Deutsche Orchestervereinigung Deutsche Orchester trotzen der Pandemie

Auf ihrer Jahrespressekonferenz hat die Deutsche Orchestervereinigung Bilanz gezogen. Welche Auswirkungen hat die Pandemie bisher auf die strukturelle Aufstellung der Orchester? Welche Perspektiven sieht die Gewerkschaft? Und sie fragt, wie es dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung grundsätzlich bestellt ist um die Orchester in Deutschland.

Violinisten während eines Konzerts.
Violinisten während eines Konzerts. Bildrechte: dpa

Der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung Gerald Mertens ist zufrieden. Grundsätzlich, sagt er, habe sich die Lage der Berufsorchester in Deutschland konsolidiert. In Zahlen heißt das:

129 Orchester und 9749 Planstellen. Die Zahl ist stabil. Es gab keine neuen Fusionen und Auflösungen seit 2018.

Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung
Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung
Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann

Nach den vielen Umstrukturierungen und Fusionen der letzten Jahrzehnte entwickelt sich in jüngster Zeit auch die Lage der mitteldeutschen Orchester erfreulich. Zum Beispiel in Sachsen-Anhalt. Dort gibt es das erklärte Ziel, sämtliche Haustarife zu beenden und die betroffenen Orchester in die Flächenvergütung zu heben. Den Verband freut das natürlich. Immerhin habe das Vorhaben über dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden.

Nicht alle profitieren vom Flächentarifvertrag

Anders in Thüringen: Dort hat die Neustrukturierung der Orchesterlandschaft zwar für mehr Sicherheit gesorgt. Die Rückkehr in den Flächentarifvertrag wird aber noch auf sich warten lassen.

In Thüringen haben wir noch immer Orchester, die weit unter Tarif zahlen.

Die Pandemie sorgt für tiefgreifenden Wandel

Dass die Orchester die Pandemie bislang gut überstanden haben, liegt vor allem an den neu geschaffenen Finanzierungswegen. In Sachsen etwa waren die coronabedingten Einschränkungen zuletzt besonders hart: Der Lockdown hatte massive Auswirkungen auf den Aufführungsbetrieb der Theater und Orchester. Achtzig Prozent der Träger haben seit April 2020 von der Möglichkeit der Kurzarbeit Gebrauch gemacht. Das, so Gerald Mertens, habe sich stabilisierend auf die gesamte Orchesterlandschaft ausgewirkt.

Mehr Geld für freiberufliche Musiker

Naturgemäß kümmert sich eine Gewerkschaft wie die Deutsche Orchestervereinigung vor allem um die organisierten Mitglieder in Festanstellung. Der Konzertbetrieb wäre aber nicht aufrecht zu erhalten ohne die zahlreichen freiberuflichen Musikerinnen und Musiker – sowohl in freien Ensembles als auch bei den Aushilfen, die in den großen Orchestern einspringen. Schon lange sind Honorarmindeststandards ein Thema für Gerald Mertens und die DOV.

Unser Ziel ist, dass Orchester und Chöre angemessene Honorare für Freischaffende – auch im Aushilfsbereich – zahlen.

In diesem Sinn begrüßt die Gewerkschaft den Entschluss der Bundesregierung, Kultur als Staatsziel ins Grundgesetz aufzunehmen. Schon lange fördert sie Bestrebungen für einen nachhaltigeren Kulturbetrieb. Das gilt mehr denn je in Zeiten der Pandemie.

Das Programm „Neustart Kultur“ ist coronabedingt verlängert worden. Es hat ein Volumen von 20 Millionen Euro. Und das ist für viele Freischaffende, nachdem es anfangs sehr schwer war, eine große Hilfe.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 25. Januar 2022 | 07:13 Uhr

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