Leihgabe an das Thüringische Landesmusikarchiv Weimar Schloss Altenstein gibt „Brahmsiana“ Sammlung weiter

Es gibt viele abgelegene musikalische Gedenkorte, die von berühmten Komponisten und Komponistinnen besucht wurden. Zu ihnen gehört auch das Schloss Altenstein in Liebenstein, wo Johannes Brahms zwei Mal Gast war. Das Schloss war einige Jahre im Besitz einer Sammlung von u.a. Bildern und Dokumenten zum Wirken des Komponisten, bevor es diese an das Landesmusikarchiv Thüringen übergeben hat. Dort werden die wertvollen Dokumente nun aufbewahrt.

Übergabe der Schenkung von Brahmsiana, durch Renate und Kurt Hofmann, an die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zur Obhut in das Thüringische Landesmusikarchiv an der Hochschule für Musik Franz Liszt HfM in Weimar.
Fotos und Briefe von Johannes Brahms aus der „Brahmsiana“ Sammlung Bildrechte: IMAGO / Thomas Müller
Saisoneröffnung Thüringer Schlösser und Gärten Schloss Altenstein.
Aufnahme des Schloss Altensteins Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Schloss Altenstein liegt circa zwanzig Kilometer entfernt von Eisenach. Das Schloss war einst die Sommerresidenz der Herzöge von Sachsen-Meiningen und ähnelt mit seinem viktorianischen Stil, den großen Fensterfronten und einer idyllischen Parkanlage der Sommerresidenz der britischen Königsfamilie Balmoral in Schottland. Für Brahms war es damals ein Ort der Lebensfreude, an dem er sich gerne aufhielt. Die Schlossverwalterin Susanne Rakowski von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten erzählt:

Er hat ja Clara Schumann einen Brief geschrieben und hat geschwärmt vom Altenstein […] Er war zwei Mal, im November 1894 und 1895 als Gast des Herzogspaares Georg II von Sachsen-Meiningen und seiner Frau Freifrau von Heldburg [da].

Wie die „Brahmsiana“ Sammlung entstand

Das freundschaftliche Verhältnis zwischen dem Herzogpaar und dem in Wien lebenden Komponisten faszinierte besonders ein Ehepaar unserer Zeit: Renate und Kurt Hofmann aus Lübeck. Beide haben eine Sammlung an „Brahmsiana“ mit u.a. Fotografien und Dokumenten zusammengetragen, die besonders diese Beziehung und Brahms letzte Lebensphase beinhaltet. Vor vier Jahren schenkten sie die wertvolle Sammlung an die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.

Die Sammlung wird weitergegeben

Übergabe der Schenkung von Brahmsiana, durch Renate und Kurt Hofmann, an die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zur Obhut in das Thüringische Landesmusikarchiv an der Hochschule für Musik Franz Liszt HfM in Weimar.
Christoph Meixner, Direktor des Landemusikarchivs Weimar Bildrechte: IMAGO / Thomas Müller

Jedoch blieb die Sammlung nicht lange dort. Das Schloss befindet sich zurzeit im Wiederaufbau, da es 1982 abgebrannt ist. So kann die Sammlung nicht fachgerecht gelagert werden und wurde deshalb als Leihgabe an das Thüringer Landesmusikarchiv in Weimar weitergegeben. Dort soll sie in den kommenden Monaten digitalisiert und wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Der Direktor des Landemusikarchivs Weimar Christoph Meixner äußert sich zum Umfang der Sammlung:

Briefe, dann Fotos von Plastiken und weiteres ikonografisches Material, Zeitungsausschnitte und solche Dinge. Auch Notenmaterial. Es sind also drei Kisten hier mit Notendrucken, in denen Brahms eigene Korrekturen drin hat.

Eine Dokumentation von musikalischen Freundschaften

Übergabe der Schenkung von Brahmsiana, durch Renate und Kurt Hofmann, an die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zur Obhut in das Thüringische Landesmusikarchiv an der Hochschule für Musik Franz Liszt HfM in Weimar.
Foto von Johannes Brahms aus der Sammlung Bildrechte: IMAGO / Thomas Müller

In der Sammlung befinden sich unter anderem auch Fotos mit Brahms damaligen Förderer Viktor von Miller zu Aichholz von 1894 oder Briefe von Brahms an den renommierten Klarinettist und Mitglied der Meininger Hofkapelle Richard Mühlfeld. Für diesen hatte Brahms zwei Sonaten für Klarinette und Klavier komponiert. Die Kuratorin für Musik der Meininger Museen Maren Goltz zitiert Teil eines Briefes von Brahms an Mühlfeld:

Sehr lieber Herr! Heute habe ich etwas zu fragen und zu bitten, auf dass mir ein freundliches "Ja" von Ihnen klingen würde wie das lieblichste Adagio von Ihnen geblasen…

Auch versuchte Brahms Clara Schumann zu überreden, ihn auf Schloss Altenstein zu besuchen - jedoch ohne Erfolg.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 11. November 2021 | 07:13 Uhr