Privates Badevergnügen Wie reinige ich meinen Pool?

Der Trend zum eigenen Pool im Garten oder am Haus hält weiter an. Doch wie hält man das kostbare Nass klar und sauber? Neben der klassischen Chlormethode gibt es weitere Optionen wie Aktivsauerstoff und Brom. Aber auch natürliche Filter sind eine Überlegung wert. Und was macht man mit dem Wasser am Ende der Badesaison? Darf man es einfach so im Garten ablassen?

Ein Schwimmingpool
So klar bleibt das Poolwasser leider nicht von allein. Bildrechte: MDR/Micha Hesse

Welches Wasser kommt in den Pool?

Wird das Wasser frisch eingelassen, dann sollte kein Brunnenwasser benutzt werden. Sebastian Rausch von der Firma Krülland rät zu ganz normalem Wasser aus der Leitung. Dieses Wasser hat einen ph-Wert von 7,2.

Der ph-Wert des Poolwassers

Der Sollwert im Poolbecken sollte zwischen 7,0 und 7,8 liegen. Bei Werten unterhalb dieser Grenze ist das Wasser sauer, oberhalb alkalisch. Zitronensaft zum Beispiel hat einen ph-Wert von 2,4. Kernseife hingegen hat normalerweise einen basischen ph-Wert von bis zu 9,5 und ist somit stark alkalisch. Gemessen werden kann der Wert beispielsweise mit Teststreifen, die im Poolwasser geschwenkt werden. Sie können nur einmalig benutzt werden. Die teure und genaue Variante ist ein elektronisches Messgerät. Durch im Handel erhältliche chemische Mittel kann der Sollwert im Poolbecken leicht reguliert werden, empfiehlt Sebastian Rausch.

Schockchlorung nach dem Einlassen des Poolwassers

Auch Frischwasser aus der Leitung sollte, nachdem der ph-Wert eingestellt ist, gechlort werden. Der Experte aus Nohra bei Weimar spricht von einer sogenannten Schockchlorung. Alle unliebsamen Lebewesen im Wasser wie Bakterien werden dadurch abgetötet. Danach muss ein Dosierschwimmer mit einer im Handel erhältlichen Kombinationstablette ins Wasser gegeben werden. Diese Tablette regelt den Chlorgehalt, tötet Algen, desinfiziert das Wasser, reguliert den ph-Wert. Jetzt geht es für den Poolbesitzer nur noch darum, die Wasserwerte regelmäßig zu überprüfen, heißt mindestens einmal die Woche. Und ganz wichtig: Immer auch Frischwasser nachfüllen, denn durch die Sonneneinstrahlung verdunstet das Wasser. So kann vermieden werden, dass das Poolwasser trüb oder milchig wird.

Groben Schmutz per Hand entfernen

Wer sich keine vollautomatische Poolreinigung leisten möchte, greift zur klassischen Handarbeit. Zur üblichen Grundausstattung gehören unter anderem Kescher, Schrubber, Schwamm und Lappen.

Groben Schmutz wie Blüten, Blätter, Grashalme oder auch tote Insekten und Tiere sollten Sie regelmäßig mit dem Kescher entfernen. Zudem sollte der Pool abgedeckt werden, wenn er nicht benutzt wird. Auch sollten Sie Kalkablagerungen entfernen und eventuell aufkommenden Algenbewuchs durch entsprechende Mittel neutralisieren.

Filteranlage regelmäßig einschalten

Die nicht sichtbaren Verschmutzungen des Wasser wie zum Beispiel Hautreste, Dreckpartikel oder auch feine Schwebe- und Sinkstoffe entfernt eine Filteranlage. Sie sollte regelmäßig eingeschaltet werden - Sebastian Rausch empfiehlt, die Anlage an warmen Tagen mindestens zwei Mal über mehrere Stunden laufen zu lassen. Gerade auch über die Mittagszeit, wenn sich das Wasser stark erwärmt. Da sich jeder Filter zusetzt, müssen Sie ihn regelmäßig wechseln.

Poolfilter
Ohne Filteranlagen kommt kein Pool aus. Bildrechte: MDR/Michael Hesse

Wasserreinigung mit Chlor

Chlor als Desinfektionsmittel hat sich in öffentlichen Freibädern und privaten Poolanlagen durchgesetzt, weil es leicht zu handhaben ist. Der durchschnittliche Gehalt an Chlor liegt bei privaten Schwimmbecken zwischen 0,5 und 1,0 Milligramm pro Liter, bei höheren Temperaturen etwas mehr. Wie viel eingetragen werden muss, hängt vom ph-Wert, dem Härtegrad des Wassers und des Volumens des zu reinigenden Wassers ab. Im Handel sind Chlortabletten erhältlich.

Brom und Aktivsauerstoff als Alternativen zur Chlorreinigung

Brom ist Chlor von seiner chemisches Zusammensetzung her sehr ähnlich und ähnelt ihm daher auch in seiner desinfizierenden Wirkung. Allerdings ist es nicht ganz so effektiv. Bei der Poolpflege wird daher in der Regel eine Kombination aus Brom und Chlor eingesetzt.

Die im Aktivsauerstoff freigesetzten Hydroxyl-Radikale töten ebenfalls effektiv Keime und Bakterien aller Art. Endprodukte der chemischen Reaktion sind Wasser und Sauerstoff. Dafür braucht es Sauerstoffgranulat und einen Aktivator, meist kommen beide Komponenten vom selben Hersteller. Je nach Poolgröße ist eine bestimmte Menge Granulat erforderlich, die dann mit der entsprechenden Menge vom Aktivator vermischt wird. Die genauen Mengenangaben finden sich auf den jeweiligen Produkten. Beides zusammen wird dann ins Poolwasser gegeben, es bietet sich an, dass in der Nähe der Pumpe zu machen, damit sich die Substanz gut verteilt.

Aktivsauerstoff besteht nicht aus reinem Sauerstoff wie der Name suggeriert, sondern aus chemischen Substanzen, die aus Peroxiden Aktivsauerstoff abspalten (zum Beispiel Wasserstoffperoxid, Kaliummonopersulfat oder Persulfat). Da diese Substanzen allein gegen Algenbewuchs nicht so wirksam sind, wird der Substanz meist zusätzlich ein Algizid oder Biozid beigefügt.

Die Reinigung mit Aktivsauerstoff ist etwas aufwendiger als einfach eine Chlortablette zu nehmen, dafür aber verträglicher für die (Schleim)Haut und Haare.

Naturnaher Schwimmteich und Naturpool als umweltfreundliche Alternativen

Eine Alternative zur Chemie ist die biologische Reinigung durch Pflanzen. Das kann entweder in einem Naturpool oder in einem Schwimmteich geschehen, wobei der Naturpool die deutlich teurere Variante ist.

Das Prinzip in einem Schwimmteich ist der Natur nachempfunden. Die Hauptarbeit übernehmen Wasserpflanzen, Bakterien, tierische Organismen. Es gibt eine flache Klär- beziehungsweise Regenerationszone, in der die Wasserpflanzen wachsen und eine tiefere Zone, die zum Baden benutzt werden kann. Eine Mindesttiefe von zwei Metern sollte ein Schwimmteich auf alle Fälle haben. Auch sollte er mindestens 50 Quadratmeter groß sein, wobei größere Teiche zwischen 100 und 300 Quadratmeter leichter im ökologischen Gleichgewicht zu halten sind als kleine Gewässer.

Ein Naturpool
Ein Naturpool ist nicht gerade billig, dafür spart man auf lange Sicht an Chemikalien. Bildrechte: MDR/Micha Hesse

Achtung bei der Entsorgung von chemisch behandeltem Poolwasser

Mit chemischen Zusätzen behandeltes Wasser - egal ob mit Chlor, Brom oder Aktivsauerstoff - darf laut Wasserhaushaltsgesetz grundsätzlich nicht in den natürlichen Wasserkreislauf gelangen, sondern muss über die Kanalisation entsorgt werden. Nur wenn der Chlorgehalt unter 0,05 Milligramm pro Liter liegt und keine weiteren chemischen Stoffe im Wasser enthalten sind, darf es im Garten entsorgt werden - vorausgesetzt er befindet sich nicht in einem Grundwasserschutzgebiet. Am besten informieren Sie sich über die in Ihrem Gebiet geltenden Bestimmungen der jeweiligen Wasserschutzbehörden.

Sparsam mit Poolwasser umgehen

Wasser ist ein kostbares Gut, insbesondere in Zeiten zunehmender Wasserknappheit wie die letzten Dürresommer gezeigt haben. Wie man es in einem Schwimmbecken verwendet, sollte aus finanzieller und ökologischer Sicht gut überlegt sein. Sebastian Rausch rät nicht zum jährlichen Wechsel des Poolwassers. Er habe Kunden, die das Wasser schon fünf Jahre und länger benutzen. Aus ökologischer Sicht wäre es sogar gut, von vornherein ganz auf einen privaten Pool zu verzichten, so Juliana Schlaberg vom Nabu Berlin. "In trockenen Sommern haben wir jetzt schon das Problem, das für die Natur zu wenig Wasser zur Verfügung steht", so die Referentin. Man solle lieber öffentliche Bäder oder natürliche Gewässer zum Baden nutzen. Und wenn es denn unbedingt eine eigene Badestelle sein müsse, geht ihre Empfehlung klar zum naturnahen Schwimmteich.

Quelle: Sebastian Rausch (Firma Krülland), Juliana Schlaberg (Nabu Berlin), MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Radiogarten | 26. Juni 2021 | 09:00 Uhr