Aktion Advent braucht Musik Musikalischer Adventskranz gegen die Einsamkeit

Advent braucht Musik – mit dieser Aktion ermöglichte der Sächsische Musikrat letztes Jahr in der Adventszeit täglich kleine Konzerte vor Pflegeheimen, Behinderteneinrichtungen, sogar vorm Gefängnis – vor Orten bzw. Menschen, die von den damaligen Kontaktbeschränkungen besonders betroffen waren. Gleichzeitig wurden damit aber auch freischaffende Musikerinnen und Musiker finanziell durch ein Honorar unterstützt, die in dieser Zeit nicht auftreten durften. Jetzt startet die zweite Saison.

Junge und ältere Musizierende mit Weihnachtsmannmütze und verschidenen Blasinstrumenten stehen im leicht verschneiten Innenhof eines Altenpflegeheims, Bewohnerhin mit Rollator im Vordergrung, weiter Person im Hintergrund.
Hofkonzert bei der Diakonie in Chemnitz Bildrechte: Sächsischer Musikrat/Wolfgang Schmidt

Im Innenhof einer betreuten Wohnanlage der Volkssolidarität in Leipzig haben sich elf Bläserinnen und Bläser im Halbkreis und mit gebührendem Abstand aufgestellt und sorgen für die passende Stimmung an diesem Adventssonntag. Bewohnerinnen und Bewohner sind auf ihre Balkone herausgekommen oder sitzen am Fenster und freuen sich sichtlich über das kleine Konzert vorm Haus. Für den Posaunenchor der Thomaskirche gehört das so genannte diakonische Blasen mit in diese Zeit vor Weihnachten, berichtet Daniela Olschewski vom Chor:

"Das diakonische Blasen ist nichts neu Erfundenes, es ist einfach in den Adventssonntag hineingeschoben worden", so die Sängerin. "Dadurch, dass die Gottesdienste so nicht stattfinden können, wir in den Gottesdiensten nicht blasen dürfen, tragen wir die Musik nach draußen." Das hätten sie in den normalen Jahren auch an Krankenhäusern gemacht. An den Adventssonntagen am Nachmittag unterwegs zu sein, sei aber erst seit dem letzten Jahr verstärkt so.

Restspenden aus dem vergangenen Jahr machen's möglich

An diesem Sonntag ist der Leipziger Posaunenchor noch in einer zweiten Mission unterwegs, denn sie spielen auch im Rahmen der Aktion Advent braucht Musik 2.0 des Sächsischen Musikrats – eine Neuauflage des Projektes aus dem vergangenen Jahr, das einem musikalischen Adventskalender glich mit täglichen Konzerten von Solisten oder auch Duos vor sozialen Einrichtungen überall im Freistaat.  

Also wir haben 2020 natürlich null daran gedacht, dass wir das 2021 wiederholen müssen und dass es auch so kurzfristig kam.

Ulrike Kirchberg Projektleiterin beim Sächsischen Musikrat

So stünden noch einige Restspenden zur Verfügung, die dadurch entstanden sind, dass Menschen über das Jahr hinweg weiterhin Geld gespendet haben. "Und da kam die Idee, dieses Mal eine abgespeckte Version zu machen, nämlich an jedem Adventswochenende ganz konzentriert eine Aktion zu unterstützen", erklärt Ulrike Kirchberg. "Und es kam auch dann nochmal die Idee auf: Wir sind ja ein großer Dachverband für ganz Sachsen, also können wir ja einfach unsere Mitglieder fragen."

Faire Vergütung für Musizierende

Dazu gehören der Jazzverband Sachsen, die Sächsische Mozartgesellschaft, die Sächsische Posaunenmission und der Sächsische Blasmusikverband. Die darin organisierten Musikerinnen und Musiker sowie kleine Besetzungen der Orchester haben nun jeweils einen Adventssonntag für oder besser vor Einrichtungen an Orten ihrer Wahl musikalisch gestaltet bzw. werden noch spielen. Und es ist zudem ein Konzert mit dem Geiger Florian Mayer in einem Dresdner Nachtcafé für Wohnungslose geplant. 

"Wir bekommen eben auch Zuschriften, dass man uns ankreidet, jetzt würden wir wieder Almosen verteilen und Musikerinnen und Musiker draußen frierend musizieren lassen. Wir sind ja nicht verantwortlich für die pandemische Lage, im Gegenteil, wir versuchen kreativ zu unterstützen und wir bezahlen immer fair", so Ulrike Kirchberg. So halte man sich an die Sätze der Arbeitsgruppe Faire Vergütung, die eine Richtlinie für viele Geldgeber in Sachsen erarbeitet hat.

Mit Blech ist man einfach zu hören

Der Posaunenchor der Leipziger Thomaskirche spielt an diesem Adventssonntag bereits vor der nächsten Station, einem Seniorenstift im Zentrum. In den Häusern rundherum haben sich einige Fenster geöffnet, die wenigen Passanten bleiben stehen und applaudieren den Musikerinnen und Musikern. Für sie, die alle ehrenamtlich spielen, hat das Geld, was ihrem Chor jetzt durch die Adventskonzerte zugutekommt, keine existenzsichernde Bedeutung. In Zeiten von Kontaktbeschränkungen geben sie noch aus anderen Gründen Adventskonzerte im Freien, erklärt Daniela Olschewski. 

Musikerinnen und Musiker mit Blasinstrumenten stehen im Halbkreis aufgereiht vor einem zweistöckigen Altenpflegeheim, verschneite Wege, kahle Bäume
Advent braucht Musik – an einem Altenpflegeheim in Herrnhut Bildrechte: Sächsischer Musikrat/Alexander Rönsch

"Die die einsam sind, könnten jetzt noch einsamer werden. Und wenn die Besuche nicht erfolgen können und sie nicht herauskommen, gibt es die Möglichkeit nur noch von außen zu spielen – und das kann man eben wirklich nur mit Blechblasinstrumenten." Diese Situation nutze das Ensemble einfach gnadenlos aus. Mit Blech sei man zu hören und könne diesen adventlich-weihnachtlichen Glanz vielleicht in die Herzen hineinbringen. Weshalb für sie eben an jedem der vier Sonntage vor Weihnachten gilt: Advent braucht Musik.

Advend braucht Musik am 4. Advent Auch am kommenden Sonntag sind Orchester in dieser Mission wieder in Sachsen unterwegs, unter anderem die kleine Besetzungen des Blasorchesters der Freiwilligen Feuerwehr Wilsdruff, des Jugendblasorchesters Bernsdorf und der Stadtkapelle Oelsnitz im Vogtland.

MDR KLASSIK auf Social Media