Young Euro Classic 2020 gibt Nachwuchsmusikern wieder eine Bühne

Kleiner, kürzer und in sehr kurzer Zeit umorganisiert: Klassik-Festivals können in diesem Sommer nicht wie gewohnt stattfinden, Hygiene- und Abstandsregelungen erfordern neue Ideen und Konzepte. So musste auch das Orchesterfestival „Young Euro Classic“, bei dem alljährlich Jugendorchester aus aller Welt in Berlin zusammenkommen, neu gedacht werden.
Vom 1. bis zum 10. August musizieren internationale Studierende nun in kleineren Ensembles im Konzerthaus Berlin.

Dirigent Michael Sanderling mit dem Young Philharmonic Orchestra Jerusalem Weimar anlässlich der Konzertprobe zum Auftakt der YOUNG EURO CLASSICS im Konzerthaus am Gendarmenmarkt.
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Junge Musiker in der Ausbildung leiden sehr unter den coronabedingten Einschränkungen. Der Unterricht war monatelang gar nicht oder nur eingeschränkt möglich. Wichtige Erfahrungen und Lernprozesse, die man nur beim gemeinsamen Musizieren und beim öffentlichen Auftritt vor Publikum machen kann, wurden versäumt. Umso wichtiger erschien es der Leitung des Young Euro Classic, das Orchesterfestival gemäß den geforderten Auflagen umzustrukturieren und den Nachwuchsmusikern eine Bühne zu geben – eine Möglichkeit einander zu begegnen, sich neu zu vernetzen, gemeinsam zu musizieren und wieder in Beziehung mit dem Publikum zu treten.

Nach dieser verrückten Zeit freue ich mich besonders, öffentlich aufzutreten. Ich persönlich schätze die Notwendigkeit, mit Musik eine Botschaft zu vermitteln und habe das Feedback des Publikums sehr vermisst.

Yamen Saadi, Student an der Barenboim-Said Akademie in Berlin
Publikum genießt das Schweizer Jugend Sinfonie-Orchester anlässlich der Young Euro Classic im Konzerthaus in Berlin.
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Verbindungen und Vertrauen schaffen – das geht einher mit dem europäischen, dem internationalen Gedanken, der hinter dem Festival steht. Die Idee bi- und multinationaler Jugendorchester führt Young Euro Classic auf Edward Said und Daniel Barenboim zurück, die Ende der 90er das West-Eastern Divan Orchestra gründeten. Ziel war und ist es, mit den Mitteln der Musik zu einer friedlichen Lösung arabisch-israelischer Konflikte beizutragen. Denn Musik bringt Menschen zusammen und laut Barenboim ist Zuhören immer Grundlage und Bedingung dafür, dass Harmonie entstehen kann:

Daniel Barenboim
Daniel Barenboim, Gründer des "West-Eastern Divan Orchestra" Bildrechte: dpa

Große Musik ist das Ergebnis intensiven Hörens. Jedes Orchestermitglied muss sehr genau der Stimme des Komponisten wie auch seinen Mitspielern zuhören. Persönliche und internationale Harmonie kann es nur geben, wenn wir uns zuhören.

Hornbläser des Bundesjugendorchesters bei einer Konzertprobe.
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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Festivals stammen aus 24 Nationen, unter anderem aus Südkorea, Großbritannien, Israel, den Niederlanden, Russland, Spanien. Vorrangig sind es Studierende dreier Berliner Musikhochschulen – der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, der Universität der Künste und der Barenboim-Said Akademie. Aber auch das Bundesjungendorchester und das European Union Youth Orchestra wird in kleinerer Besetzung in zwei Konzerten zu hören sein.

An vier von zehn Konzerttagen stehen Europa und die Musik, die in den Großstädten des Kontinents entstand, im Mittelpunkt: Schubert, Haydn und Schönberg in Wien; Ravel, Debussy und Boulez in Paris; Prokofjew, Mussorgski und Tschaikowski in St. Petersburg. Außerdem werden auch Werke von Bach, Mozart, Beethoven und Fanny Hensel gespielt.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | Samstag, 1. August | 10:15 Uhr