Folgen von Trockenheit und Wärme Risse, Rindenbrand und geplatzte Stämme: Obstbäume schützen

Eine Frau steht in einem Garten. In der Hand hält sie einen kleinen Strauß aus Kräutern.
Bildrechte: MDR/Lisa-Marie Kaspar

Der Stamm eines Baumes ist seine Hauptschlagader. Durch Hitze, Trockenheit und auch Frost können Schäden an der Rinde entstehen. Pilze - wie der neuartige Rindenbrand - dringen ein und der Baum geht im schlimmsten Fall ein. Gärtnerin Brigitte Goss hat in den vergangenen Jahren besonders viele geschädigte Bäume gefunden und gibt Rat, wie Sie die Gehölze in Zeiten des Klimawandels schützen können.

Obstbaum der weiß angestrichen ist
Ein Kalkanstrich kann junge Obstbäume retten. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Weißer Anstrich gegen Risse und Aufplatzen

Wir alle kennen das: Dunkle Flächen heizen sich in der Sonne stark auf. Auch die meisten Baumrinden sind dunkel. Wird der Stamm nicht ausreichend durch Blätter beschattet, heizt er sich auf, Temperaturen von 50 Grad Celsius können erreicht werden. Für den Baum ist das gefährlich, wie die Gartenfachberaterin und Gärtnerin Brigitte Goss erklärt. Unter der Rinde sitzt das Wachstumsgewebe, das bei sehr hohen Temperaturen einreißt und abstirbt.

geplatzte Rinde eines Baumes
Wer aufmerksam schaut, entdeckt viele Bäume mit geplatzter Rinde. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Gegen das Aufheizen der Rinde hilft ein weißer Baumanstrich, der das Sonnenlicht reflektiert und so die Erwärmung verringert. Üblich ist so ein Baumanstrich vor allem in der blätterlosen Winterzeit, damit die Sonne nicht ungebremst auf den Baumstamm scheint. Aber die Sommer sind inzwischen oft so heiß und trocken, dass der Weißanstrich auch dann fast unabdingbar ist, sagt Brigitte Goss. Das klassische Kalken der Stämme beziehungsweise der Weißanstrich blättert zwar innerhalb weniger Wochen wieder ab, ist aber absolut umweltfreundlich. Alternativ kann der Baum auch mit Kokosmatten oder Bastmatten umwickelt werden. Eine schnelle Schattierung bietet auch ein angelehntes Brett.

Stammschutz an Obstbäumen, das war nach altem Gärtnerwissen ein Stammanstrich im ausgehenden Winter, um den Baum vor Frostrissen zu schützen. Ende Januar bis in den März hinein kann die Sonne nach sehr kalten Nächten mit darauf folgenden sonnigen Tag den Stamm einseitig so aufheizen, dass dies zu Rissen im Stamm führen kann. Doch diese Tage gibt es in den letzten Jahren immer weniger und stellt eigentlich keine Gefahr für die Bäume mehr dar.

Gartenfachberaterin Brigitte Goss

Bäumen durch Gießen und Pflege der Baumscheibe helfen

Ein Eimer mit Aufschrift bitte gießen an einem neugepflanzten Baum am Rhein an den Poller Auen
Vor allem junge Bäume brauchen im Sommer eine gute Pflege. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Doch die Hitze ist nur eines von mehreren Problemen, sagt Brigitte Goss. Wenn es nach langer Trockenheit im Sommer, ab Ende August, kräftig regnet und die Bäume plötzlich nach wochenlangen, durstigen Zeiten mit viel Wasser versorgt werden, kann es zu Spannungen in den schon ausgehärteten Leitungsbahnen kommen. Risse sind dann ebenfalls vorprogrammiert. Die Gartenfachberaterin rät deshalb, den Stress für junge Bäume im Sommer zu verringern. In Hitzephasen hilft es, den Baum zu gießen. Wird die Baumscheibe frei von Beikräutern gehalten, ist der Baum weniger bedrängt. Vor allem junge Bäume und schwachwachsende Obstbäume können so besser mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden. Ältere Bäume haben die "Versorgungswurzeln" in Traufenhöhe der Krone und nicht an der Baumscheibe.

Neuartige Obstkrankheit: Schwarzer Rindenbrand

Der Schwarze Rindenbrand ist ein Pilz (Diplodia), der Bäume befällt, die von Hitze und Trockenheit geschwächt sind. Bisher wurde er nur bei Kernobst nachgewiesen. Bei hohen Temperaturen, das heißt zwischen 25 und 30 Grad, entwickelt sich der Pilz besonders schnell. Diese neuartige Erkrankung zeigt sich durch dunkle, eingesunkene Flecken an der Rinde. An diesen Stellen ist das Kambium, also das Wachstumsgewebe, abgestorben. In vielen Fällen kann der Baum die Verletzung der Rinde überwachsen.

Wichtig ist, dass die Widerstandskraft des Baumes gestärkt wird. Dazu gehört eine passende Nährstoffversorgung. Gärtnerin Brigitte Goss empfiehlt deshalb eine Bodenprobe machen zu lassen. Nur so können Gartenbesitzer genau herausfinden, welche Nährstoffe im Boden vorhanden sind und was der Baum zusätzlich braucht. Gießen ist an heißen Tagen und während Trockenperioden besonders wichtig. Steht der Baum im Trockenen, kann er auch keine Nährstoffe aufnehmen. Im Kampf gegen den Diplodia-Pilz wird außerdem der weiße Anstrich getestet. Er soll Sonnenbrandschäden, Frost- und Wachstumsrissen vorbeugen, die als Eintrittspforten für den Rindenbrand gelten. Auch Verletzungen und Wildverbiss an den Bäumen gilt es zu verhindern.

Obstbaum mit schwarzem Rindenbrand und weißem Stamm
Schwarzer Rindenbrand an einem Obstbaum: Die vermehrt auftretende Pilzkrankheit ist nach Expertenmeinung eine Folge der Klimakrise. Die Folgen für die Bäume und mögliche Gegenmittel werden derzeit erforscht. Ein Ansatz: der schützende Weißanstrich. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Welchen Kalkanstrich verwenden?

Sie können sowohl im Handel erhältliche Produkte verwenden als auch die Mischung für den Anstrich selbst herstellen.

Ab Mitte Juli nicht mehr düngen! Wichtig! Ab Mitte Juli sollte nicht mehr gedüngt werden, damit sich die Bäume langsam auf den Herbst und Winter einstellen. In der Fachsprache heißt das Triebabschluß. Gibt man ihnen im Spätsommer noch einmal Nahrung, könnten sich junge Triebe bilden, die dann nicht mehr winterfest werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 28. März 2021 | 08:30 Uhr