Benefizkonzert "Verleih uns Frieden" beim Bachfest 2022 Das Jugendsinfonieorchester der Ukraine zu Gast beim Bachfest in Leipzig

Als weltweiter Stream wird am 9. Juni 2022 das Konzert des "Youth Symphony Orchestra of Ukraine" live aus der Thomaskirche im Rahmen des Bachfestes zu hören sein. Die Organisatoren bitten um Spenden für das ukrainische Orchester, denn: Seit Ausbruch des Krieges gibt es im Land weder Auftritts- noch Probenmöglichkeiten, um die Arbeit des Orchesters zu sichern. Viele junge Musikerinnen haben zudem das Land verlassen. Die männlichen Künstler sind unterdessen in die Armee eingezogen worden und bekommen nur in Ausnahmesituationen, zum Beispiel für einen Auftritt, ein spezielles Visum, um das Land zu verlassen. Auf abenteuerlichem Wege kamen die jungen ukrainischen Gäste nun nach Leipzig, um gemeinsam mit anderen Jugendlichen den Auftakt des Bachfestes 2022 zu gestalten.

Jugendsinfonieorchester der Ukraine
Das Jugendsinfonieorchester besteht aus Musikerinnen und Musikern von 12 bis 24 Jahren. Bildrechte: Serehiy Horobets

Als Michael Maul, der Intendant des Bachfestes Leipzig, die diesjährige Ausgabe des Bachfestes plante, ahnte er noch nichts vom Hilferuf der ukrainischen Dirigentin Oksana Lyniv. Die renommierte Künstlerin leitet das Jugendsinfonieorchester der Ukraine und schickte – gleich nach Ausbruch des Krieges im Februar einen Aufruf für den Frieden rund um die Welt. Zeitgleich warb sie um Spenden für das Orchester und suchte nach Möglichkeiten, die jungen Musiker und Musikerinnen sowie deren Instrumente in Sicherheit zu bringen.  

Bei Bombenalarm nach Leipzig aufgebrochen

"Es war eine Menge Organisation notwendig," sagt Michael Maul und erzählt von der Odyssee der ukrainischen Gäste. 40 Personen gehören zu dem Orchester, die meisten sind zwischen 22 und 24 Jahre alt.  Viele von ihnen leben bereits im Ausland oder kamen aus den entlegensten Winkeln des Landes. Letzten Endes habe man einen Bus organisiert, um einen Teil der Musiker aus Lemberg abzuholen. "Sie sind bei Bombenalarm gestartet."  Jetzt sei es eine große Freude, so der Intendant, "dass die Musikstadt Leipzig das Orchester willkommen heißt." Jetzt werden sie gemeinsam mit dem Jugendchor des Gewandhauses Leipzig musizieren. Teilweise leben die ukrainischen Gäste bei Familien der Leipziger Gastgeber.

 Aus der Ferne gemanagt

Auch Viktorya Dosch fällt ein Stein vom Herzen. Sie managt das Orchester, ist Mitte 30 und Hals über Kopf mit Tochter und Schwägerin vor Wochen aus der Ukraine geflohen. Damals wurden die Raketenangriffe immer heftiger und ihr Mann, ein Spezialist der Flugabwehr, bat sie inständig, die Ukraine zu verlassen. Er selbst kehrte zur Armee zurück. Viktorya erzählt, wie sie in Großbritannien eine erste Bleibe fand, Kleidung, Arbeit, Wohnung, Schule der Tochter organisierte und das Orchester immer im Blick behielt.

"Manche haben einfach alles verloren: ihre Väter, Freunde, andere ihr komplettes Hab und Gut, ihre Wohnung – einfach alles!" Sie schluckt eine Träne hinunter und verbietet sich diese düsteren Gedanken. Im Auftrag von Oksana Lyniv, die vor kurzem Mutter geworden sei, würde sie jetzt alles managen und das Orchester betreuen so gut alles in der Ferne machbar sei. Eine kleine Tournee ist entstanden, demnächst gibt es viele Auftritte etwa in Deutschland und in der Schweiz. Auch wenn ihr jetzt ein Hoffnungsschimmer über das Gesicht huscht, sie wünschte, alle Musikerinnen und Musiker, alle Instrumente seien in leichteren Zeiten vereint. 

Jugendsinfonieorchester der Ukraine
Dirigentin Oksana Lyniv probt mit dem Jugensinfonieorchester der Ukraine. Bildrechte: Serehiy Horobets

Proben mit viel Gefühl

Wenn jetzt die ukrainischen Gäste mit dem Gewandhaus-Jugendchor auf der Bühne stehen, so geschieht das unter Leitung der jungen ukrainischen Dirigentin Polina Lebedieva. Neben ihr studierte Frank-Steffen Elster vom Gewandhaus-Jugendchor das kurzfristige Repertoire ein. Nicht nur logistisch, auch menschlich und künstlerisch sind die Konzerte eine große Herausforderung.  Langsam tastete er sich bei den Proben heran, um die jungen Menschen weder zu überfordern noch zu unterfordern.  

In dem Moment, wo wir Musik machen, machen wir die Musik, weil es auch hilft, sich abzulenken, sich darauf zu konzentrieren, es gut zu machen. Und: Sie haben die Chance, hier Dinge zu machen, die sie gerne machen, nämlich Musik.

Frank-Steffen Elster, Leiter des Gewandhaus-Jugendchores

Auch Taras, der ukrainische Konzertmeister ist dankbar. Er studiert Musik und spielt Geige. Sein Lebensmittelpunkt ist seit drei Semestern Dresden. Jetzt in Leipzig zu sein, hier beim Bachfest zu spielen, empfinde er als großartige Chance. Motiviert und engagiert gehen er und seine Freundinnen und Freunde des Orchesters diese Möglichkeit jetzt an. Es soll eine Friedensbotschaft werden, ein starkes Signal der jungen Generation mit einer Musik, die Kraft geben und mit der man Hoffnung schöpfen kann. 

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 09. Juni 2022 | 07:40 Uhr