Forschungsprojekt Digital Concert Experience So könnten digitale Konzerte interaktiver werden

Mittlerweile gibt es sie zuhauf: digitale Konzertformate. Für Musizierende ist es während der Pandemie die einzige Möglichkeit, öffentlich Konzerte zu spielen. Es bleibt die Frage: Kann das ein Live-Konzert ersetzen? Um das herauszufinden, haben sich Forschende des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik und der Universitäten in Friedrichshafen, Bern und York gefragt, was ein echtes Konzert neben der Musik noch bietet – und ob sich das in den digitalen Raum übertragen lässt.

Livestream-Übertragung eines Streichkonzerts.
Livestream-Übertragung eines Streichkonzerts. Bildrechte: Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik

An Konzertstreams im Internet – ob live oder aufgezeichnet – hat man sich nach einem Jahr Pandemie fast gewöhnt. Man loggt sich ein, genießt das Konzert, geht eventuell zwischendurch in die Küche oder öffnet am Computer noch ein Nachrichtenportal. Heißt: Man ist nicht unbedingt, wie im normalen Konzert, voll bei der Sache.

Digital Concert Experience: Ungeteilte Aufmerksamkeit ist gefordert

Beim Forschungsprojekt Digital Concert Experience ist das anders. Ungeteilte Aufmerksamkeit ist gefordert. Bereits vor Beginn des Konzerts gibt es einiges zu erledigen. Man betritt den virtuellen Raum als Avatar, den man per Webcam mit gewünschten optischen Merkmalen und einer Stimme ausstatten kann.

Publikum soll soziologisch durchleuchtet werden

Der Eintritt in das Konzerthaus fühlt sich dann ziemlich real an. Der so genannte Chatmaster führt in einen Raum, in dem Fragebögen auszufüllen sind. Schließlich wollen die Forscherinnen und Forscher ihr Publikum soziologisch durchleuchten. Was möchte man etwa grundsätzlich in einem klassischen Konzert, ob on- oder offline, erleben? Möchte man sein Musikverständnis erweitern? Möchte man emotional berührt werden? Möchte man an einem Ort sein, wo man sich mit anderen verbunden fühlt?

Konzertsaal ist ein Youtube-Videofenster

Man klickt die jeweils zutreffenden Antworten an, danach geht es in den „Konzertsaal“: ein eingebettetes Youtube-Videofenster. Drumherum gruppiert sieht man graue Punkte – die Sitzplätze für die Avatare. Nach und nach tritt das Publikum ein, die bunten Avatar-Punkte werden mehr.

Hier nochmal als Info für alle, die jetzt schon hier sind: Sie können, wie zuvor auch, durch Rein- und Rausscrollen beziehungsweise durch das Plus und Minus unten in der Ecke den Bildschirm so anpassen, dass Sie das Konzert in voller Größe sehen. Beziehungsweise so, wie Sie es sehen möchten. Je nachdem, ob Sie die anderen Teilnehmer auch noch sehen möchten.

Das Besondere an diesem Stream ist die Interaktion der Teilnehmenden. Im Konzertsaal selbstverständlich per Chat, nicht per Mikrofon.

Also bitte auf die Sitzplätze! Ihre Mikrofone funktionieren hier nicht. Sie können allerdings weiter mit der Chatfunktion mit uns oder auch miteinander kommunizieren, auch während des Konzerts. Das ist ausdrücklich erlaubt, so wie auch Getränke immer noch ausdrücklich erlaubt sind.

Präsentiert werden Brahms und Beethoven

Der Cellist Alban Gerhardt spielt am 21.05.2013 im Bahnhof Dammtor in Hamburg.
Bildrechte: dpa

Am Konzertprogramm wird deutlich: Die Forschenden möchten eine Publikumsmischung aus echten Kennern, Gelegenheits-Konzertbesuchenden und absoluten Neulingen erreichen. Präsentiert wird deshalb eine hochkarätige Streichquintett-Besetzung rund um den bekannten Cellisten Alban Gerhardt. Neben Beethoven und Brahms wird auch ein neues Stück des australischen Komponisten Brett Dean vorgetragen.

Auf ein Getränk in die digitale Cafeteria

Nach Konzertende können sich die Besucherinnen und Besucher in der digitalen Cafeteria treffen. Man kann sich dort mit seinem Avatar in eine Gruppe von Konzertbesuchenden stellen – und wird an deren Unterhaltung teilnehmen können, je nachdem wie nah man der Gruppe kommt.

In der Küche oder auf Nachrichten-Websites ist man während dieses Konzertstreams nicht so oft gewesen. Es herrscht während des Musikerlebens doch so etwas wie ein sozialer Zwang, der sich offenbar ganz gut in die digitale Welt übertragen lässt.

Livestream eines Streichkonzerts. 5 min
Bildrechte: Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik

Ein Klick und die Musik beginnt. Digitale Konzertformate nehmen zu. Doch was macht diese unterhaltsam und künstlerisch attraktiv? Das untersucht nun ein groß angelegtes Forschungsprojekt. Ein Beitrag von Matthias Nöther.

MDR KLASSIK Mi 03.03.2021 07:13Uhr 04:34 min

https://www.mdr.de/mdr-klassik-radio/klassikthemen/digital-concert-experience-audio100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 03. März 2021 | 07:13 Uhr