen, langstieligen Stauden, wie dem Hohen Sonnenhut, tut im Frühsommer ein Rückschnitt gut. Er sorgt für einen kompakteren Wuchs und mehr Blüten. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Chelsia Chop: Die Vorteile vom Staudenschnitt im Frühsommer

  1. Ein Rückschnitt regt die Pflanze an, sich stärker zu verzweigen. Das steigert die Anzahl der Triebe und somit die Blütenanzahl.
  2. Der Blütenzeitraum kann gestaffelt bzw. verlängert werden.
  3. Stauden, die auf schwachen Beinen stehen, bekommen mehr Stabilität.

Was Sie beim Frühsommerschnitt beachten sollten

Der Frühsommerschnitt von Ende Mai bis Anfang Juni ist besonders bei älteren und kräftigen Stauden-Exemplaren empfehlenswert. Er verlangt den Pflanzen viel Kraft ab, denn für den Neuaustrieb brauchen sie viel Energie. Bei geschwächten Pflanzen oder bei extremer Hitze und Trockenheit, rät Gärtnerin Brigitte Goss von einem Rückschnitt ab. Wichtig ist für alle zurückgeschnittenen Pflanzen - sie brauchen danach eine ausreichende Wasser- und Nährstoffversorgung, um wieder in den richtigen Wachstumsschwung zu kommen. Hier können Jauchen, zum Beispiel aus Brennnessel, gut eingesetzt werden. Jauchen stellen die Nährstoffe für die Pflanzen sofort zur Verfügung.

Es gibt aber Stauden, die horstartig wachsen, also anfangs dicht am Boden nur Blätter bilden und noch keine Sprossachsen austreiben. Zu ihnen gehören zum Beispiel Taglilien, Herbstanemonen, Yucca, Funkie oder auch Heuchera. Diese dürfen im Frühsommer nicht zurückgeschnitten werden.

Wie weit werden die Stauden zurückgeschnitten?

Wie weit man die Stauden zurückschneidet und wann, kommt auf das Stadium der Pflanze und den Standort (sonnig, schattig, Bodenqualität) an, erklärt Gärtnerin Brigitte Goss und rät, anfangs lieber vorsichtiger zu agieren und erst einmal Erfahrungen zu sammeln. Mit einem Rückschnitt um ein Drittel macht man nichts falsch. Danach sollte die Pflanzen beobachtet werden, wie sie auf den Rückschnitt reagieren. So lernt man am besten fürs nächste Jahr. Eine allgemein verlässliche Standardempfehlung gibt es nicht. Es macht übrigens nichts, auch Blütenansätze zu entfernen. Die Pflanze treibt verzweigter neu aus und bildet neue Blüten. Bei den folgenden Stauden, zeigt ein Frühsommerschnitt gute Erfolge.

Katzenminze (Nepeta) vor und während der Blüte teilweise schneiden

Lässt man die Katzenminze ohne Eingriff blühen, folgt nach dem ersten üppigen Blütenflor eine Blühpause. Die Blütezeit der Katzenminze kann mit einem teilweisen Rückschnitt schon vor Blühbeginn, aber auch während der Blüte verlängert werden. Zwei Drittel bis drei Viertel der Triebe werden bodennah abgeschnitten. Das fördert den Austrieb neuer Triebe, die dann, zu einem späteren Zeitpunkt erblühen. In der Mitte der Pflanze können ein paar lange Triebe stehen bleiben. Die Katzenminze ist übrigens eine ideale Insektenweide und liefert wertvollen Nektar für Wildbienen.

Lila Blüten der Katzenminze
Gerade im Sommer sieht Katzeminze meist nicht mehr so schön aus. Die langen Halme fallen auseinander. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Raublatt- und Glattblattaster (Aster novi-belgii und Aster novae-angliae) komplett zurückschneiden

Die Raublatt- und Glattblattaster wird im Sommer meist kahl von unten. Dünnbeinig stehen die Triebe dann im Staudenbeet und sehen nicht mehr attraktiv aus. Hier darf die Gartenschere mutig angesetzt werden, sagt Brigitte Goss. Mit einem Rückschnitt aller Triebe um etwa ein Drittel, kommt die Staude nochmal so richtig in Schwung. Sie bildet wesentlich mehr Triebe aus und bleibt kompakter.

Bildcollage: Rosa blühende Astern/ lange, verkahlte Stängel der Astern ohne Rückschnitt im Herbst
Wird die Aster nicht zurückgeschnitten, sind die Stängel im Herbst gakelig und unten kahl. (rechts) Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Hohe Fetthennen (Sedum telephium und Sedum spectabile)

Die Hohe Fetthenne neigt im Laufe des Sommers dazu, auseinander zu fallen. Die Blütenköpfe sind schwer und die Stiele meist nicht kräftig genug, die herrlichen Blüten zu tragen. Nimmt man die äußeren Austriebe um die Hälfte bis zwei Drittel zurück, so bildet sich ein stabiler Kranz aus verzweigten Trieben um die Staude. Der Kranz wirkt wie ein Gerüst und hält die höhere Mitte.

Üppige Sedumstauden auf einem Beet in Kombination mit Astern
Die schweren Blüten biegen die langen Triebe nach unten. Nach dem Rückschnitt bleibt die Hohe Fetthenne kompakter. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Staudensonnenblumen (Helianthus)

Staudensonnenblumen werden hoch und blühen erst spät. Beim Frühsommerrückschnitt wird ein Drittel der Triebe abgeschnitten. Man kann entweder alle Staudentriebe oder auch nur kranzartig die äußeren Triebe zurückschneiden.

Bildcollage: Blühende Staudensonnenblumen/ Rückschnitt der noch nicht blühenden Staude um ein Drittel.
Auch der Staudensonnenblume verhilft ein Rückschnitt zu kräftigeren, nicht ganz so hohen Stängeln. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Weitere Stauden, denen ein Frühsommerschnitt gut tut

Neben den genannten Stauden, ist die Maßnahme auch bei Phlox, Sonnenbraut (Helenium), Sonnenauge (Heliopsis) und Indianernesseln (Monarda) möglich.

Quelle: MDR Garten

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 22. August 2021 | 08:30 Uhr