Schäden im Gemüsegarten Braunfäule bei Tomaten: Was jetzt gegen die Pilzkrankheit hilft

Phytophthora infestans

Tomaten mit matschigen, grau-braunen Flecken auf den Früchten leiden meist an einer Pilzkrankheit: der Kraut- und Braunfäule. Gerade in feuchten Sommern wie diesem ist sie ein Problem. Was gegen Braunfäule hilft und wie Sie am besten vorbeugen, erklärt Gärtnerin Brigitte Goss.

Tomaten mit Braunfäule
Ein Fall für die Tonne: Tomaten-Früchte mit Braunfäule sind ungenießbar und sollten im Müll entsorgt werden. Bildrechte: MDR/Nadine Witt

Feuchte, verregnete Sommer machen Tomaten im Garten zu schaffen. Gerade im Freien sind Tomatenpflanzen ohne Regenschutz stark gefährdet. Wer (noch) keine Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) in seinem Gemüsegarten hat, sollte jetzt gegen einen möglichen Befall vorbeugen, rät Gärtnerin Brigitte Goss.

Das Schadbild: Wie sieht Braunfäule bei Tomaten aus?

Die Kraut- und Braunfäule ist eine Pilzkrankheit. Verursacht wird sie durch den Schaderreger Phytophthora infestans. Befallene Tomaten haben matschig-braune, faulige Stellen. Unter Kraut- und Braunfäule leidet die ganze Pflanze: Auf Laub, Trieben und Stängeln bilden sich ebenfalls braun-schwarze Flecken. Die Blätter welken und vertrocknen. Begünstigt wird die Krankheit durch kühles, feuchtes Sommerwetter. Übrigens: Auch Kartoffeln können an der Pilzkrankheit leiden.

Faulige Tomaten mit Flecken der Kraut- und Braunfäule
Die Kraut- und Braunfäule ist eine Pilzkrankheit, die zu fauligen, braunen Stellen auf den Tomaten führt. Verursacht wird sie durch den Schaderreger Phytophthora infestans. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Ein ähnliches Schadbild zeigt sich bei der Tomaten-Frucht- und Stängelfäule (Didymella lycopersici). Der Unterschied: Bei der Kraut- und Braunfäule zeigen sich die Symptome als erstes an den Früchten, bei Didymella an den Stängeln als schwarzes, eingesunkenes Rindengewebe.

Vorbeugen: Braunfäule im Garten vermeiden

Wenn die Tomatenpflanzen im Juli und August bereits Rispen mit Früchten haben, können die unteren Blätter entfernt werden. Verringern Sie die Blattmasse. So trocknen die Pflanzen nach einem Regenguss gut und schnell ab. "An die Tomaten muss Luft drankommen, daher würde ich jetzt auf Blätter verzichten", rät Brigitte Goss.

Die Gartenfachberaterin empfiehlt auch, Tomaten nicht zu dicht nebeneinander zu pflanzen. Stehen die Pflanzen zu eng im Beet, kann es helfen, eine schwächere herauszunehmen, um den anderen mehr Platz zu geben. Der Pflanzabstand zwischen Stabtomaten sollte mindestens 50 Zentimeter betragen, bei Buschtomaten auch mehr (60 bis 80 Zentimeter).

Pflanzen Sie Tomaten nicht neben Kartoffeln. Dort, wo im Jahr zuvor Kartoffeln angebaut wurden, sollten keine Tomaten stehen. Auf der Fläche von befallenen Pflanzen, ob Tomate oder Kartoffel, sollte eine vierjährige Anbaupause eingelegt werden.

Resistente Sorten sind 'Phantasia' und 'Philovita'. Sie werden zwar auch befallen, doch oft erst einige Wochen später. Das kann entscheidend für die Ernte sein, wie Brigitte Goss sagt.

Gießen Sie Tomaten außerdem immer von unten, das heißt direkt auf den Boden oder in den Topf. Lassen Sie kein Spritzwasser auf die Blätter kommen.

Braunfäule an Tomaten: Das können Sie jetzt tun

Entfernen Sie schon bei einem ersten, leichten Befall großzügig alle betroffenen Blätter (mit Stängeln). Dünnen Sie auch das übrige Laub aus: Schneiden Sie die Blätter unterhalb der ersten Tomaten-Rispen ab. Auch darüber können Sie die Blattmasse reduzieren, so kann die Pflanze besser abtrocknen. Gegen Braunfäule können Sie außerdem Ackerschachtelhalm-Sud spritzen, das Hausmittel stärkt die Pflanzen.

Befallene Pflanzenteile sollte besser nicht kompostiert, sondern sofort im Biomüll oder Restmüll entsorgt werden. Bindematerial und Stäbe sowie Werkzeuge werden gründlich gesäubert sowie mit kochendem Wasser und eventuell mit 70%-igem Alkohol desinfiziert.

Braunfäule - kann man die Tomaten noch essen?

Ja! "Unauffälligen Tomaten, deren Mutterpflanze mit Phytophthora befallen sind, können verzehrt werden", sagt Dr. Markus Schmidt-Heydt, der am Institut für Sicherheit und Qualität bei Obst und Gemüse des Max-Rubner-Instituts giftbildende Pilze in Lebensmitteln untersucht. Der Erreger ist kein Schimmelpilz und bildet keine bekannten Mykotoxine - also Gifte - die gesundheitsschädlich für Menschen sind.

Die Chance, dass grüne Tomaten nachreifen und schmecken, ist gut. Zeigen die Tomaten noch keine braunen Stellen und sehen gesund aus, sind sie vom Pilz vielleicht verschont geblieben. Lagern Sie die Tomaten möglichst einzeln, zum Beispiel in Backpapier verpackt, an einem dunklen und warmen Ort. So beugen Sie vor, dass der Pilz noch im Lager verbreitet wird. Kontrollieren Sie die Früchte täglich. Bilden sich beim Nachreifen braune Stellen, sollten die Tomaten entsorgt werden. Wenn nicht, können sie verarbeitet und gegessen werden.

Tomaten in Backpapier eingewickelt
In Backpapier eingewickelt, können sich die Tomaten nicht gegenseitig anstecken. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Sicherer Ort für Tomaten und Gurken: ein Gewächshaus

Gartenexpertin Brigitte Goss steht in ihrem Gewächshaus zwischen großen, buschigen Gurken und Tomatenpflanzen 3 min
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MDR Garten So 26.07.2020 08:30Uhr 03:13 min

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Quelle: MDR Garten/Gartenfachberaterin Brigitte Goss/Dr. Markus Schmidt-Heydt, Institut für Sicherheit und Qualität bei Obst und Gemüse des Max-Rubner-Instituts/uka, dadu

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Radiogarten | 24. Juli 2021 | 09:10 Uhr