Neugründung in der Pandemie Der Handglockenchor Bad Schandau kommt gut durch die Krise

Eine Band, einen Chor oder ein Ensemble durch die Krise zu bringen, ist schon nicht einfach. Aber während dieser Krise ein neues Ensemble zu gründen, Mitspieler zu finden, ein Repertoire aufzubauen - das scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Dass es trotzdem geht, zeigt der Handglockenchor Bad Schandau: ein kirchliches Ensemble, bestehend aus Amateuren, das erstaunlich gut durch die Krise gekommen ist.

Handglockenchor Bad Schandau
Bildrechte: Sophia Hofrichter

Der Bad Schandauer Handglockenchor zählt 14 Mitglieder und probt regelmäßig im Gemeinderaum der St.-Johanniskirche, natürlich mit Abstand und Maske und unter Einhaltung weiterer Auflagen. Das Ensemble kann nur in ganz kleinen Teilen üben: Lediglich ein Spielender ist anwesend und bedient zwei Glocken. Den Rest der Stimmen liefert Handglockenchorleiterin Daniela Vogel am Klavier. Um ihr Ensemble am Leben zu halten, nimmt sich die Kirchenmusikerin also viel Zeit.

Ich probe eine halbe Stunde mit Einzelpersonen, dann lüften wir eine Viertelstunde den Raum durch und dann kommt in der nächsten halben Stunde der nächste dran.

Daniela Vogel, Leiterin Handglockenchor

So arbeitet der Handglockenchor nun seit einigen Wochen, was sich bei einem Handglockenchor recht gut realisieren lässt. Denn in der Regel bedient ein Spieler zwei Glocken, also zwei Töne. Das macht das Handglockenspiel außerdem perfekt für musikalische Laien, beobachtet Ensemble-Leiterin Daniela Vogel: „Es gibt Leute, die können einfach schon Jahre und Jahrzehnte Instrumente spielen. Und es gibt Mitspieler, die wissen, dass die Note oben im Notensystem eine Hohe ist und unten eine Tiefe, aber mehr eben auch überhaupt nicht."

Proben trotz Krise

Trotzdem muss das Handglockenspiel geübt werden. Techniken wie Echo, Vibrato oder das Abdämpfen brauchen Training. Darum war es auch nicht schlimm, als in der Gründungsphase des Chores vor einem Jahr die Kontaktbeschränkungen kamen und zunächst größere Proben verhindert haben.

Handglockenchor Bad Schandau
Bildrechte: Sophia Hofrichter

Als wir das gegründet haben im März, haben wir uns kein einziges Mal alle zusammen gesehen. Wir haben dann zunächst in Familienverbänden geprobt. Wir haben das große Glück, dass wir vier Familien oder Familienteile in unserem Chor haben. Und dann haben wir Technikproben gemacht, zwei Monate lang nur Technik.

Daniela Vogel

Im Sommer seien die Proben dann größer geworden und im Winter wieder kleiner, stets im Rahmen der Kontaktbeschränkungen. Voran ging es deshalb zwar langsam, aber immerhin ein paar Entwicklungsschritte waren möglich.

Hilfe durch das Projekt "MusikVorOrt"

Seit Beginn der Corona-Pandemie schwinden Musikvereinen die Mitglieder, wie Sophia Hofrichter vom Bundesmusikverband beobachtet. Sie leitet das Projekt „MusikVorOrt“, das Amateurmusik in ländlichen Gebieten, mit zwei Millionen Euro vom Bund fördert. Auch das Programm wurde von der Krise getroffen, sagt sie. Denn es begann ausgerechnet im März letzten Jahres.

Der Rücklauf und die Antwort darauf fiel dann viel geringer aus, als erhofft und als es möglich gewesen wäre, weil einfach die Leute sich natürlich dann in den Hochphasen von einer Pandemie nicht hoch-optimistisch für den nächsten Chor anmelden. Das war auch sehr gut nachvollziehbar.

Sophia Hofrichter vom Bundesmusikverband
Arsis Handglocken
Bildrechte: MDR/Holger John

Trotzdem wertet Sophia Hofrichter das Programm als Erfolg. Viele Musikgruppen hätten neue Mitglieder werben können, so wie der Handglockenchor Bad Schandau. Auch er wird von „MusikVorOrt“ unterstützt, mit 15.000 Euro. Damit bezahlt er die Miete für sein Handglockenset.

Zauber für Auge, Ohr und Gemüt

Bei einem Adventsgottesdienst ist der Handglockenchor mit kleinem Programm auch schon vor Publikum aufgetreten. Für Leiterin Daniela Vogel ein Erfolg: „Wir haben halt einfache Stücke gespielt, aber es war für alle so eine erhebende Situation, dass wir so lange davon gezehrt haben, das ist unbeschreiblich.“

Der Handglockenchor in Bad Schandau beim Adventskonzert
Bildrechte: Johann Volke

Das ist so eine Gesamtheit von Zauber für Auge und Ohr: Dieser extrem reine Klang der hochwertigen Glocken. Und dann eben noch dieses Spielen, diese Technik. Das ist wie ein Tanz mit den Armen.

Daniela Vogel, Leiterin des Handglockenchors

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 12. März 2021 | 07:13 Uhr