Auszeichnung DAAD-Preis für Dresdner Violine-Student aus dem Irak

Ohne sprachliche Voraussetzung hat es der aus Bagdad stammende Geiger Mohammed Al Nuaimi an die Dresdner Musikhochschule geschafft und wurde nun mit einem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes DAAD ausgezeichnet.

DAAD-Preis für Dresdner Violine-Student aus dem Irak Mohammed Al Nuaimi
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Mohammed Al Nuaimi hält sich mit der deutschen Sprache oft noch etwas zurück. Beim Übersetzen aus dem Arabischen hilft ihm die in Dresden lebende Künstlerin Maha Mahmood, die ebenfalls aus dem Irak stammt. Er selbst drückt sich ohnehin viel lieber musikalisch aus:

Die Musik ist die internationale Sprache für Frieden und Herzlichkeit [...] verbindet und vereinigt den Menschen, die Sprache vom Frieden.

Mohammed Al Nuaimi

Wie wichtig diese Musiksprache ist, hat Mohammed bei seiner Ankunft in Dresden geradezu hautnah erfahren. "Als ich nach Deutschland gekommen bin, hab ich im Orchester der Technischen Universität mitgespielt, ohne ein Wort Deutsch zu können [...]. Das war sprachlich und emotional ein Brückenmacher."

Musik bringt Menschen näher

Mohammed ist Jahrgang 1985 und stammt aus einer musikliebenden Familie in Bagdad. Dort startete der Geiger seine Laufbahn. Er habe im Irakischen National-Sinfonieorchester als Konzertmeister und Solist gearbeitet und als Lehrer am Institut of Fine Arts in Bagdad. Bereits in seiner Heimatstadt, wo das Interesse an klassischer Musik sehr groß sei, spürte Mohammed den großen Wert dieser Musik. Er erzählt, er habe habe in den meisten Kirchen in Bagdad schon gespielt.

Deswegen mag ich die Musik, weil es mich allen Menschen nähern kann, egal welche Religion oder Nationalität.

Musikalische Ausbildung in Europa

Aber auch Europa ist ihm nicht unbekannt, er studierte Komponieren und Dirigieren am Konservatorium von Modena, besuchte Workshops in Frankreich und kam mit einem Visum nach Deutschland. Hier wird er von Wolfgang Hentrich unterrichtet, dem Ersten Konzertmeister der Dresdner Philharmonie. Er ist ihm dankbar: "Er hat eine Bruder- und Vaterrolle für mich. Am Anfang sehr gelitten, sehr viel mit mir mitgemacht, ich sehe ihn als einen Freund und Bruder."

Wie erfolgreich dieser Unterricht ist, hat sich kürzlich gezeigt, als Mohammed Al Nuaimi einen Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes DAAD erhielt. Eine künstlerische Anerkennung und ein wenig finanzielle Sicherheit zugleich. "Auf jeden Fall hab ich mich gefreut [...]. Der Preis hilft uns Studenten, mehr Ehrgeiz zu bekommen und uns weiterentwickeln."

Mein Ziel: Dirigieren und Solist. Vielleicht in drei Jahren gehe ich in den Irak – um das, was er hier gelernt hat, im Irak weiterzugeben.

Vorher aber will der Musiker gerne vor deutschem Publikum auftreten. Er hofft, dass in diesem Jahr, zu seiner Abschlussprüfung im Februar endlich wieder Publikum dabei sein darf.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 11. Januar 2022 | 08:40 Uhr

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