Waschbär
Die Gesichtsmaske und ihre großen Augen verleihen Waschbären ihr niedliches Aussehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ungebetener Gast Waschbär: Lässt er sich aus dem Garten vertreiben?

24. März 2021, 11:18 Uhr

Waschbären sind putzige Gesellen, die im Garten für viel Chaos sorgen können. Um sie loszuwerden, müssen Gärtner es den Tieren so ungemütlich wie möglich machen.

Er stoppt nicht vor Vögeln und nicht vor Reptilien. Er stiehlt Eier aus Nestern und Jungvögel aus Vogelkästen. Dazu verputzt er gerne vom Baum gefallene Äpfel und süße Kirschen. Der Waschbär ist ein Raubtier. Eigentlich gehört er nach Amerika. Aber nachdem er vor etwa 80 Jahren in Deutschland eingeschleppt wurde, lebt er längst nicht mehr nur im Wald. Stattdessen erobert er die unterschiedlichsten Gebiete, fühlt sich in der Stadt und in der Nähe von Menschen wohl. Auch Gärten sind bei den Tieren sehr beliebt.

Habe ich einen Waschbären im Garten?

gestreifter Waschbärschwanz
Typisch für Waschbären ist der gestreifte Schwanz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Einen Waschbären bekommen Sie nur selten zu sehen. Die Tiere sind nachtaktiv und bleiben gern unsichtbar", sagt Gartenfachberater Erik Behrens. Aber wer einen Waschbären zu Gast hat, merkt es schnell. Umgeworfene Müllbehälter, aufgerissener Rasen, Löcher im Dach - ein Waschbär kann ziemliches Chaos anrichten, wenn er in einen Garten eingezogen ist. Der deutlichste Hinweis aber sind seine Hinterlassenschaften: Große, feste Haufen, meist größer als bei einem Hund, liegen dann im Garten herum. Häufig sind Obstkerne zu sehen. Besonders auf Äpfel und Kirschen sind Waschbären scharf. Aber auch Pfirsiche, Birnen und anderes Obst verputzen sie ohne zu zögern. "Die fruchtdurchsetzte Kacke ist das sicherste Zeichen für einen Waschbären", sagt Behrens.

So werden Sie einen Waschbären los

Am besten ist es, Waschbären gar nicht erst anzulocken. Haben Sie aber tatsächlich einen im Garten, "machen Sie es ihm so ungemütlich wie möglich", rät Gartenberater Behrens.

  • Verschließen Sie alle Schlupflöcher an Gartenhütten und Schuppen. Kleine Nischen finden Waschbären gemütlich. Ist zum Beispiel unter dem Schuppen ein freier Raum, eignet sich das super als Versteck.
  • Schließen Sie die Katzenklappe ab oder verwenden Sie eine, die mit Chip funktioniert. Waschbären sind neugierig und gehen auch in Häuser. Sind sie einmal drin, können Sie eine Wohnung ordentlich verwüsten.
  • Heben Sie Fallobst auf. Natürlich pflücken Waschbären gern auch Obst vom Baum. Aber liegt alles griffbereit unten, ist das wie ein Paradies.
  • Werfen Sie keine Knochen oder andere tierische Lebensmittel auf den Kompost. Auch Fallobst ist eher kritisch. Am besten sind Kompostbehälter, die verschließbar sind. Ein aufgelegter Deckel reicht dafür nicht. Den können Waschbären öffnen. Der Deckel muss entweder sehr festsitzen oder vielleicht sogar mit einem Schloss verriegelt sein.
  • Nicht füttern! Sonst bekommen Sie den Waschbären nicht mehr los.
  • Hängen Sie Vogelhäuser mindestens 3,50 Meter hoch auf und bringen Sie darunter Metallmanschetten an, an denen der Waschbär abrutscht.
  • Hunde- und Katzenfutter nicht draußen stehen lassen!

Machen Sie es ihm so ungemütlich wie möglich!

Erik Behrens, Gartenfachberater aus Leipzig

Und wenn der Waschbär trotzdem nicht verschwindet?

Dann bleibt noch die Möglichkeit, den Waschbären mit einer Lebendfalle zu fangen. Sollte er allerdings in die Falle gehen, ist damit aber auch sein Todesurteil besiegelt.

Auf dem eigenen Grundstück ist es rein theoretisch erlaubt, eine Lebendfalle für Waschbären aufzustellen. Da der Waschbär aber eine invasive Tierart ist, darf er - sobald er einmal gefangen ist - nicht wieder freigelassen werden. Er muss von einem Jäger getötet werden.

Frank Herrmann, Geschäftsführer Thüringer Jagdverband

Aber dies sollte wirklich nur die letzte Lösung sein. Auch Gartenberater Behrens hält nicht viel vom Töten der Tiere. "Der Waschbär ist ein Wildtier und soll auch ein Wildtier bleiben. Wir können ihm nur das Gebiet streitig machen, er soll zurück in sein angestammtes Gebiet." Wenn Sie Probleme mit dem Waschbär haben, können Sie sich bei der zuständigen Naturschutzbehörde beraten lassen.

Waschbär
Mit seinen Pfoten kann ein Waschbär sehr gut tasten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Übertragen Waschbären Krankheiten?

Waschbären bringen Zecken, Läuse und Flöhe mit, die Staupe, Hasenpest und andere Krankheiten übertragen können. Im Garten liegende Kothaufen dürfen auf keinen Fall angefasst werden. Sie können Eier des für Menschen gefährlichen Waschbärspulwurms enthalten. Kothaufen deshalb am besten mit Handschuhen anfassen und verbrennen!

Waschbär Waschbären gehören zur Familie der Kleinbären und sind Raubtiere. Sie werden bis zu 70 Zentimeter groß und bis zu zehn Kilogramm schwer.
Die Tiere leben in Kleingruppen. Verwandte Weibchen teilen sich den Lebensraum, aber auch Männchen suchen sich (nichtverwandte) Gesellschaft. Die Weibchen bekommen im Frühling bis zu fünf Junge.
Waschbären sind sehr intelligent, haben ein ausgezeichnetes Gedächtnis und einen ausgeprägten Tastsinn. Sie können sehr gut klettern.

Quelle: MDR Garten

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 17. Februar 2021 | 20:45 Uhr