Lautten Compagney Berlin – Bild des Orchesters, teilweise auf Wiese, teilweise auf Straße – im Hintergrund der Bus des Ensembles
Bildrechte: Ida Zenna

Musiktipp: Didone Abandonata Für Pasteten-Liebhaber

Händels „Didone abbandonata“ in einer neuen, erfrischenden Darbietung mit erstklassigen Solisten.

von Alexander Gosch

Lautten Compagney Berlin – Bild des Orchesters, teilweise auf Wiese, teilweise auf Straße – im Hintergrund der Bus des Ensembles
Bildrechte: Ida Zenna

Lieben Sie Pasteten? Zugegeben, eine für ein Klassikradio unerhebliche Frage. Aber sie führt uns direkt zu unserer CD-Empfehlung. Wenn die Bestandteile einer Pastete von guter Qualität sind, dann entsteht womöglich bei deren Vermengung ein tolles und ganz neues Produkt. Wir nennen es dann vielleicht Pasticcio, denn Italienisch klingt es auf alle Fälle noch besser. Georg Friedrich Händel hat in seiner Londoner Zeit als Theater-Chef in Covent Garden einige Pasticcios zusammengestellt. Das entsprach dem Zeitgeist und vermarktete sich gut. Bei diesen Aufführungen gab es Arien verschiedener Komponisten, die sinnvoll zu einem neuen Stück verbunden wurden. Wünsche der Sängerstars waren willkommen und ein Urheberrecht gab es damals auch noch nicht. Dass diese Aufführungen nicht zum schnöden Reste-Essen wurden lag im Fall von Händel an dessen Gespür für Qualität. Die Liebesgeschichte von Dido, der Königin von Karthago, und dem trojanischen Helden Aeneas war einer der populärsten Opernstoffe der damaligen Zeit.

CD-Cover, darauf neben Schrift ein Fluss im Abendlicht, wahrscheinlich antike oder alte italienische Bauwerke links und rechts des Flusses, Personen.
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So nahm sich auch 1726 der neapolitanische Komponist Leonardo Vinci dieses Stoffes an. Zehn Jahre später war Georg Friedrich Händel von der Oper „Didone abbandonata“ seines Komponistenkollegen derart begeistert, dass er sie 1737 für eine Aufführung bearbeitete. Händel hat für seine Version nicht nur die Rezitative gekürzt und teilweise neu komponiert. Er wählte neben dreizehn Arien von Leonardo Vinci zudem neun populäre Arien anderer Komponisten, darunter von Antonio Vivaldi und Johann Adolph Hasse. Mit nur vier Aufführungen war dieses Projekt aber eher nicht erfolgreich und so musste die Welt bis zur Produktion in der Saison 2015/2016 beim „Winter in Schwetzingen“ warten, als Dirigent Wolfgang Katschner und die Lautten Compagney Berlin die mutmaßlich erste szenische Umsetzung seit Händel vorstellten. In Halle konnte man die Produktion 2016 bei den Händelfestspielen erleben und nun liegt sie als empfehlenswerte CD-Einspielung vor. Eine erfrischende Darbietung mit erstklassigen Solisten. In den Titel- bzw. Hauptpartien brillieren die Sopranistin Robin Johannsen (als von Liebe und Hass zerrissene Dido) sowie die Mezzosopranistin Olivia Vermeulen (als treuloser Aeneas). Wir wünschen guten Appetit und gute musikalische Unterhaltung.

Details zur CD
Titel Mit Werke Label
Didone abbandonata Johannsen, Robin (Didone, Sopran); Vermeulen, Olivia (Enea, Mezzosopran); Giovannini, Antonio (Jarba, Countertenor); Namwon Huh (Araspe, Tenor)

Lautten Compagney

Katschner, Wolfgang
Auszüge aus “Didone Abbandonata” (Pasticcio über die Oper “Didone Abbandonata” von Leonardo Vinci)

Ahi lasso! (Aria Enea)

Son Regina (Aria Didone)

Quando saprai (Aria Enea)

Amor che nasce (Aria Araspe)

Già si desta la tempesta (Aria Didone)

Cadrà frà poco in cenere (Aria Jarba)
Deutsche Harmonia Mundi

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | Konzert Spezial | 18. August 2018 | 10:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2018, 15:06 Uhr