Premiere in Halle Wirklich ein "Klopper", dieses Stück!

An den städtischen Bühnen in Halle stand lange Zeit das Musical "Spamalot" buchstäblich auf des Schwertes Schneide. Lange war nicht klar, ob das Meisterwerk des abgründigen Monty Python-Humors um König Artus überhaupt an den Start gehen würde.

"Monty Python's Spamalot" an der Oper Halle Bildrechte: Falk Wenzel

Schuld an den Verzögerungen waren weder die arroganten Franzosen oder die bösartigen Killerkaninchen, sondern – wie so oft in den letzten Monaten – ein kleines unsichtbares Virus. Das sorgte für reihenweise Umbesetzungen, für unterbrochene Probenzeiten und schließlich für ein Karussell der Spielstätten, bis Spamalot schließlich glücklich im Opernhaus Halle landen konnte.

Fischertanz und König Artus

Monty Python wäre nicht Monty Python, wenn nicht gleich schon der Show-Opener Verwirrung stiften würde. Denn was hat ein finnischer Fischertanz mit König Artus zu tun, dem legendären König der Briten, der gefälligst nach dem noch legendäreren Heiligen Gral zu suchen hat? Die einfache Antwort: Nichts. Ein Versehen der Dramaturgie, verrät der eilends auf die Bühne stürzende Moderator und ordert die passenden Kulissen und das nun passende Personal für die Ereignisse. Das alles versetzt den Zuschauer dann endlich ins zehnte Jahrhundert.

"Spamalot" an der Oper Halle 4 min
Bildrechte: Falk Wenzel
4 min

Slapstick, englischer Humor und die berüchtigten "Ritter der Kokosnuss" — das Musical "Spamalot" feiert an der Oper Halle seine Premiere. Theo M. Lies berichtet von der Produktion.

MDR KLASSIK Fr 25.02.2022 08:40Uhr 04:11 min

https://www.mdr.de/mdr-klassik-radio/klassikthemen/oper-halle-premiere-monthy-python-spamalot-musical-100.html

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In Halle fand Regisseur Dehler Zuspruch für seine Idee

Nun ist es zu hören, das merkwürde Pferdegetrappel der Ritter der Kokosnuss. Und die bekannte Geschichte nimmt ihren Lauf. Nachdem der Film 1975 veröffentlicht worden war, brachte Eric Idol fast 30 Jahre später diese hanebüchene Erzählung um die pferdelosen Ritter von König Artus Tafelrunde erstmals auf die Broadway-Musical-Bühne. Und genau dort sah es auch der Regisseur Peter Dehler zum ersten Mal. Seit diesem Tag ließ ihn dieser Stoff nicht mehr los. "Das muss man mal machen!", sagte er gerne und immer wieder und fand in Halle Gleichgesinnte.

Der Impuls kam vom Haus und da bin ich auch sehr dankbar.

Peter Dehler, Regisseur von " Monty Pythos's Spamalot"
"Spamalot" an der Oper Halle
Dominique Aref und Marian Kindermann mit Darstellerinnen und Darstellern des Kinder- und Jugendchores der Oper Halle Bildrechte: Falk Wenzel

Denn kaum sitzt mit Walter Sutcliff ein gebürtiger Engländer im halleschen Intendantenstuhl, schon läuft in seinem Opernhaus ein typisch britisches Musical voller Ironie und hintergründigem Humor. Das Personal aber kommt vor allem aus den Reihen des Schauspielensembles, das sich nun auch als singende und tanzende Tafelrunde bewehren muss. Für Regisseur Peter Dehler ist das jedoch kein Makel, sondern eher ein Vorteil. Monty Python gebrauche ein Musical-Klischee, das Musical als Farce. Deshalb sei es sogar besser, "mit Schauspielern und nicht mit perfekten Tänzern und Chorleuten" zu arbeiten, so der Regisseur.

Dem stimmt auch Till Nau zu. Der Choreograph dieser Inszenierung hat schon Dutzende Musicals in Bewegung gebracht und auch genug Erfahrung, die Amateure aus der Szene zu begeistern. Die jungen Leute kommen aus den Jugendensembles am Opernhaus in Sachen Chor und Ballett. Nau lobt besonders die Gruppendynamik.

Die sind sehr ehrgeizig und wirklich auf einem sehr professionellen Niveau mittlerweile. Man darf ja nicht vergessen: Die singen live, die spielen und tanzen, haben Kostümwechsel und sind fast in jeder zweiten Szene auf der Bühne und das ist wirklich ein Klopper, das Stück, also es geht eine Nummer nach der nächsten. Es ist rasant. Und die machen das wirklich absolut top!

Till Nau, Choreograph

Englischer Humor durch und durch

Die Musik für dieses Musical stammt aus der Feder von John Du Prez. Das Musical "Spamalot" stattet der Tonschöpfer vor allem mit zitatenreicher Bombastik á la Broadway aus. So manch kultiger Film wurde bereits mit Kompositionen von Du Prez zum Laufen gebracht, zum Beispiel "Ein Fisch namens Wanda", der ebenfalls mit Monty Python-Personal geschrieben und gedreht wurde.

"Spamalot" an der Oper Halle
"Always Look On the Bride Side of Life" ist natürlich ein Klassiker, der auch in der Oper nicht fehlen darf. Bildrechte: Falk Wenzel

Den Tophit aus Spamalot "Always Look On the Bride Side of Life", den wohl jeder kennt, hat der Drehbuchautor des Films, Eric Idle bei sich selbst geklaut.

Mit diesem lebensbejahenden Liedchen auf den Lippen ist diese Geschichte voller Slapstik, gepaart mit zutiefst englischem Humor samt "edler Hochnäsigkeit", wie einst Kritiker über den Film "Ritter der Kokosnuss" schrieben, erneut zu erleben. Es wird aber wohl nicht jedermanns Geschmack sein, wie da herumgeblödelt und alles verballhornt wird, was da in der Musikwelt kreucht und fleucht.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 25. Februar 2022 | 08:40 Uhr

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