Gartentipp der Woche Schafwolle im Garten verwenden

Schafwolle fällt in großen Mengen im Sommer nach der Schur an. Heutzutage ist die Verarbeitung zu Wollprodukten in Deutschland jedoch kaum mehr lukrativ. Da bieten sich alternative Verwendungen an. Im Garten punktet Schafwolle als Dünger, Mulchmaterial oder Wasserspeicher.

Schafwolle im Kräuterbeet
Mehr als nur Pullover und Socken: Rohschafwolle kann im Garten an vielen Stellen eingesetzt werden. Bildrechte: MDR/Dörthe Gromes

Rohwolle als Mulchmaterial und Fraßschutz

Die unbehandelte rohe Schafwolle enthält viele Fette und zersetzt sich im Boden nicht so leicht. Sie dient als Mulchmaterial in Dauerkulturen wie im Kräutergarten oder unter Stauden. Dort hält sie den Boden feucht und Schnecken fern. Als schöner Nebeneffekt werden durch die Wolle ganz langsam wertvolle Nährstoffe freigesetzt.

Schafwolllametta an Himbeerpflanzen zur Rehwildabwehr
"Schafwolllametta" hängt an Himbeerpflanzen zur Rehwildabwehr. Bildrechte: Brigitte Goss

Auf einer Schicht aus Pappe und darüber liegender unkrautfreier Erde hat Brigitte Goss Sommerblumen ausgesät. Unter der Pappe fühlen sich allerdings auch viele Regenwürmer wohl, die sind wiederum eine Leibspeise für Amsel, Drossel und Igel. Damit die Blumen trotzdem wachsen können, hat die experimentierfreudige Gärtnerin eine Lage Rohwolle vor die Jungpflanzen gelegt. Der strenge Geruch hält die Tiere ab. Auch andere Wildtiere wie Rehe oder Hasen, die sich gern an Himbeeren, Blumen oder anderen Gartenpflanzen schadlos halten, kann man mit etwas Schafrohwolle fernhalten. In dem Fall hängt man am besten etwas "Schafwolllametta" in die Blätter der zu schützenden Pflanzen.

Achten Sie in den ersten Wochen nach dem Aufbringen der Schafwolle verstärkt auf Unkraut. In der Wolle könnten sich noch Unkrautsamen befinden.

Brigitte Goss, Gartenfachberaterin

Schafwollpellets als Ökodünger

Schafwollpellets in einer Hand
Schafwollpellets sind ein organischer Langzeitdünger. Bildrechte: Brigitte Goss

Aus Schafwolle werden auch Schafwollpellets hergestellt. Man bekommt sie teilweise direkt bei ortsansässigen Schäfern sowie in einigen Bau- oder Gartenmärkten und natürlich im Onlinehandel. Sie sind ein ökologischer Multifunktionsdünger mit Langzeitwirkung. Ihr Nährstoffgehalt beträgt zehn Prozent Stickstoff, von dem ein Drittel im ersten Jahr freigesetzt wird. Außerdem enthalten sie fünf Prozent Kalium und nur 0,17 Prozent Phosphat. Dieser niedrige Phosphatgehalt wirkt sich positiv auf die meist mit Phosphat überdüngten Gartenböden aus. Dort wo Phosphate zugeführt werden müssen, kann die Schafwollpellet-Düngung mit Kompost ergänzt werden.

Zudem erhöht der Dünger kurz- und langfristig die Wasserhaltefähigkeit und verbessert die Bodenstruktur. Schafwollpellets können das 3,5-Fache ihres Eigengewichtes speichern.

Achtung! Schafwollpellets können für alle Gartenpflanzen verwendet werden. Ausnahme: Pflanzen wie Heidelbeeren, Rhododendren, Azaleen oder Heidekraut, die einen sauren Boden brauchen.

Düngerbedarf im Frühjahr

  • Obstbäume und Sträucher etwa 120 g pro Pflanze
  • Topfpflanzen etwa 10 g pro Liter Pflanzerde
  • Gemüse mit mittleren Stickstoffbedarf: Gurken, Kohlrabi: 20 – 30 g pro Pflanze
  • Gemüse mit hohem Nährstoffbedarf: Tomaten, Lauch, Blumenkohl: 40 – 50 g pro Pflanze

Generell sollte die Wolle leicht untergearbeitet werden. Rohwolle verwenden Vögel gerne zum Nestbau. Wird die Wolle entweder als zerkleinerte Rohwolle oder Pellets ausgebracht, sollte reichlich gewässert werden, damit sich der Wasserspeicher gut auffüllen kann.

Schafrohwolle für Düngezwecke mit Schere zerkleinert
Es ist zwar etwas mühsam, aber Schafrohwolle sollte für Düngezwecke zuvor mit einer Schere zerkleinert werden. Bildrechte: Brigitte Goss

Rohwolle erhält man bei manchen Schäfern für kleines Geld oder gar kostenlos. Fragen Sie einfach mal einen Schäfer in Ihrer Umgebung.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 26. Juli 2020 | 08:30 Uhr