CD-Vorstellung Christian Löffler: "Parallels (Beethoven)"

Die klassische und die elektronische Musikszene unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht, was Repertoire, Aufführung und Publikum angeht. Und doch gibt es auch immer wieder Berührungspunkte, wie jüngst Christian Löffler zeigt: Die Deutsche Grammophon stellte dem weltweit bekannten Elektronik-Musiker historische Beethoven-Aufnahmen zur Verfügung, die er frei be- oder verarbeiten konnte. Das Ergebnis ist ein bereichernder Impuls in einem höchst verlockenden musikalischen Spannungsfeld.

CD Cover "Parallels"
Bildrechte: Deutsche Grammophon

Christian Löffler komponiert und produziert seine Musik allein und tritt meist solo oder mit Mini-Besetzung auf. Im Gepäck ist immer sein Laptop und verschiedene Geräte, die er für gewöhnlich irgendwann zwischen zwei und fünf Uhr nachts vor tanzendem Publikum bedient. Der 35-Jährige hat sich einen Namen gemacht und wird weltweit gebucht. Dieses Jahr kam dann das außergewöhnliche Angebot des Klassiklabels Deutsche Grammophon auf ihn zu. Er nahm die Herausforderung an:

Da war natürlich die Idee, nicht noch einmal den gleichen Sound zu wiederholen, sondern zu experimentieren. Ich habe ja vorher schon ganz oft eher ambient komponiert oder Piano-Sachen gemacht, wo auch Beats mal komplett außen vor bleiben. Das war die Idee: noch mehr in Richtung Hören gehen und elektronische Elemente sehr reduziert einsetzen.

Christian Löffler

Für seine Fans

Löffler pickte sich aus den historischen Aufnahmen also einzelne Stellen heraus und webte sie in sein Klanguniversum ein. Insgesamt ist Löfflers Verarbeitung sehr gefühlvoll. Er gibt zu: Dieses Werk ist auch für seine Fans gemacht.

Christian Löffler, Elektronik-Musiker
Bildrechte: Christian Löffler

Ich wollte ja keinen verschrecken. (...) Man denkt schon drüber nach, wie fühlt sich das für sie an und wie kann man Beethoven vielleicht vermitteln. (...) Den Klassik-Hardliner holt man damit sowieso nicht ab.

Christian Löffler

Electronics und Klassik

Christian Löffler erkannte während seiner Beschäftigung mit Ludwig van Beethovens Musik einen gravierenden Unterschied zwischen Electronics und Klassik: Elektro-Tracks drehen sich oftmals mehrere Minuten lang um ein musikalisches Thema. Insofern sind in nur einem Beethoven-Stück Themen für mindestens ein ganzes Elektronik-Album enthalten. Wo Elektronik durch Redundanz eine Art Trancezustand ertanzbar macht, setzen klassische Stücke auf Entwicklung.

Der Kompromiss

Auf seiner EP macht der Elektronik-Musiker nun einen Kompromiss: drei Stücke sind ungewöhnlich kurz und eines so lang, dass es unterschiedliche Themen Beethovens in einem Elektro-Track vereint. Damit hat Löffler die Regeln der Elektronik zugunsten der Klassik aufgeweicht. Ein auf jeden Fall bereichernder Impuls - in diesem höchst verlockenden Spannungsfeld. 

EP "Parallels (Beethoven)" von Christian Löffler
erschienen am 27.11.20
bei Deutsche Grammophon

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 10. Dezember 2020 | 08:10 Uhr