Köstlich und gesund Quitten – Fragen und Antworten zum fast vergessenen Obstgehölz

Quitten erleben derzeit eine wahre Renaissance. Dabei galten sie als fast vergessen. Als Bio-Quittenbauer kennt sich Marius Wittur von Mustea in Untereisenheim mit dem Obstgehölz aus. Er war im MDR Garten zu Gast. Wir haben alle Fakten zur Quitte in einem Fragen- und Antworten-Check gebündelt.

Gelb-grüne Quitten liegen auf einem Holztisch. Einige liegen in geflochtenen Schalen, andere auf umgedrehten Körben, weitere Quitten liegen unmittelbar auf dem Tisch.
Quitten schmecken roh nicht, sie müssen verarbeitet werden. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Quitten sind eine sehr alte Obstsorte. Wie alt sind Sie wirklich?

Quitten sind die älteste Obstkultur in Deutschland. Bereits seit dem achten Jahrhundert wurde die Quitte schriftlich erwähnt. Zu ihrer damaligen Popularität trug beispielsweise Hildegard von Bingen bei. Sie setzte die Quitte auch als Heilpflanze ein.

Quitten galten in jüngster Vergangenheit als fast vergessen. Warum ist das so?

Die Quitte hat den Ruf, sich wegen ihrer harten Frucht schwer und sehr aufwändig verarbeiten zu lassen. Mittlerweile wird bei Lebensmitteln wieder mehr auf Qualität und regionale Produkte gesetzt. Deshalb erlebt die Quitte seit kurzem eine wahre Renaissance und wird wieder beliebter. Mit einigen Abenden Aufwand hat der Quitten-Freund den ganzen Winter über Freude. Zudem wird wieder mit Quitten-Rezepten experimentiert: So werden Quitten beispielsweise mit Lamm oder Geflügel gekocht.

Eine sehr große Quitte steht, eine zweite liegt auf einem umgedrehten Holzkorb.
Riesenquitte Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Expertentipp: Treffen Sie sich zur Quitten-Party! Bio-Quittenbauer Marius Wittur empfiehlt für die Verarbeitung von Quitten ein Brotmesser mit Wellenschliff. Mit einem scharfen Gemüsemesser hat der Koch keine Chance.

Wer mag, kann sich auch mit Freunden und einem guten Tröpfchen Quittensecco zu einer "Quitten-Party" treffen und gemeinsam die Ernte klein schneiden. In Gemeinschaft lässt es sich einfach schöner schneiden. Die geschnittenen Quitten können hinterher aufgeteilt, abgepackt und mitgenommen werden. Alle fleißigen 'Schnippler' können dann die Quittenstücke individuell weiter verarbeiten.

Was macht die Quitte so besonders?

Das Aroma der Quitte gilt als einzigartig, meint Quittenexperte Wittur. Von Granatapfel über Kiwi bis hin zu Zitrusfrüchten vereinigen sich darin alle Fruchtaromen dieser Erde.

Außerdem enthält die Quitte natürliches Pektin. Deshalb war sie auch früher so beliebt für die Zubereitung von Marmeladen oder Gelees. Das Pektin sorgt für eine gewisse Bindefähigkeit bzw. den gelartigen Zustand, ohne dass zusätzlich Gelierzucker oder ähnliches benötigt wird.

Können Quitten roh gegessen werden?

Traditionelle Sorten sind Verarbeitungsfrüchte. Ihr Fruchtfleisch ist zu hart, um sie so zu essen. Allerdings gibt es veredelte Sorten, die sich auch für den Verzehr eignen, so beispielsweise die Honigquitte. Aber auch die Esme kann so gegessen werden. Sie kommt ursprünglich aus der Türkei, ist aber mittlerweile auch in unseren Gärten zu finden. In türkischen Lebensmittelläden lassen sich zur Saison auch ganze Früchte der Esme kaufen.

Wie kann die Quitte verarbeitet werden?

Die Quitte wird traditionell beispielsweise zu Marmelade, Gelee und Brot verarbeitet. In einigen Regionen ist das Quittenbrot auch unter als Quittenlatwerge, -speck oder -konfekt bekannt. Es gibt noch viele andere Namen. Die Namensvarianten zeigen die Wertschätzung, meint Experte Wittur.

Können Quitten auch im Kübel gepflanzt werden?

Ja, Quitten können auch im Kübel gepflanzt werden. Wichtig ist hierbei jedoch der Schutz im Winter: Milde Temperaturen machen ihnen nichts aus. Ab minus acht Grad Celsius sollte die Topfpflanze dann allerdings in den Keller gestellt werden. Ansonsten gilt, was auch sonst bei Kübelpflanzen wichtig ist. Spätestens alle zwei Jahre sollte der Topf umgepflanzt werden – bis er die gewünschte Größe erreicht hat. Anschließend kann er über den Schnitt in der Wunschgröße belassen werden.

Welche Sorten sind zu empfehlen und warum?

Baumschulen favorisieren oft einzelne Sorten, die dann hauptsächlich Verbreitung finden. Die anderen Sorten werden dadurch vernachlässigt. Um die Vielfalt der Quitte zu erhalten, empfiehlt es sich auf Sorten zu setzen, die selten und somit letztlich vom Aussterben bedroht sind.

Zwei grün-gelbe Quitten mit einem Stück Stiel liegen auf einem umgedrehten Korb.
Astheimer Perlquitte Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Zu diesen Sorten gehört die Astheimer Perlquitte, die Quittenrennette von Castell und die Würzburger Goldquitte, aber auch die 'DDR-Sorten' Wudonia und Radonia. Es empfiehlt sich erst zu überlegen, ob eine Apfel- oder eine Birnenquitte gewünscht ist und sich dann eine von den Seltenen auszusuchen.

Vier längliche und vier runde Quitten liegen in einer flachen, geflochtenen Schale.
Radonia und Wudonia Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Radonia und Wudonia Die Namen der Radonia und Wudonia setzen sich aus der Endung des lateinischen Gattungsnamens Cydonia und den ersten beiden Buchstaben der Züchtungsorte zusammen. Die Birnenquitte Radonia stammt aus Radebeul (Ra + donia) und die Apfelquitte Wudonia aus Wurzen (Wu + donia).

Obwohl die beiden Sorten in der DDR sehr beliebt waren, wurden sie verdrängt. Ab Mitte der Neunziger war in der Region die Cydora Robusta besonders beliebt, da sie zunächst als Feuerbrandresistent galt. Später stellte sich heraus, dass sie es nicht ist. Doch da hatte sie bereits die beiden Sorten in vielen Gärten abgelöst.

Apfel- und Birnenquitten – worin liegt der Unterschied?

Die beiden Unterarten der Quitte unterscheiden sich nicht nur in ihrer Fruchtform, sondern auch im Gehölz. Apfelquitten wachsen eher strauchartig und bilden runde Früchte aus. Birnenquitten haben eher längliche Früchte und wachsen pyramidal.

Wann sollte gepflanzt werden und was ist dabei zu beachten?

Zwei große, grüne Quitten liegen auf einem umgedrehten Korb.
Bereczki Birnenquitte Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Wegen der Winterruhe sind Herbstpflanzungen sehr zu empfehlen. Sie können dann über die kalte Jahreszeit gut anwurzeln. Vor allem die Haarwurzeln bilden sich in der Zeit gut aus.

Der Jungbaum sollte, wie bei anderen Gehölzen auch, in den ersten drei Jahren gut gewässert werden. Bei längerer Abwesenheit sollte der Nachbar daher nicht nur darum gebeten werden, die Blumen zu gießen, sondern auch den Baum zu wässern. Alternativ kann auch mit einer Mulchdecke, einem halben Strohballen, mit Laub oder Kompost Abhilfe geschaffen werden. Wird der Baum damit geschützt und vor dem Urlaub mit drei, vier Gießkannen gegossen reicht das aus.

Weil die Quitte sehr angepasst ist, braucht sie keine besonderen Bodenbedingungen. Sie kommt mit vielen Extremstandorten zurecht. Nur kalkhaltige Böden mag die Quitte nicht so sehr. Hier wird vom Experten die Quitte BA-29 als Veredlungsunterlage empfohlen.

Welche Pflege braucht ein Quittenbaum?

Umso älter eine Quitte wird, umso pflegleichter ist sie. Sie braucht dann nur hin und wieder einen Verjüngungsschnitt. Am besten ist es, bei der Quitte jährlich vier, fünf Äste auszuschneiden. Das ist als in größeren Abständen einen Radikalschnitt anzusetzen. Regelmäßige, kleinere Schnittmaßnahmen sind für die Verjüngung und die Fruchtbildung wichtig.

Gedüngt werden können kleine Bäume mit einem Eimer Kompost pro Jahr. Bei größeren Bäumen kann eine Schubkarre Kompost in der Kronentraufe verteilt werden. Da zu große Früchte die Stabilität des Baums beeinträchtigen und der Kompost den Trieb anregt, sollte aber nicht zu viel gedüngt werden. Denn: Umso mehr eine Quitte austreibt, umso anfälliger ist sie auch für Feuerbrand.

Wann kann geerntet werden?

Erntezeit ist bei der Quitte im Oktober. Früher wurde gesagt, dass der erste Frost über die Quitten kommen soll. Doch weil der heute oft sehr spät eintritt, sind die Quitten dann oft welk. Wichtig ist, dass die Früchte bei der Ernte ganz dezent duften und sich leicht vom Holz lösen lassen.

Wie werden Quitten gelagert?

Wer die Früchte nicht direkt – also innerhalb einer Woche – verarbeiten möchte, sollte sie vorsichtig ernten und aufpassen, dass dabei keine Druckstellen entstehen. Einlagig nebeneinander in Holzwolle oder auf Zeitung gelegt, hält die Quitte lange. Quitten sollten bei unter zehn Grad Celsius kühl und trocken gelagert werden.

Mehrere gelb-grüne Quitten liegen mit grünen Blättern in einer flachen, geflochtenen Schale. Sie haben alle eine Flaumschicht drumherum.
Die Baumwollquitte wird wegen ihrer Flaumschicht so genannt. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 24. November 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. November 2019, 16:44 Uhr