Filmsoundtracks Die vielleicht gruseligsten Musiken aller Zeiten

Am 31. Oktober ist Halloween – aber wie den Tag angemessen begehen? Die große Verkleidungsparty ist zum  gegenwärtigen Zeitpunkt nun wahrlich nicht das Richtige, und auch das Ziehen von Haus zu Haus und die damit verbundene süß-saure Frage passt momentan nicht in die Landschaft. Die Alternative: Kopfhörer aufsetzen, rausgehen, vielleicht die Nacht auf sich wirken lassen und den teuflisch guten Soundtrack eines Horrorfilms hören.

Frau mit schwarzen, gelockten Haaren und mytisch-gruseligem Blick über Schulter an einem Klavier mit schwarzem Kerzenleuchter, im Hintergrund unscharf Wald
Ran an die Instrumente: Zeit für schaurig-schöne Klänge Bildrechte: imago images/Panthermedia

"Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder." Das lehrt uns ein oft bemühtes Sprichwort, das auf Johann Gottfried Seume zurückgeht. Sobald man aber über den Sinngehalt dieses Spruches nachdenkt, gerät man ins Grübeln, fallen einem Gegenbeispiele ein, singende Schurken, melodienbewanderte Bösewichte. Und die Bösen, die nicht musikalisch sind, stacheln andere an, kreativ zu werden: es gibt erstaunlich viel gute Musik rund um das horrible Treiben rüder Finsterlinge  und das sinistre Tun abgefeimter Menschen – oder anderer unfreundlicher Wesen aller Art. Willkommen in der Welt des Horrorfilms.

Der Film, der wie Halloween heißt

Halloween – Die Nacht des Grauens ist ein Film aus dem Jahre 1978. In Szene gesetzt von einem Regisseur, den man nun nicht unbedingt zu den Filmgenies zählen muss – aber er ist ein höchst anerkannter Genrefilmer: auf das Konto von John Carpenter gehen zum Beispiel The Fog – Nebel des Grauens, Das Ding aus seiner anderen Welt von 1982 oder Sie leben

Das Besondere bei Carpenter: er agiert im Stile eines klassischen Autorenfilmers. Ihm obliegt im Falle von Halloween nicht nur die Regie, er kümmert sich obendrein um das Drehbuch und die Musik. Bei anderen Arbeiten gesellen sich noch der Schnitt und die Produktion hinzu. Was seine musikalischen Fähigkeiten angeht, stellt der Künstler sein Licht sehr gerne unter den Scheffel. Noten wäre nicht seine Sache, und überhaupt widme er sich der Filmmusik vor allem, um zu sparen und das Geld für sich zu behalten. Aber diese vermeintlich saloppe Einstellung hat offenbar genügt, um mit dem berühmten Halloween-Thema eine Komposition ohne Verfallsdatum und hohem Wiedererkennungswert abzuliefern.  

Gruselavantgarde bei Das Omen

Kinder sind nicht immer liebenswert. Das bekommt der Zuschauer in Das Omen von 1976 vorgeführt. Gemacht hat den Film Richard Donner, die düstere, beklemmende Musik steuert Jerry Goldsmith bei – nachdem man sich bereit zeigt, eine prall gefüllte Extraschatulle für den Komponisten zu öffnen. Goldsmith liefert hier seiner Ansicht nach den avantgardistischsten Score ab, den er je geschrieben hat – und bezieht sich dabei vor allem auf den Einsatz der menschlichen Stimmen. Der Chor grunze und stöhne und gebe fremdartige Geräusche von sich, die nicht notwendigerweise musikalisch seien. Aber sie würden so eingearbeitet, als wären sie es. Gerade die Stücke mit dem Chor verleihen dem Soundtrack seine Strahlkraft.

Orchester und Dracula

Wojciech Kilar kann am Anfang der neunziger  Jahre als Filmkomponist eine beeindruckende Bilanz ziehen : Er hat wirklich viele Filme betreut und mit denen gearbeitet, die in Polen Rang und Namen haben: Andrzej Wajda, Krzyzstof Zanussi, Krysztof Kieslowski. Nun aber möchte er ein neues Abenteuer in Angriff nehmen. Hollywood ruft, genauer Francis Ford Coppola und mit ihm Bram Stoker's Dracula.

Kilars orchestraler Soundtrack singt von Einsamkeit, Schmerz und Gewalt, von Gefahr, Liebe und Tod. Gibt sich romantisch und erschreckend, klagend und aggressiv, dann wieder wie ein Alptraum. Nicht nur einmal hat man das Gefühl, dass die Nacht aufzieht und die Gestalten der Finsternis ihr Spiel beginnen. 

Zerrissener Vorhang, zerrissene Ansichten über Musik

Hier haben sie inzwischen sauber gemacht. Großer Unterschied. Sie hätten nur das Blut sehen sollen. Der ganze, der ganze Raum war. Nein, es ist zu grauenvoll, nicht zu beschreiben.

Alfred Hitchcock in einem Badezimmer. Nicht in irgendeinem Badezimmer, sondern in eben dem berühmten mit dem Duschmord. Eine Szene, berühmt wegen ihrer Intensität, der Schnittfolge, der geradezu schreienden Musik. Die liefert Bernard Herrmann,  genau wie in den Hitchock-Filmen Der falsche Mann, Der unsichtbare  Dritte oder Marnie. Die zwei zerstreiten sich schließlich über Der zerrissene Vorhang von 1966. Hitchcock wünscht sich was Poppiges, aber Herrmann liefert was anderes. Er schreibe nun mal keine Popmusik und überhaupt mache Hitckcock ja keine Popfilme. Und damit bricht ein jahrelang funtionierendes Duo auseinander.

Dunkle Schönheit bei Hellraiser

Hellraiser – Das Tor zur Hölle ist ein Film von 1987, in der Horrorfangemeinde äußerst populär. Bedauerlicherweise kann er aber das große Kinopublikum nicht hinter sich bringen – was dazu führt, dass aus dem gefeierten Erstling eine nicht enden wollende Reihe wird. Die Musik zu Hellraiser stammt von Christopher Young, der mit diesem Soundtrack ein manchmal geradezu majestätisch anmutendes Meisterwerk dunkler Schönheit abliefert. Sein Handwerk hat er übrigens einigermaßen unkonventionell gelernt: Ging er ins Kino, schnitt er die Tonspur mit, um verstehen zu lernen, wie das mit der Filmmusik funktioniert.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 31. Oktober 2020 | 09:10 Uhr

Kultur

Martin Todsharow 5 min
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Porträt des Leiters der Filmmusiktage Sachsen-Anhalt, Mike Riemenschneider; Mann mit Anzugjacke, dezent lächelnd und verschränkten Armen lehnt an einer Säule 25 min
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Am Sonnabend beginnen in Halle die Filmmusiktage Sachsen-Anhalt. Aber, darf es eigentlich noch Filmmusik heißen? Das und mehr besprechen wir mit Festivalleiter Mike Riemenschneider.

MDR KLASSIK Di 16.10.2018 09:05Uhr 24:43 min

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