Amtsantritt des neuen Thomaskantors Andreas Reize setzt auf Vertrauen als Basis

Am 11. September hat die Amtseinführung von Andreas Reize im Neuen Rathaus stattgefunden. Am Nachmittag ist der Schweizer dann als 18. Thomaskantor nach Johann Sebastian Bach an das Pult getreten und hat die traditionsreiche Motette in der Leipziger Thomaskirche dirigiert. Auf dem Programm stand Johann Sebastian Bachs Kantate "Was Gott tut, das ist wohlgetan".

Andreas Reize - Dirigent aus der Schweiz
Als Außenseiter ist Andreas Reize ins Rennen um den Posten des Thomaskantors gegangen. Bildrechte: fotomtina.ch

Von Kritik zu Vertrauen

Andreas Reize war im Dezember 2020 vom Leipziger Stadtrat in das Amt gewählt worden. Allerdings hat es Kritik gegeben: In einem offenen Brief sprachen sich einige Thomaner im Frühjahr gegen die Wahl aus. Andreas Reize hatte daraufhin das Gespräch mit den Chorknaben gesucht und konnte Vertrauen aufbauen. Nun ist der Kantor - wie er selbst sagt - "wie in eine Familie" aufgenommen worden, was ihn sehr berührt habe.

Für den Schweizer sind gegenseitiges Vertrauen und Offenheit Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. "Wer Angst hat, kann nicht singen," meint der neue Thomaskantor Andreas Reize.

Der neue Thomaskantor Andreas Reize probt mit dem Thomanerchor und Musikern des Gewandhausorchesters eine Motette.
Der neue Thomaskantor bei der Probe mit dem Thomanerchor und Musikern des Gewandhausorchesters für die Einführungsmotette. Bildrechte: dpa

Es ist wichtig, dass man die Jungs ernst nimmt. Ich versuche, auf sie zuzugehen. (…) Ich kann nicht mit den Jungs Musik machen, wenn ich nicht weiß, wie es ihnen geht.

Andreas Reize, Thomaskantor

Erfahrung und Herausforderung

Über Erfahrung mit Kirchenmusik und der Leitung von Chören verfügt Andreas Reize reichlich: In der Schweiz studierte er Kirchenmusik, Orgel, Cembalo, Klavier, Chor und Orchesterleitung. Im Jahr 2001 gründete er sein eigenes Vokalensemble und vier Jahre später einen Kammerchor. Seit 2006 ist er zudem Musikdirektor der Oper Schloss Waldegg: Alle zwei Jahre präsentiert sein Ensemble namens cantus firmus ensemble Barockopernproduktion unter freien Himmel.

Die Arbeit mit einem riesigen Orchester jedoch - wie mit dem Gewandhausorchester - die das Amt des Thomaskantors beinhaltet, ist für den 46-Jährigen neu. Beim Auswahlverfahren hat Andreas Reize laut Jury auch bei dieser Aufgabe geglänzt.

Vom Außenseiter zum Thomaskantor

Als Katholik aus der Schweiz galt Andreas Reize als Außenseiter unter den Bewerbern für den Posten des Thomaskantors. Damals, im Dezember 2020, hat er sich mit drei weiteren Kandidaten für die Endrunde qualifiziert. Zwei der Finalisten haben ihre Wurzeln im Thomanerchor und einer im Dresdner Kreuzchor. Der Schweizer Dirigent konnte die Jury schließlich von sich und seinen Fähigkeiten überzeugen.

Er hat vor allen Dingen eine wirklich hinreißende Gabe, mit den Jungs umzugehen. Er hat ein reichhaltiges probenmethodisches Repertoire, natürlich auch breite musikwissenschaftliche, theologische und interpretatorische Kenntnisse und Erfahrungen (...). Auch die Zusammenarbeit mit dem Gewandhausorchester: absolut souverän – und das im Gesamtpaket hat die Auswahlkommission und vor allen Dingen die Expertinnen und Experten vollends überzeugt.

Skadi Jennicke, Kulturbürgermeisterin Leipzig

Ein Porträt über Andreas Reize

Der neue Thomaskantor Andreas Reize steht vor dem Thomanerchor. 4 min
Bildrechte: dpa

Andreas Reize ist am Wochenende in sein neues Amt als Thomaskantor eingeführt worden. Damit ist er der 18. Thomaskantor nach Johann Sebastian. Ein Porträt über den Schweizer Musiker von Claus Fischer.

MDR KLASSIK Sa 11.09.2021 07:13Uhr 04:15 min

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 11. September 2021 | 07:13 Uhr

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