Die Raupe des Schwammspinners
Schwammspinner kommen aus dem Wald. Bildrechte: dpa

Raupeninvasion in Deutschland Raupenplage: Schwammspinner einsammeln und vernichten

Mehrere Ortschaften in Deutschland, vor allem in den wärmeren Regionen, haben ein massives Raupenproblem. Derzeit sind die Bundesländer Thüringen, Sachsen, Bayern, Rheinland Pfalz und Baden-Württemberg betroffen.

Die Raupe des Schwammspinners
Schwammspinner kommen aus dem Wald. Bildrechte: dpa

Der Schwammspinner – ein Nachtfalter – hat sich ausgebreitet. Die Raupen fressen ganze Wälder und angrenzende Gartenanlagen kahl. Kleingärtner, aber auch Behörden sind machtlos.

Der Schwammspinner ist ein Allesfresser. Er frisst alles was grün ist, außer Holunder, und ist dabei ein echter Gourmet. Er frisst nicht ein ganzes Blatt, sondern knabbert alles an und zieht weiter. Die Blätter fallen alle ab.

Gartenfachberaterin Brigitte Goss

Nicht nur für die Pflanzen ist der Schwammspinner ein Problem. Die Raupen machen vor nichts Halt, besiedeln Vogelnester, Nistkästen und kriechen durch Ritzen in Gartenlauben. Auch die Vögel in Wäldern. in denen die Raupen wildern, flüchten vor ihnen.  

Kahlgefressene Roteichen in einem Wald am Cospudener See südlich von Leipzig
Bildrechte: dpa

Das Problem kommt aus dem Wald. Deshalb ist in erster Linie die Forstwirtschaft gefragt, den Ursprung des Problems herauszufinden und Lösungen zu finden.

Gartenfachberaterin Brigitte Goss

Kein neues Problem

Illustration: Der Leben eines Schwammspinners - Kreislauf
Der Lebenslauf eines Schwammspinners Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Schädling ist schon lange bekannt. Schon in den 90-er Jahren hat der Schwammspinner in Deutschland, Frankreich und Italien 80.000 Hektar Waldfläche vernichtet, einen Großteil davon in Franken. Seitdem wird beobachtet und gezählt, wie viele Gelege die Falter auf einer bestimmten Fläche ablegen. Nach den Zählungen in diesem Jahr hatten Experten in Bayern schon prognostiziert, dass es zu einer Invasion der Raupen kommen könnte. Trotzdem haben die Behörden beschlossen, auf Insektizide zu verzichten.

Ein Schwammspinner Falter sitzt an einer Mauer
So sieht der Falter aus. Bildrechte: Brigitte Goss

Jetzt haben die Länder keine Handhabe mehr, gegen die Raupen vorzugehen. Aktuell treten zu viele auf. Das Thüringer Landesamt für Landwirtschaft rät deshalb von einer chemischen Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln im Garten ab. Es wird empfohlen, die Raupen und später die Puppen gründlich ab- und aufzusammeln und zu töten, um eine weitere Verbreitung der Falter einzudämmen. Im Juli verpuppen sich die Raupen. Schlüpfen neue Falter, legen die weiblichen wiederum mehrere hundert Eier ab.  

Buchcover "Richtig gärtnern für Nützlinge" von Brigitte Goss
Brigitte Goss setzt sich für naturnahes Gärtnern ein und schreibt Bücher darüber. Bildrechte: MDR/LV.Buch im Landwirtschaftsverlag

Ich vertrete immer die biologische Lösung und bin Botschafterin für naturnahes Gärtnern. Aber so ein starker Befall wie in diesem Jahr, sollte uns zu denken geben. Wenn Experten einen solchen Befall vorhersagen, sollte die Option, einzugreifen, nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Es gibt viele verschiedene Substanzen, auch biologische Mittel, die eingesetzt werden können und nicht – wie Viele glauben – alle Pflanzen und Lebewesen in der Region töten. Aber es muss im Vorfeld so einer Plage gehandelt werden. Wie diese Falter bekämpft werden, müssen letztlich Experten gemeinsam mit den Behörden entscheiden.

Gartenfachberaterin Brigitte Goss

Vorsicht vor Hautkontakt

Der Kontakt mit den Raupenhaaren, kann zu Hautausschlägen führen. Deswegen sollten beim Sammeln der Schwammspinner unbedingt Handschuhe und Kleidung getragen werden, die Arme und Beine vollständig schützen.

Die Natur könnte das Problem regeln

Kleine Raupen sind aus den Eiern geschlüpft
Die Raupen sind frisch geschlüpft Bildrechte: Brigitte Goss

Bisher war es so, dass die Natur solche Probleme selbst geregelt hat, sagt Brigitte Goss. Nach so einer Massenvermehrung gewannen nach zwei, drei Jahren meist Viren und Parasiten die Oberhand und reduzierten die Bestände. Aber welche Folgen die Veränderung des Klimas hat, ist völlig unklar. Deswegen sei es auch fraglich, ob die Natur das noch leisten kann, so Goss. Fest steht: die natürlichen Feinde des Schwammspinners müssen gestärkt werden: Nur durch eine Vielfalt an Pflanzen werden sich Insekten vermehren und so auch ausreichend Nahrung für unsere Vögel bieten. Auch die Brackwespe oder die Igelfliege gehören zu den Gegenspielern der Schwammspinner. Die Igelfliege hat Brigitte Goss in ihrem eigenen Garten vor allen auf Astern und anderen Blüten beobachtet. Sie legen ihre Eier an die Larven der Schwammspinner-Gelege und zerstören diese.

Ein Finger zeigt auf ein Foto 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehrere Ortschaften in Deutschland sind von einer Raupenplage betroffen. Millionen Schwammspinner fressen Wälder und Gärten leer. Ein Gespräch über das Problem mit Brigitte Goss.

MDR FERNSEHEN So 30.06.2019 08:30Uhr 02:25 min

https://www.mdr.de/mdr-garten/pflegen/raupenplage-schwammspinner-gera-gunzenhausen-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 30. Juni 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2019, 12:13 Uhr