Kirche und Corona Wie die Bachkirche Arnstadt in die Passionszeit geht

Das Kirchenjahr in Gemeinschaft feiern – auch in diesem Jahr wird das anders. In Arnstadt stellt man sich darauf ein. An jenem Ort, der normalerweise zu Ostern ein Festival pflegt, dutzende Reisegruppen beherbergt und für den die Passionszeit im Tourismus der Start ins Jahr bedeutet.

Bachkirche in Arnstadt
Bildrechte: Bachkirche Arnstadt

Wenn Jörg Reddin an der großen Orgel der Arnstädter Bachkirche Platz nimmt, schweifen seine Gedanken derzeit nicht nur zur Musik. Der gebürtige Rostocker ist seit 2013 hier Kantor, Organist- und gefragter Gesprächspartner. Meist gehe es Anfang März los, dass immer mehr Touristinnen und Touristen kommen, erzählt Reddin. Während er an der Orgel spielt, ist die Kirche leer. Normalerweise sitzen hier – auch mitten in der Woche – die ersten Gäste.

Reisegruppen, die einfach eine Bachorgelmusik-Führung haben möchten, also mit Orgelmusik von Bach und ein bisschen Hintergrund. Aber es war auch schon vor einem Jahr sehr still um die Osterzeit.

Der Chor muss pausieren

Auch in diesem Jahr wird das wohl so bleiben. Gottesdienste sind derzeit in der Kirche zwar erlaubt und dürfen auch musikalisch untermalt werden. Nur der Chor, der hat Pause.

Bachkirche Arnstadt
Bildrechte: MDR/Oliver Killig

Monika Rottke singt – mit kleiner Unterbrechung – seit fast 50 Jahren im Chor und steht jetzt etwas betrübt mit Maske auf der Empore: 

Das ist nicht immer ganz einfach. Es ist ja nicht nur die Musik weggefallen. Wenn wir uns jeden Montag getroffen haben, ist das auch immer ein sozialer Kontakt. Wir haben uns unterhalten, wir haben uns gegenseitig in Not geholfen.

Jetzt kommt immer montags per E-Mail ein Chorbrief mit kleinen Hörbeispielen und all dem, was aufmuntern könnte. 

Ostern muss ein Lichtblick sein

Er würde jetzt öfter zum Telefon greifen, um Kontakt zu halten, erzählt der Kantor und weiß, Ostern muss ein Lichtblick sein: 

Vielleicht ist es ja möglich, bei dem Gottesdienst am Karfreitag die Chorsängerinnen und -sänger einzuladen. Viele von ihnen haben in ihrem Leben schon sehr viele Johannespassionen gesungen. Ich glaube, drei Choräle wären auch aus dem Stand machbar – und wenn es mit Maske und drei Metern Abstand sein müsste.

Mit 18 wurde Bach hier Organist

Der Marktplatz ist menschenleer. Keine Touristen, keine Konzerte – gerade an Ostern ist das für Arnstadt schwierig. Es war im März 1703 als Johann Sebastian Bach hier erstmals eine Orgel ausprobierte. Es dauerte nur wenige Monate bis der damals 18-Jährige zum Organist der Stadt wurde. In dieser Tradition singt der Chor, Jahr für Jahr, und das fehlt jetzt, sagt Monika Rottke:

Wir haben meistens Konzerte gegeben, entweder die Johannespassion, die Matthäuspassion, selbstverständlich Karfreitagsgottesdienste, Ostersonntagsgottesdienste, Kantaten, Choräle.

All das wird noch warten müssen und trotzdem versucht Jörg Reddin die kleinen Schritte: 

Ich hab einen kleinen Kantatengottesdienst am Sonntag nach Ostern geplant, da ist sogar auch ein Choral drin und soweit der Chor singen kann und darf, würde ich auch den Chor einbeziehen.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 03. März 2021 | 08:40 Uhr